Diese Provokation ist nur eins: dumm.

Gangster-Rapper Bushido ist nicht dafür bekannt, dass er lange überlegt, bevor er seine Gedanken in die Welt posaunt. Das merkt man ganz ausgezeichnet an den Dingen, die er so zur rechtspopulistischen Partei AfD zu sagen hat.

Zum Beispiel hier, in einem Video von 2016. Da unterhält er sich mit Kumpel Ali Bumaye, irgendwie kommen die zwei aufs Thema Politik. Bushido, reichlich zusammenhangslos: „Scheiß drauf, ich wähl' trotzdem AfD!“

Jetzt hat der Berliner Rapper allerdings den Vogel abgeschossen – zumindest für mich. Der Grund? Dieses Foto hier, dazu der Text: „Habe heute mal bei der AfD nachgefragt, ob wir deutsch genug sind. Das Ergebnis kommt demnächst.“

Anis Ferchichi aka Bushido hat sich mit Beatrix von Storch getroffen – der AfD-Politikerin, die sich einst in einem Facebook-Post dafür aussprach, an den Grenzen auf geflüchtete Frauen und Kinder zu schießen. Danach verneinte sie, das so gemeint zu haben: Sie sei „auf ihrer Maus abgerutscht.“ Soso.

Mit dieser Frau also trifft sich Bushido zum Gespräch. Organisiert hat das Ganze Niko Hüls, Chefredakteur der Hip Hop-Zeitschrift Backspin. Das Magazin hat vor der Bundestagswahl das Format „Straßenwahl“ gestartet. Darin treffen Rapper auf Politiker.

Warum ich die Aktion absolut scheiße finde

1. Bushido macht damit Wahlkampf für die AfD.

Das ist eine ganz simple Rechnung: AfD-Politikerin + AfD-Anhänger = Wahlwerbung. Hier gilt mein Unverständnis Niko Hüls. Warum bringt Backspin zwei Menschen mit derselben fragwürdigen politischen Haltung zusammen?

Niemand wird in diesem Talk ein kritisches Wort zu AfD-Entgleisungen à la „Burkas statt Bikini“ verlieren. Und selbst, wenn er es wollte – jemanden wie Bushido isst eine Beatrix von Storch zum Frühstück. Sie mag zwar geschmacklos und dreist sein, aber eines ist sie mit Sicherheit nicht: dumm. Intellektuell ist der Rapper dieser Frau einfach nicht gewachsen.

Beatrix von Storch bekam kostenlose Wahlwerbung mit Bushido Foto: dpa picture alliance / dpa

2. Bushido will mit diesem Treffen – mal wieder – nur eines: provozieren.

Dass er für viele junge Menschen ein Vorbild ist, vergisst er entweder, oder es ist ihm schlicht egal. Ich finde es nicht schlimm, wenn Musiker frech sind, oder dreist, wenn sie gerne ihre Finger in wunde Punkte unserer Gesellschaft legen. Was ich schlimm finde: wenn sie vorher nicht darüber nachdenken, was sie damit anrichten können.

Mit Menschen wie Frau von Storch sollte man nur öffentlich sprechen, wenn man sich vorher ganz genau überlegt hat, wie man mit ihnen umgeht und was man ihnen entgegenzusetzen hat. An seinem Post merkt man leider sofort: Bushido hat das nicht getan.

P.S.: Das Konzept von „Straßenwahl“, Politiker und Rapper zusammenzubringen, ist im Grunde ziemlich cool – und hat auch schon mal funktioniert. Nämlich in diesem Video, in dem Massiv mit dem Grünen-Politiker Anton Hofreiter spricht.

Quelle: Noizz.de