Rechtsextreme wollen Vormundschaft für Flüchtlinge übernehmen

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Anhänger der "Identitären Bewegung" demonstrieren im Mai 2017 vor dem Justizministerium gegen das NetzwerkDG Foto: Paul Zinken / dpa picture alliance

Nein, das ist keine Meldung vom „Der Postillon“.

Die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" in Hamburg hat auf Facebook dazu aufgerufen, den Vormund für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zu übernehmen. Das Ziel: mit den Menschen „über vorhandene falsche Erwartungen an ihr Gastland sprechen“ und „über eine Zusammenführung mit ihrer Familie in ihrer Heimat“. Ein Sprecher der Gruppierung hat den Post bestätigt. Als erstes berichtete über den Vorfall „Vice“.

Der Aufruf gehört zu der Aktion „Kein Opfer ist vergessen“, bei der die „Identitäre Bewegung“ an die Todesopfer der islamistischen Anschläge und „der politisch gewollten Masseneinwanderung“ erinnern will, um „weiteres Morden zu verhindern“, wie sie auf ihrer Website schreibt. Bei der Vormundschaft sei es unter anderem die konkrete Aufgabe, die Minderjährigen „von der Rückkehr zu überzeugen“, so ein Facebook-Post. Demnach haben sich die Aktivisten bereits beraten lassen und planen Schulungen zu dem Thema.

Auch die bundesweite „Identitäre Bewegung“ hat den Beitrag geteilt. Die Reaktionen der Nutzer sind überwiegend positiv. „Genial! So dreht man den Spieß um und bekommt aus erster Hand mit, was da alles falsch läuft! Top!“, schreibt einer. Andere Anhänger sind verwirrt: „Das ist doch nicht Euer Ernst!!! Kümmert Euch bitte um die Einheimischen, nicht um Invasoren!!!.“

Der Hamburger Verfassungsschutz hat die Aktion „fast schon zynisch“ genannt. „Vor dem Hintergrund der verfassungsfeindlichen Ideologie und zahlreichen fremdenfeindlich und völkisch motivierten Aktionen der vergangenen Monate ist die aktuelle Kampagne kaum als große soziale Tat zu verstehen“, teilt der Verfassungsschutz am Montag mit. Seit August 2016 wird die „Identitäre Bewegung“ vom Verfassungsschutz bundesweit beobachtet.

Polizisten und Aktivisten der "Identitären Bewegung" stehen im August 2016 auf dem Brandenburger Tor Foto: Paul Zinken / dpa picture alliance

Der Hamburger Kinderschutzbund hat die Justiz vor Anfragen Rechtsextremer gewarnt, die Vormund minderjähriger Flüchtlinge werden wollen, sagte ein Sprecher der Sozialbehörde. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass wegen des Rückgangs der Flüchtlingszahlen derzeit nur wenige Vormünder gebraucht würden.

Die „Identitäre Bewegung“ müsste wissen, dass ihre Chancen bei den Behörden, tatsächlich eine Vormundschaft zu übernehmen, gegen null gehen. Mit dem Aufruf bekommt die Gruppierung allerdings eine Menge Aufmerksamkeit. Zudem hat sie wohl erreicht, dass nun minderjährige unbegleitete Flüchtlinge – die eigentlich als besonders schutzbedürftig gelten – noch stärker zur Angriffsfläche unter Rechten werden dürften.

Quelle: Noizz.de