Ein Land, das sich im Krieg befindet, ist niemals sicher.

Knapp eine Woche ist es nun her: Ein weiterer Anschlag geht durch die Medien. Diesmal nicht bei uns, sondern in Afghanistan.

Afghanische Sicherheitskräfte versuchen die Situation unter Kontrolle zu bringen Foto: AP Rahmat Gul / dpa picture alliance

Dem Land, in dem seit 16 Jahren ein Krieg herrscht, in dem Bundeswehr Soldaten bei Gefechten ums Leben gekommen sind und tausende von ihrem Zuhause vertrieben wurden.

Es wundert uns also irgendwie kaum, dass dort auch hin und wieder ein Anschlag passiert. Ist ja schließlich Krieg dort. Warum sonst hat die NATO immernoch ein riesiges Kontingent an Truppen dort? Und warum wird täglich ein Gebiet nach dem anderen an die Taliban verloren?

Nun sterben also 90 Menschen bei einem Selbstmordattentat im Botschaftsviertell. Die deutsche Botschaft, unter anderem, wird von der extremen Wucht des explodierten LKWs beschädigt, ein Wachmann dabei schwer verletzt.

Und endlich passiert das, was schon längst überfällig ist: Die Bundesregierung setzt die Abschiebung afghanischer Geflüchteter in ihr Heimatland aus. Was zunächst als die einzig richtige Entscheidung, zum Schutz der Menschen, aussieht, ist von blankem Zynismus seitens der Bundesregierung übersäht.

Nein, nicht zum Schutz der Geflüchteten hat man dies entschieden, sondern um die Botschaftsmitarbeiter in Kabul zu entlasten.

Afghanistan war noch nie sicher

Ich kenne einige junge Menschen aus England, die in Afghanistan für die britische Armee, für die NATO-Mission, gekämpft haben. Sie erzählten mir einiges von der Struktur dieses Landes.

Unter anderem schilderten sie mir, dass das Land tief gespalten ist. Die Regierung in Kabul hat überhaupt keinen Rückhalt in der Bevölkerung. Die Wahlen sind so korrupt, dass in einigen Wahllokalen, bei einer Anzahl von knapp 90 ausgegebenen Wahlzettel, ein Kandidat knapp 200 Stimmen bekommt.

Die Menschen werden von der Staatsgewalt nicht beschützt, nicht in Kabul und schon gar nicht in den ländlichen Provonzen. Es ist lebensgefährlich, egal wo man sich in diesem Land befindet.

„Sicheres Herkunftsland“

Bundesinnenminister de Maizière in Afghanistan Foto: Christane Jacke / dpa picture alliance

Trotz dieser erschreckenden Tatsachen, hat sich die Bundesregierung dazu entschieden, Afghanistan als „sicheres Herkunftsland“ einzustufen. Das heißt, dass man Asylbewerber ohne Probleme zurückschicken kann. Ihr Leben sei dort nicht in Gefahr.

Dass dies völliger Bullshit ist, sollte seit dem Anschlag dort nun auch dem letzten Politiker bewusst sein. Die Aussetzung der Abschiebungen in dieses Kriegsgebiet wird nicht lang anhalten.

Die Personen, die entschieden haben, dass es dort sicher sei, treten in dem Land nur in kugelsicherer Weste und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen auf – völlig zurecht, schließlich sind sie ja in einem Kriegsgebiet.

Quelle: Noizz.de