Der Politiker Walter Lübcke wurde 2019 auf seiner Terrasse ermordet. Das Motiv: Rassismus. Vor Gericht muss sich dafür aktuell der Neonazi Stephan E. verantworten. Jetzt wurden Ausschnitte aus seiner Vernehmung geleakt.

"Ich möchte, dass der Terror zu ihnen kommt" – so beginnt das 25-minütige Video, das Einblicke in die Vernehmungen des Nazis Stefan E. gibt. Der 46-Jährige muss sich aktuell vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt am Main für den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke verantworten. Veröffentlicht wurden die Aufnahmen auf Youtube von dem öffentlich-rechtlichen Online-Reportageformat "Strg_F" des Content-Netzwerk von ARD und ZDF "funk".

Der Politiker Walter Lübcke (CDU) wurde in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf seiner Terrasse im hessischen Wolfhagen-Istha mit einem Schuss in den Kopf ermordet. Motiv für die Tat ist laut Ermittler*innen Rassismus und sogenannte Fremdenfeindlichkeit. Lübcke hatte sich 2015 für die Aufnahme von Geflohenen eingesetzt und dafür rechtsextreme Hetze, Anfeindungen und Morddrohungen ertragen müssen.

Walter Lübcke (CDU), Regierungspräsident von Kassel

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Zwei verschiedene Geständnisse

Die Aufnahmen zeigen einen Zusammenschnitt der ersten, dreistündigen Vernehmung des Angeklagten im Juni 2019. Er gibt ohne Beisein eines Anwalts ein Geständnis ab – das er später jedoch wieder zurückzieht. Man sieht Stefan E. in einem Vernehmungsraum, der eher an ein Büro erinnert als an das, was man aus Krimi-Serien gewohnt ist. Mit ihm am Tisch sitzen zwei Ermittler, sie stellen ihm Fragen, bitten ihn sogar darum, den genauen Tat-Hergang nachzustellen. "Ich habe auf Kopfhöhe gehalten und abgedrückt", sagt der Täter.

Dann sind auch Ausschnitte aus einer weiteren Vernehmung vom 8. Januar 2020 zu sehen, in denen er eine neue, ganz andere Version seines Geständnisses wiedergibt – diesmal im Beisein seines damaligen Anwalts. Eine Version, die ihn stärker entlastet. Sein Komplize Markus H. habe den Schuss ausgelöst, aus Versehen.

Das Video kannst du dir hier ansehen:

Teilweise Kritik an Veröffentlichung

Neben E. sind vor allem die zwei "STRG_F"-Reporter Nino Seidel und Julian Feldmann zu sehen, die erzählen, dass ihnen die Videos zugespielt worden seien und man sich nach langer Diskussion dafür entschieden habe, die Aufnahmen zu veröffentlichen. Die Aufnahmen seien ein "zeitgeschichtliches Dokument", an dem sich etwas über unsere Zeit und Gesellschaft ablesen lasse.

Einige Expert*innen kritisieren das Vorgehen der Journalisten. Eine Sprecherin des Gerichts sagte am Mittwoch jedoch, dass die Veröffentlichung des Materials für den laufenden Prozess rechtlich keine Rolle spiele, da das Material bereits in die Hauptverhandlung eingebracht worden sei. Es sei nichts in die Öffentlichkeit gelangt, was nicht bereits Inhalt der öffentlichen Verhandlung gewesen sei.

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Quelle: Noizz.de