Wie sehr kann einem die Umwelt egal sein?

Unsere Bundesregierung will am Mittwoch ein neues Klimaschutzgesetz verabschieden, das so lächerlich umweltunfreundlich ist, dass es an Satire grenzt.

Bereits das Ende September entworfene Klimaziel war ein Witz. Offenbar war dieser der Regierung aber noch nicht lustig genug. Deshalb hat sie nun mit einem überarbeiteten Entwurf nachgelegt und etliche der bisherigen Ziele über Bord geworfen. Das berichtet unter anderem der "SPIEGEL".

Das neue Abkommen tritt unseren Planeten mit Füßen. Spuckt Greta Thunberg ins Gesicht. Wirft das Pariser Klimaabkommen in hohem Bogen in den Papierkorb. Heizt den schmelzenden Gletschern weiter ein und gießt ordentlich Warmwasser auf den ohnehin schon rasant ansteigenden Meeresspiegel. Genug von Metaphern? Dann viel Spaß mit den tatsächlichen Paket.

>> Warum Greta Thunberg den Friedens-Nobelpreis verdient hat

– Kein nationales Ziel zur CO2-Einsparung bis 2040 mehr definiert

Wisst ihr, was im Jahr 2040 ist? Ich auch nicht – das ist in über 20 Jahren.

Unser Planet stirbt jetzt, und unserer Regierung fällt nichts Besseres ein, als ein Abkommen zur CO2-Einsparung zu vereinbaren, das erstens erst in 20 Jahren etwas verändert und zweitens – selbst das noch zu verwerfen? ...

– Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 abgeschwächt

Lol: Ein Ziel bis 2050 gab es auch noch. Aber das einzuhalten, schien den Verantwortlichen wohl etwas überambitioniert. Deshalb wurde es abgeschwächt. Man möchte sich nun lediglich daran orientieren. Eine Verpflichtung wär wohl etwas viel des Guten.

– Klimarat soll keine jährlichen Gutachten zur Wirksamkeit der Maßnahmen vorlegen

So! Ein! Prank! Die paar Maßnahmen, die noch übrig sind, werden ab jetzt nicht einmal mehr überprüft. Es gibt keine Kontrollinstanz mehr. Umwelt-Anarchie?

– Keine Vorschläge zur Justierung durch den Klimarat, falls Emissionsziele verfehlt werden

Ciao. Sollte doch noch irgendwo durchsickern, dass die Umwelt auf dem letzten Loch pfeift, wird es keine offizielle Instanz geben, die sich damit befasst, wie man es besser machen könnte.

Und wir sind hier in Deutschland. Ich dachte echt, wir wären richtig modern und aufgeschlossen, ein europäisches Zugpferd, und hätten irgendwie verstanden, was gerade Sache ist: Alles, was uns lieb ist – der gesamte Planet –, stirbt, wenn wir unsere Klimasünden nicht radikal einschränken. Davon sind wir ab Mittwoch weiter entfernt als unsere Entscheidungsträger vom Leben der Gegenwart.

>> "Extinction Rebellion": So reagieren deutsche Politiker auf die Protestbewegung

Die Regierung selbst sieht das übrigens anders: Für sie ist das Paket "in seiner Substanz gut" und "Kernstück einer zukünftig gerechten Klimapolitik", um Jochen Flasbarth zu zitieren, den Staatssekretär im Ministerium für Bundesumwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Während dieser auf Twitter schönredet, was er mit verzapft hat, haben Umweltverbände satte 48 Stunden Zeit, um auf das Paket zu reagieren und Einspruch einzulegen. Merkwürdige Ironie: Zeitdruck die Umwelt zu retten, verspürt unsere Regierung nicht im Geringsten, das kann sie wohl auch noch in 40 Jahren. Sehr viel dringlicher ist ihr dafür, Gesetze zu verabschieden, die unsere Zukunft in Stein meißeln – so dringlich, dass sie nicht einmal mehr die Zeit haben, sich von Experten anzuhören, ob sie diese Gesetze eigentlich schlau finden.

"Ist in seiner Substanz gut" – und ich bin auch noch der, der deutsche Politiker regelmäßig verteidigt. Was für eine katastrophale Enttäuschung!

>> Von Billie Eilish bis Obama – diese 19 Promis kämpfen mit Greta gegen den Klimawandel

Quelle: Noizz.de