"Es geht mir körperlich immer schlechter."

Organspende ist ein Thema, mit dem sich nicht jeder gerne beschäftigt. Um nicht zu sagen – fast niemand. Menschen, die wegen Krankheit dringend Organe benötigen, warten deshalb manchmal umsonst auf die lebensrettende Spende.

Nach langer Debatte wurde im Bundestag heute entschieden: Organspender wird in Deutschland auch künftig nur, wer dem zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Der von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingebrachte Vorschlag, der jeden zum Spender gemacht hätte, der dem nicht widerspricht, fand keine Mehrheit. Um Bürger trotzdem zur Organspende zu motivieren, sollen sie bei Behördengängen und Arztbesuchen einfach darüber aufgeklärt und zur Spende ermuntert werden.

Konkret sieht das beschlossene Gesetz vor, dass Hausärzte ihre Patienten alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende beraten sollen. Zudem sollen sie ihre Patienten dazu ermutigen, sich ich ein Online-Register für Organspende einzutragen, das jetzt eingerichtet werden soll.

Diese Neuregelung ist zu wenig, sagt Sabrina.

Die 19-Jähre ist wegen einer schweren Krankheit auf Spenderorgane angewiesen. Wir haben mit ihr gesprochen.

"Meine Meinung ist: Wenn man stirbt, braucht man seine Organe nicht mehr und kann durch Organspende noch einem anderen Menschen das Leben retten", sagt sie. "Meine eigene Lebertransplantation war am sechsten Dezember im vergangenen Jahr – nach dreijährigem Warten auf das Organ. Wegen der geringen Spenderzahl hat die Suche danach ewig gedauert."

Sabrina hat eine Grunderkrankung namens Primäre Hyperoxalurie Typ 1, eine seltene Krankheit, bei der der Leber ein Enzym fehlt. Durch dieses fehlende Enzym wird das sogenannte Oxalat nicht abgebaut und setzt sich auf Haut, Knochen und Nieren ab.

"2016 haben dann meine Nieren versagt", erzählt Sabrina. "Seitdem leide ich unter starken Knochenschmerzen. Im vergangenen Jahr wurde es für mich plötzlich unglaublich dringend, eine Leber zu bekommen, da die Ablagerungen fast beim Herz angekommen waren. Dann hätte man bei mir keine Transplantation mehr vornehmen können und ich hätte womöglich sterben müssen. Schließlich stand ich dann ganz oben auf der Warteliste."

Sabrina meint: Würden sich mehr Menschen dazu entscheiden, ihre Organe zu spenden, müssten bedürftige Menschen nicht mehr warten, bis es fast zu spät ist. Auch für sie ist das Warten auf Organe noch längst nicht beendet: "Ich war auf Organspende angewiesen und werde es auch weiterhin sein. Ich warte noch immer auf eine Niere, aber für die ist bisher kein Spender in Sicht. Ich glaube es dauert noch lange, bis es für mich ohne die Spenderniere gefährlich wird – aber es geht mir körperlich immer schlechter."

Mit der Entscheidung gegen die sogenannte Widerspruchslösung hat der Bundestag heute Hoffnungen von Menschen wie Sabrina zerstört. Ein schnelleres Ansteigen der Spenderzahlen ist nun nämlich nicht in Aussicht.

"Ich bin sehr wütend und enttäuscht, dass es diese Regelung jetzt doch nicht gibt", sagt Sabrina zu der Entscheidung. "Man wünscht Menschen zwar nichts Schlechtes – aber diesen mehr als 300 Menschen die dagegen gestimmt haben, wünsche ich, dass sie sich einmal sich so fühlen wie jemand, der auf ein Organ angewiesen ist und weiß, dass es zu wenig Spender gibt."

Aussagen wie diese zeigen: Die Verzweiflung vieler Menschen, die in Deutschland auf Spenderorgane angewiesen sind, ist groß. Was nach der heutigen Entscheidung bleibt, ist die Hoffnung darauf, dass freiwillig mehr Menschen einen Organspendeausweis beantragen. Womöglich ist unter ihnen der eine, dessen Niere Sabrina eines Tages bekommt.

Infos darüber, ob und wie die du einen Organspendeausweis beantragen solltest, findest du hier.

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Quelle: Noizz.de