Philipp Amthor: Der jüngste Parteisoldat der CDU

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Wir haben den 25-jährigen Abgeordneten in Greifswald getroffen.

Auf einem geschäftigen Marktplatz warte ich auf Philipp Amthor. Kurz vor unserer Verabredung bekomme ich einen Anruf aus seinem Büro. Kurz mache ich mir Sorgen. Sagt er unseren Termin fünf Minuten vorher ab? Nein. Sein Mitarbeiter fragt, ob das Gespräch vom Parteibüro in ein Café verlegt werden kann. Kein Problem. 100 Meter über den Markt, schon sitze ich mit einem Cappuccino in der Hand in einem schicken Studentenbistro.

Ein paar Minuten später betritt Philipp das Café, entschuldigt sich für seine kleine Verspätung, bedankt sich für den Ortswechsel. „So haben wir einfach mehr Zeit, wenn ich den Kaffee nicht noch kochen muss.” Sein Terminplan ist randvoll, im Anschluss gibt er direkt das nächste Interview, dann geht es nach Lübeck.

Vorher aber nimmt er sich Zeit für meine Fragen. Ich treffe Philipp in Greifswald, einem Universitätsstädtchen mit 50.000 Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern. Hier hat er Jura studiert. Aufgewachsen ist er eine Autostunde entfernt, in Torgelow. Noch nie gehört? Kein Wunder. Dort wohnen nicht einmal 10.000 Menschen. Zwischen diesen beiden Orten erstreckt sich Philipps Vorpommerscher Wahlkreis.

Philipp ist jetzt 25 Jahre alt und sitzt für die CDU im Bundestag. Bei seinen Reden genießt er es, die AfD mit juristischem Fachwissen in die Mangel zu nehmen. Aber warum entscheidet sich jemand in diesem Alter für diese konservative Partei?

„Konservativ versteht man heute oft als rückwärtsgewandt, zukunftsfeindlich. Für mich ist konservativ eher gegenwartsfreundlich.“ Also gegen Fortschritt? „Nein, aber skeptisch. Als Konservativer frage ich: Lohnt es sich, etwas Bestehendes aufzugeben? Kann ich diese Frage bejahen, spricht auch nichts gegen Fortschritt.“

„Nur mit Protest erreicht man keinen Fortschritt“

Ich habe das Gefühl, dass mir zwei verschiedene Menschen gegenübersitzen. Zum einen ist da der CDU-Politiker mit Anzug und akuratem Seitenscheitel, der redet, als wäre er als Politiker geboren. Bedacht, selbstbewusst, differenziert. Und dann ist da noch der Mittzwanziger, voller jugendlicher Energie, der etwas verändern möchte. Diese Eigenschaft, so wirkt es häufig, ist vielen anderen Politikern abhanden gekommen.

Aber geht das überhaupt, etwas verändern? Vor allem als junger Bundestagsabgeordneter in der konservativen Regierungspartei?

„Am Anfang hatte ich da auch so meine Bedenken. Aber nach einem halben Jahr im Bundestag stelle ich fest: Ja, wenn man fleißig ist, sich einbringt, dann wird das sehr wohl wahrgenommen und mit Respekt belohnt.“

Er wünscht sich, dass mehr junge Menschen wieder Lust am Mitwirken in Parteien entwickeln. „Auch die CDU muss sicher an vielen Stellen offener werden. Aber auf der anderen Seite sollten junge Leute auch nicht sagen ‚Nö, Parteien mag ich nicht, weil ich da nicht zu 100 Prozent zustimme.‘“ Nur mit Protest erreiche man jedenfalls keinen Fortschritt.

Der Junge vom Land

Man merkt ihm seine ländliche Herkunft an. Er identifiziert sich mit den Menschen jenseits der Großstadt: „Die Diskussion um geschlechtergerechte Toiletten und das dritte bis 28. Geschlecht ist für die Leute hier in Vorpommern nicht so das primäre Thema.“

Er bleibt seinen Wählern, der Landbevölkerung, treu. Diejenigen Städter, die es sich leisten können, mit dem „Hybridporsche zum Bioladen zu fahren und das teure Biofleisch zu kaufen“, würden oft groß reden, moralisieren, ohne die Lebensrealität der Landwirte zu kennen. Auch darum, sagt er, habe er sich an seinem 16. Geburtstag für den Eintritt in die CDU und nicht etwa in die SPD oder FDP entschieden. „Unsere Gesellschaft zeichnet sich durch Freiheit aus. Dazu gehört aber auch Verantwortung. Das sind zwei Seiten derselben Medaille. Die richtige Balance sehe ich nur bei der CDU.“

Philipp Amthor sitzt im Ausschuss für Inneres und Heimat. Besonders das Wort Heimat hat in der Gesellschaft für Diskussionen gesorgt. Wozu braucht man einen Heimatausschuss und ein Heimatministerium? Was soll das überhaupt heißen? Und warum gibt es stattdessen keinen Ausschuss für Digitalisierung?

Philipp findet diese Debatte sinnlos: „Es geht uns nicht um Heimat oder Digitalisierung, sondern wir wollen Heimat trotz Digitalisierung. Wir wollen, dass wir Schritt halten mit dem Wandel.“ Das leuchtet ein, denn gerade Philipps ländliche Wählerschaft ist von der mangelnden Digitalisierung, zum Beispiel dem schleppenden Breitbandausbau, am stärksten betroffen.

Jung, persönlich, angriffslustig

Apropos Digitalisierung: Online nutzt Philipp vorrangig Facebook. Dafür hat er einen Grund: „99 Prozent meiner Posts verfasse ich selbst. Für Instagram und Twitter habe ich keine Zeit. Und es wäre doch blöd, wenn meine Mitarbeiter dort einfach Content recyceln würden. Das will doch keiner sehen.“ Die Persönlichkeit dürfe bei allem technologischen Fortschritt nicht verloren gehen.

Wohl auch deshalb druckte er vor rund einem Jahr seine private Handynummer auf seine Wahlplakate. Transparenz schaffen. Dem Wähler zeigen, dass man persönlich für ihn da ist. Und das hat Wirkung gezeigt. Mit einem Drittel der Stimmen konnte er der AfD die Stirn bieten – was vielen anderen Unionspolitikern, besonders auf dem Land, nicht gelang.

Nach unserem Interview spazieren wir durch Greifswald, um Fotos zu machen. Auf dem Weg grüßt er viele Leute, plaudert über die Lage im Parlament, im Land. Die Gespräche wirken fast schon freundschaftlich. Man merkt: Hier ist er zu Hause, hier ist er anerkannt. Er spricht wie ein Politiker, der den Menschen ihre Sorgen von den Augen abliest.

Philipp Amthor ist ein Mensch mit zwei Gesichtern. Er ist die Nachwuchshoffnung der CDU, ein Parteisoldat mit scharfer Munition gegen den neuen CDU-Erzfeind: die AfD. Und er ist gleichzeitig ein junger Mann, der Ziele und große Träume hat. Eben ein 25-Jähriger, wie er im Buche steht.

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