Putin hat die Fäden in der Hand – egal, welche Position er inne hat.

Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte in seiner Rede an die Nation eine Verfassungsänderung an: Künftig soll die Duma, so heißt das russische Parlament, den Ministerpräsidenten bestimmen. Kurz danach ist die russische Regierung vollkommen überraschend zurückgetreten. Ministerpräsident Dmitri Medwedjew verkündete seinen Rücktritt und den des Kabinetts. Er wolle Präsident Wladimir Putin damit die Möglichkeit geben, die nötigen Veränderungen im Land anzustoßen, teilte der Regierungschef am Mittwoch in Moskau mit.

>> Auf diesem Riesen-Gemälde sieht Greta Thunberg aus wie Putin

Die linksliberale slowakische Tageszeitung "Pravda" schreibt am Donnerstag zum Rücktritt der russischen Regierung: "Sie waren sich nie ebenbürtig. Selbst als der Jüngere von beiden (Medwedew) formell weit mehr Macht in seinen Händen hielt als der Ältere. Dmitri Medwedew war für Putin immer nur der Diener. Auch in der Zeit, als sie für vier Jahre ihre Ämter tauschten. Als Putin im Frühjahr 2008 kein drittes Mal hintereinander für das Präsidentenamt kandidieren konnte, schickte er Medwedew in den Kreml und übernahm vorübergehend dessen Funktion als Regierungschef. Über alles Grundsätzliche entschied aber weiter nicht der amtierende Präsident, sondern der ehemalige. Putin dirigierte und führte auch selbst den Bogen auf der zweiten Geige, die Medwedew in seinen Händen hielt.

Dmitri Medwedew

Sobald Putin dann im Mai 2012 erneut in den Kreml übersiedelte, war klar, dass Medwedews politische Lebensdauer davon abhängen werde, wie lange er seinem Chef nützlich war. Dieser wurde sich nun bewusst, dass es an der Zeit sei, den schon zur Belastung gewordenen Diener wieder loszuwerden. [...] Der einst beliebte Medwedew missfiel den Russen zusehends, darum konnte sich der Kreml-Chef nicht erlauben, dass diese Image-Verschlechterung allmählich auch auf ihn selbst abfärben würde. [...]

>> Die Hälfte aller jungen Russen will auswandern

Medwedews Nachfolger übernimmt sein Amt im Bewusstsein, dass auch er eine ähnliche Position haben wird: mit einer politischen Lebensdauer, die völlig vom Willen Putins abhängig ist."

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de