Warum die Vorstellung schöner ist, als die Realität.

Klar, sie hat mit ihrer emotionalen Rede sicherlich DEN Golden-Globes-Moment des Jahres geprägt: Oprah Winfrey (NOIZZ berichtete).

Schnell wurden die Rufe laut: „Nichts als Respekt für unsere zukünftige Präsidentin“, twitterte NBC in einem mittlerweile gelöschten Post. „Ich will, dass sie als Präsidentin kandidiert“, forderte Meryl Streep in der Washington Post. „Sie hat keine Wahl.“ Brad Anderson, bei Obamas Wiederwahl Wahlkampfleiter in Iowa, bot Oprah praktisch einen Job an.

Und Oprah selbst?

Oprahs beste Freundin und „CBS This Morning“- Moderatorin Gayle King, sagte auf CBS, Oprah sei „sehr fasziniert von der Idee“, auch wenn sie nicht glaube, dass sie tatsächlich kandidieren würde.

„Wenn sie wirklich als Kandidatin antreten würde, hätte sie einen riesigen Vorsprung“, befand auch Arnold Schwarzenegger, der vom Terminator-Filmstar zum Gouverneur von Kalifornien wurde.

Aber: Wollen wir unsere politischen Ämter wirklich von Celebrities und bekannten Gesichtern aus dem Show Business besetzen lassen?

Andere Kandidaten, die im Gespräch sind: Dwayne „The Rock“ Johnson, Tom Hanks und Howard Schultz, ehemaliger Leiter von Starbucks.

Stell dir mal in Deutschland Jan Böhmermann, Thomas Gottschalk oder Nora Tschirner auf Angela Merkels Stuhl vor! Klingt absurd? Eben.

Natürlich hat Oprah politische Verdienste zu verzeichnen: Den 1993 unter Präsident Nixon verabschiedeten „National Child Protection Act“, der wegen ihres Engagements den Spitznamen „Oprah Act“ trägt. Ihr Engagement in der Obama-Wahl 2008 und für Hillary Clinton 2016. Dass sie 10 Millionen Dollar an die Opfer des Hurricane Katrina spendete.

Sie setzt sich für wohltätige Zwecke ein und verkörpert den American Dream wie keine andere. Trotzdem wissen wir kaum etwas über Oprahs mögliche politische Ziele. Oprah ist eine Kultfigur; wenn sie in ihrer Show Bücher empfahl, wurden sie sofort zu Bestsellern. Sollte man einem Medienstar wirklich so viel Macht übertragen?

Ironischerweise schlug Trump in einem Interview von 1999 selbst vor, sollte er je als Präsident kandidieren, hätte er Oprah gern als seine Vize-Präsidentin!

Aber: Warum sollte sie sich das antun?

Mit ihrer Show hatte Oprah zu Hochzeiten 21 Millionen Zuschauer in 105 Ländern. Sie ist Eigentümerin eines der erfolgreichsten Medienunternehmen der USA und ist Milliardärin (Forbes schätze ihr Vermögen 2010 auf 315 Millionen US-Dollar!). Vor allem aber hat sie eine riesige Fangemeinde und eine fast skandalfreie Karriere.

Warum sollte sie mit einem schmutzigen Wahlkampf ihre Beliebtheit und ihr sauberes Image gefährden?

Fazit: Politik sollte nicht zur Entertainment-Show verkommen. Wenn uns Trumps Wahlerfolg eines gelehrt hat, dann dass politisch Unerfahrene auf dem Chefsessel definitiv nichts verloren haben – egal wie berühmt sie sind. „Oprah For President“ klingt im ersten Moment wie eine heilsbringende Traumlösung. Aber manchmal sollten Träume lieber das bleiben, was sie sind.

Quelle: Noizz.de