Der Aufstand der US-Teenager gegen die Waffenlobby.

Genannt werden sie die „Columbine Generation“ – diejenigen Jugendlichen, die nach dem Amoklauf 1999 an der Columbine High School in Colorado, bei dem 15 Menschen umkamen, geboren und aufgewachsen sind. Sie sind mit dem Bewusstsein groß geworden, dass der eigene Klassenraum kein sicherer Ort mehr ist. Amokläufe können jederzeit passieren. 170 "school shootings" gab es seit Columbine, berechnete die Washington Post.

Menschen gedenken der Opfer der Schießerei an der High School in Florida. Foto: Gerald Herbert / dpa picture alliance

Nach dem Parkland-Amoklauf vergangene Woche, bei dem ein 19-jähriger Ex-Schüler 17 Menschen erschoss, regt sich unter den Jugendlichen nun ein immer größer werdender Protest gegen die Waffengewalt in den USA. Die Jugendlichen fordern eine tiefgreifende Veränderung. Sie wollen schärfere Waffengesetze und ein Eindämmen der Waffenlobby, insbesondere der National Rifle Association (NRA), der zuständigen Lobby-Organisation.

Emma Gonzales – das Gesicht des Protests

„An jeden Politiker, der Spenden von der NRA annimmt: Schande über euch!“, rief die Schülerin Emma Gonzales am Samstag bei einer Protestkundgebung vor Hunderten Menschen. Bei der Demonstration in Fort Lauderdale (Florida) nahmen zahlreiche Menschen von der betroffenen Schule teil, die das Blutbad am Mittwoch überlebt hatten. Lehrer und Vertreter mehrerer Gemeinden schlossen sich an.

“Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagt, dass das eine schreckliche Tragödie war (...) und dass man nichts tun kann, frage ich ihn, wie viel Geld er von der National Rifle Association bekommen hat“, fügte Gonzalez hinzu. “Ich weiß es: 30 Millionen Dollar.“

Beim Protest gehe es um “Leben oder Tod“ und nicht um Politik, sagte die 18-Jährige. Ihre Wutrede wurde in den sozialen Netzwerken schnell berühmt.

Der Aufstand geht weiter – großer Marsch für März geplant

Und jetzt? Die Jugendlichen machen weiter. Die Überlebende des Schulmassakers wollen bei einem Marsch auf Washington für schärfere Waffengesetze demonstrieren. Der “Marsch für unsere Leben“ ist für den 24. März in der US-Hauptstadt geplant.

“Es geht nicht gegen die Republikaner, es geht nicht gegen die Demokraten“, sagte der Schüler Cameron Kasky. Jeder Politiker, der Spendengelder von der NRA annehme, “ist für solche Ereignisse verantwortlich."

Schild mit "Keine Waffen für unter 21-Jährige" steht gegenüber dem Schulgebäude, in dem das Massaker statt fand. Foto: Amy Beth Bennett / dpa picture alliance

Trump sieht’s anders – und wütet nur weiter auf Twitter

Auf Trump scheinen die Proteste abzuprallen - er lehnt schärfere Waffengesetze ab. Nach dem Massaker hatte er lediglich einen besseren Schutz von Schulen gefordert. Zu der weiten Verbreitung von Schusswaffen und zum Waffenrecht in den USA äußerte er sich nicht. Stattdessen kritisierte er via Twitter die US-Bundespolizei FBI.

Es habe zu viele Ressourcen auf den Versuch verwendet, Verbindungen seines Wahlkampfteams mit Russland zu beweisen - und deshalb den Tipp zum Täter Cruz verpasst. „Geht zurück zu den Grundlagen und macht uns alle stolz!“, schrieb er auf Twitter.

Bildungsministerin Betsy DeVos hingegen schlägt eine komplett andere Lösung vor. Sie sagte in einer Radio-Talkshow, dass Bundesstaaten die Möglichkeit hätten, Lehrer an ihren Schulen zu bewaffnen.

Das FBI hat Fehler gemacht

Die US-Behörden sind stark in die Kritik geraten, weil sie das Blutbad offenbar hätten verhindern können. Ein Anrufer hatte auf dessen Obsession für Waffen hingewiesen - und darauf, dass Cruz womöglich einen Überfall auf eine Schule plane, wie FBI-Chef Christopher Wray vor dem Wochenende einräumte. Weil der Anruf des Zeugen aber nicht weitergegeben wurde, erreichte er die Polizei vor Ort nicht.

Justizminister Jeff Sessions ordnete eine Untersuchung der Polizeiarbeit an: „Es ist jetzt klar, dass es Warnsignale gegeben hat und dass Hinweisen an das FBI nicht nachgegangen wurde“, sagte er.

In den Augen der Jugendlichen ist das jedoch nicht das Hauptproblem. Es sind die Politiker, die anfangen müssen ans Volk zu denken - statt an ihren eigenen Geldbeutel.

Quelle: Noizz.de