Der CDUler hat für die ARD "Tagesschau" seinen Wahlkreis mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Canan Bayram für einen Tag getauscht.

Ja, Philipp Amthor wirkt auf die meisten wohl ein wenig seltsam. Der mittlerweile nur noch zweitjüngste Bundestagsabgeordnete für die CDU wirkt mit seinen 26 Jahren manchmal, als wäre er mindestens doppelt so alt. Aber eins ist ihm wichtig: seine Arbeit als Politiker.

Ja, der Eifer kann manchmal etwas nach hinten los gehen – im Nachhinein sind wohl alle froh, dass Amthor sein Rezo-Antwortsvideo doch nicht ins Netz gestellt hat – an anderen Tagen zeigt der Poltik-Youngster dann aber auch, dass er vielleicht mehr über Politik nah am Bürger verstanden hat als manch anderer.

So etwa, als er sich gemeinsam mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Canan Bayram auf ein Experiment einließ. Für das ARD-Nachrichtenmagazin "Tagesthemen" trafen sich beide zu einem "Blinddate", oder eher gesagt einem Wahlkreisaustausch.

Für Bayram ging es einen Tag in die Provinz von Mecklenburg-Vorpommern, für Amthor wiederum ging es einen ganzen Tag lang in den Problemkiez Kreuzberg. Beide wussten nicht, was passieren wird oder auf wen sie treffen werden.

Zwei Welten, die aufeinanderprallen

Natürlich müssen wir an dieser Stelle ehrlich bleiben: Wenn Philipp Amthor mit seiner neuen Sommerfriese im Anzug und mit Deutschland-Pin am Revers über den Kotti schlürft, wirkt das irgendwie falsch.

Wenn er dann aber auf Leute trifft, zeigt sich, dass er eins sehr gut kann: zuhören. So trifft er zum Beispiel auf die Flüchtlingshelferin Edeltraud Pohl. Seit mehreren Jahren berät sie Migrantinnen und Migranten bei der Integration in Deutschland. Sie erzählt Amthor von ihrer Arbeit und der Diskriminierung, die die Menschen, als auch sie selbst erleben.

Amthor ist ein bisschen überfordert, als Pohl in Tränen ausbricht und sagt, sie solle weitermachen. An dieser Stelle merkt man, dass er eigentlich in einer ganz anderen Welt zuhause ist.

Als ein Obdachloser ihm eine Zeitung verkaufen will, reagiert er irritiert abweisend, im Gespräch mit der Spätibesitzerin des legendären Ora 35, der inzwischen geräumt wurde, hat er nur wenig Verständnis und findet, der Rechtsstaat müsse entscheiden.

Am Ende des Tages wird er aber sagen:

"Ich möchte vertieft vor allem mir nochmal die Frage zu Gemüte führen: Wieso fühlen sich so viele Menschen mit Migrationshintergrund strukturell so diskriminiert?"

Bayram geht es nicht anders

Aber auch die Grünen-Politikerin hatte es in ihrem Tauschwahlkreis nicht einfach. Eine große Sorge der Bürgerinnen und Bürger dort: der Wolf. Was antwortet Bayram darauf? "Wir sind eben dafür, dass man die Natur so akzeptiert mit den Wölfen. Da gibt's auch Beschlüsse, kann ich Ihnen gerne mal zuschicken von der Fraktion."

Kam allerdings nicht so gut bei den Dorfbewohnern in Meck-Pomm an: "Also Lesen und Schreiben können wir auch. Wir sind ja nicht von gestern." Immerhin, auch Bayram zieht daraus ihre Konsequenzen. Sie verstehe nun besser, warum sich die Leute abgehängt fühlen.

Und das zeigt, warum dieser, an manchen Stellen vielleicht befremdlich wirkende, TV-Beitrag so wichtig ist: Die beiden Politiker sind aus ihrer Komfortzone gegangen. Sie haben sich damit auseinandergesetzt, wie die normalen Bürger in der Großstadt, als auch auf den Land ticken.

Wie sie sich durch zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten irgendwie gleichermaßen abgehängt fühlen. Dafür ein Gespür zu bekommen, ist vor allem jetzt kurz vor den wichtigen Landtagswahlen in Brandenburg und Saschen, bei denen die rechtspopulistische AfD stärkste Kraft werden könnte, extrem wichtig.

Dafür: Hut ab, Bayram und Amthor!

Hier könnt ihr das "Blinddate" in voller Länge sehen:

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Quelle: Noizz.de