In 20 schwedischen Städten brannten Autos.

In der Nacht zu Dienstag haben Hunderte vermummte Jugendliche laut Angaben der Polizei und Politik allein in Göteburg 88 Autos angezündet, beschädigt und zerstört.

Auch in den Orten Trollhättan, Lysekil und Falkenberg im Südwesten Schwedens ist es zeitgleich zu Zwischenfällen bekommen. Dabei wurden auch Polizisten mit Steinen attackiert.

Doch wie nehmen die Menschen in Schweden die Lage in ihrem Land persönlich wahr? Wir haben nachgefragt.

Der schwedische Architekt Simon Poulsgaard, 30, wohnt in einem der Vororte Göteborgs, in denen plötzlich lichterloh Autos brannten, wo Jugendliche schwarz maskiert von Fahrzeug zu Fahrzeug marschierten, Fensterscheiben einschlugen, brennbare Flüssigkeit auf die Sitze kippten, die Flammen absichtlich entzündeten.

Simon weiß sofort, warum ich ihm schreibe. „Du meinst die Autobrände, nicht wahr? Laut Report haben die jungen Leute über 88 Autos abgefackelt, stimmt. Aber ich weiß nicht warum. Keiner weiß das.

Doch was Simon mitbekommt, macht ihm Angst. Er erklärt: „Ich würde das nicht als Aufstand beschreiben. Ich glaube nicht, dass die für oder gegen irgendetwas demonstriert haben. Ich glaube, sie wollten nur zerstören. Ich wohne dicht an einer Ecke, wo viele dieser Autos gebrannt haben.“

Ein Ausnahmezustand, sagt Simon. „Meine Mutter hat mir sofort geschrieben, ob ich sicher sei und mich gewarnt. Ich habe selber nichts gesehen oder gehört, aber eine enge Freundin hat mir die Fotos von ihrem Balkon geschickt. Es ist erschreckend!“

Dabei sei ihm eine Sache sofort aufgefallen. Die präzise Planung der Attacke. Die Polizei bestätigt den Eindruck. Die Sprecherin der schwedischen Polizei äußert den Verdacht, dass sich die Täter vorab über die sozialen Medien organisiert haben.

Der Einsatzleiter der Rettungsdienste in Göteburg, Johan Eklund bestätigt: „Wir waren an etwa 20 Brandorten in Göteburg am Löschen“ – Polizei und Feuerwehr im Großeinsatz, unter Bedrohung durch Attacken.

Simon sagt: „Ich fühle mich schon noch sicher. Es könnte nur um sinnlose Zerstörung gegangen sein. Aber dem widerspricht einfach auch, dass alles exakt zur selben Zeit an so vielen Orten stattgefunden hat.“

Der Premierminister ist wütend

Auch Stefan Löfven, Premierminister und Chef der Sozialdemokraten, zeigte sich entrüstet über die Ereignisse: „Ich bin richtig angepisst“, sagte er im Radio. „Was zur Hölle tut ihr da?“ Die Gesellschaft, so Löfven, werde hart zurückschlagen.

Der schwedische Premier Löfven in Göteborg.
Foto: / dpa picture alliance

Der Regierungschef besuchte noch am Dienstag die Stadt Göteborg, in der die meisten Autos brannten, um Präsenz zu zeigen. Die anstehenden Wahlen wird er dabei sicherlich im Hinterkopf haben: In Schweden wird am 9. September gewählt, schwach möchte die Regierung angesichts der Krise sicher nicht dastehen.

In der letzten Umfragen lieferten sich Löfvens Sozialdemokraten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Schwedendemokraten, einer wesentlich rechteren Partei, die auch durch die Angriffe vom Dienstag neuen Auftrieb erfahren könnte.

Auch Jimmie Åkesson, Spitzenkandidat der Schwedendemokraten, war noch am selben Tag im Göteborger Vorort Frölunda, in dem auch Architekt Simon lebt, und sprach mit Geschädigten und Medien. Aus seiner Partei wurden bereits Rufe nach Abschiebung der Täter laut, sollte es sich um Ausländer handeln. Der Wahlkampf bleibt jedenfalls spannend.

Quelle: Noizz.de