Feierabend-Bier in Pjöngjang, cool mit der U-Bahn unterwegs und am Wochenende mal einen Ausflug aufs Land – Un A soll die hippe Seite Nordkoreas zeigen und vloggt dafür sogar auf Englisch. Natürlich mit jeder Menge Propaganda.

Über Nordkorea kursieren allerhand Mythen: Kaum einer war im kommunistischen Land schon einmal zu Besuch, und wer es war, kriegt nur den Teil zu sehen, den Kim Jong-uns Regierung auch zeigen will. Wie revolutionär wirkt da denn bitte ein YouTube-Channel, auf dem eine junge Frau uns in englische Sprache durch Pjöngjang führt? Nichts anderes macht Un A.

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Un A sieht auf den ersten Blick nach einer ganz normalen jungen koreanischen Frau aus. Für nordkoreanische Verhältnisse trägt sie recht moderne Kleidung, sie ist locker drauf, schaut freundlich in die Kamera und sie redet: Englisch.

Un A ist in ihrer Heimat allerdings keine Unbekannte. Die 36-Jährige ist lange Zeit Nachrichtensprecherin im Staatsfernsehen gewesen. Nun, wo auch Nordkorea im digitalen Zeitalter ankommen will, ist sie das Influencer-Aushängeschild von Diktator Kim Jong-un geworden.

Einen Einblick, wie das moderne Pjöngjang von Un A so aussieht, gibt es hier:

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Alle Videos von Un A auf dem YouTube-Channel "Echo of Truth" des nordkoreanischen TV-Senders DPKR haben dieses gleiche pseudomoderne Nullerjahre-Intro mit grafischen Elementen, und immer ist die Soundqualität nur so mittelmäßig. Trotzdem hat Un A immerhin rund 36.700 Abonnenten. Sie wechselt sich regelmäßig mit einer anderen Influencerin ab, die die YouTube-Serie "My Life in Pyongyang" produziert. Allerdings sind Un As Clips, die einzigen in englischer Sprache, die anderen Videos sind nur untertitelt.

In der Sprache des Klassenfeindes zu reden, ist ein völlig neuer Ansatz in der nordkoreanischen Propaganda – Un A macht ihre Clips seit Ende vergangenen Jahres, ist uns aber irgendwie erst jetzt aufgefallen. Sie soll die moderne Seite von Nordkoreas Hauptstadt zeigen und die Stadt weltoffen präsentieren. Dafür führt sie mal durch den nordkoreanischen Untergrund – ja, richtig, das sind alte Ostberliner U-Bahnen der Linie 5, ein großzügiges Geschenk der DDR – und zeigt uns mal, was die Bauern auf dem nordkoreanischen Land so treiben. Oder aber sie nimmt uns mit auf eine typische Afterhour in einem kommunistischen Staat.

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Die Propaganda-Maschine läuft

Alles natürlich immer megahappy und immer verknüpft mit irgendeinem offiziellen Gedenk- oder Feiertag – ich meine, die Propaganda darf nicht zu kurz kommen. Schließlich macht Un A das alles nicht nur aus Spaß. Falls ihr euch schon immer mal gefragt hat, was junge Leute in Nordkorea so machen und ob oder wie sie ein Konzert besuchen, hier kommt die Antwort. Und ja, die Intro-Musik ist großartig:

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Der Clip ist von August, und offiziell gibt es zwar keinen einzigen bestätigten Corona-Fall in Nordkorea, komischerweise tragen trotzdem alle einen Mundschutz. Nun ja. So lange alle noch in Massen tanzen und singen, ist alles gut. Manchmal singt Un A auch selbst einen Song. Der handelt dann meistens davon, wie großartig Nordkorea ist.

Hier gibt es Un As Covid-19-Song:

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Das Regime nutzt Un As Vlogs auch, um westlichen Medienberichten entgegenzuwirken. Als es im April etwa Meldungen gab, dass die Versorgungslage knapp sei, ging die Moderatorin auf Shoppingtour im Warenhaus. Siehe da: volle Regale. Sie fragt sogar andere Kund*innen, ob die Preise gestiegen seien. Die antworten natürlich: "Nein."

Auch wenn für uns die Videos etwas unprofessionell aussehen, für nordkoreanische Verhältnisse sind sie tatsächlich ziemlich modern. Un As Clips gehören zu dem beliebtesten auf dem Kanal "Echo of Truth" und erreichen bis zu 25.000 Aufrufe. Das ist deutlich mehr als klassische YouTube-Videos von Raketentests und Co., die das nordkoreanische Staatsfernsehen sonst so veröffentlicht.

  • Quelle:
  • Noizz.de