Überraschung: Es hat mit Politik zu tun!

Wer beim Anblick von Pandas den Verstand ausknipst und „Oooh, wie süß!“ ruft, sollte nicht weiterlesen. Oder sollte erst recht weiterlesen, aber damit rechnen, von diesem Artikel enttäuscht zu werden. Denn hier geht es nicht darum, wie knuffig die schwarzweißen Bären sind – sondern um Politik, um Diplomatie auf höchster Ebene.

Pandas leben – in freier Wildbahn – ausschließlich in China. Und sie haben auf die meisten Menschen eine erstaunliche Wirkung. Pandas sind wie Katzen im Internet, so putzig, dass man nicht wegschauen kann. Die Chinesen haben früh gelernt, das zu nutzen: Sie verschenken (oder verleihen) Pandas an Länder, mit denen sie gute Beziehungen haben. Oder bessere Beziehungen anstreben.

Dass derzeit zwei Pandas in den Berliner Zoo kommen, baut also auf eine lange Tradition. Experten sprechen, kein Witz, von „Panda-Diplomatie“. Die soll erstmals im 7. Jahrhundert ausprobiert worden sein, als Kaiserin Wu Zetian dem Regenten von Japan zwei Pandabären schenkte.

1941 schenkte die Frau des chinesischen Diktators dem Zoo in der Bronx ein Pandapärchen ­– als Symbol der chinesisch-amerikanischen Freundschaft. Kurz darauf kamen die Kommunisten an die Macht und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zum Erliegen. Peking verschiffte seine Pandas nur noch in sozialistische Staaten.

Bis sich die USA und China bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft 1971 annäherten: Der Generalsekretär des chinesischen Tischtennis-Verbandes lud amerikanische Spieler nach Peking ein, später kamen auch Henry Kissinger und Richard Nixon. Am Ende der „Ping-Pong-Diplomatie“ (wieder kein Witz) stand ein Geschenk aus Peking: zwei Pandas für den National Zoo in Washington.

Seit einigen Jahren verschenkt China keine Pandas mehr, sondern verleiht sie – und zwar für ordentliche Summen: Für Mengmeng und Jiao Qing, die für 15 Jahre in Berlin zu Gast sein werden, zahlt der Zoo jährlich 920.000 Euro.

Trotzdem hat die Leihgabe viel mit Diplomatie zu tun: China überlässt die Tiere nur ausgewählten Partnern. Als britische Wissenschaftler das Phänomen 2013 untersuchten, kamen sie zu dem Schluss, dass Pandas vor allem Ländern geliehen werden, die China wichtige Ressourcen und Technologien zur Verfügung stellen. In anderen Worten: Wer Pandas bekommt, wird für wirtschaftliche Zusammenarbeit belohnt.

Seit dem 24. Juni leben also wieder Pandas in Deutschland, zum ersten Mal seit dem Tod von Bao Bao im Jahr 2012. Der hatte seit 1980 im Berliner Zoo gelebt – und war ein Geschenk an den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt gewesen.

Quelle: Noizz.de