Heute hat ein Richter die Klage einer ZDF-Journalistin auf gleichen Lohn vorläufig abgewiesen. Warum ich das unfassbar finde ...

Für das ZDF schaute die Journalistin Birte Meier ganz genau hin, wofür wie viel Geld floss: So deckte sie unter anderem „Rent a Sozi“ auf – und für diese und andere Recherchen hoch gelobt.

Doch als sie einmal genauer hinschaute, wie es eigentlich um die Bezahlung in ihrer Redaktion aussieht, machte sie selbst eine schockierende Entdeckung: Ein männlicher und nun pensionierter Kollege hatte netto mehr verdient als sie brutto.

Doch gerade bei ihrem Ex-Arbeitgeber, dem ZDF, biss sie mit Hinweisen darauf auf Granit. Deswegen zog sie 2015 schließlich vor Gericht und forderte 70.000 Euro Schadensersatz.

Dafür zolle ich Meier meinen Respekt, denn die Hürden für so eine Klage sind hoch. Nur sehr wenige Frauen sind diesen Weg überhaupt gegangen – zu groß ist bei ihnen die Angst vor den negativen Konsequenzen. Und wenn, dann haben sie es oft mit einem schlechten Ruf bezahlt – als eine, die Ärger macht.

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Vor Gericht hat Birte Meier dann auch ordentlich eine vom Richter reingedrückt bekommen. Das Arbeitsgericht Berlin wies die Klage ab – weil Meier frei arbeite und eben nicht mit den Kollegen zu vergleichen sei, die mit ihr in der Redaktion sitzen.

Das möchte ich an der Stelle gerne einmal in meine Sprache übersetzen: Ihr nennt euch zwar alle offiziell Redakteure, geht auf die gleichen Drehs und sitzt gemeinsam in den Konferenzen, doch das, was die männlichen Festangestellten machen, ist eben mehr wert.

Denn Meier war zwar frei angestellt, aber in einem 40-Stunden-Vertrag. Sie arbeitete also so viel wie die anderen Kollegen auch. Dennoch hat sie, wie sie vor Gericht ausführte, weniger verdient als ihre teils jüngeren, männlichen Kollegen. Was da nicht vergleichbar sein soll, verstehe ich auch nicht.

Männer verdienen in der gleichen Position und mit der gleichen Qualifikation (je nach Studie) zwei bis acht Prozent mehr als Frauen – pro Stunde! Im Jahr können das aber locker mal einige hunderte Euro Nettogehalt sein. An diesen Zahlen hat sich in den vergangenen 20 Jahren kaum was verändert. In den ostdeutschen Bundesländern sind die Unterschiede sogar gewachsen.

Umso ärgerlicher macht mich dann noch der Versuch des Richters, diese Unterschiede schön zu reden. Er erklärte, dass Männer ja wohl einfach besser verhandeln würden als Frauen. Das klingt für mich so wie: Sorry, liebe Weiber – ihr gebt euch einfach nur nicht genug Mühe, wenn es um das Gehalt geht.

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Unfassbar. Denn der Richter macht hier meiner Meinung nach eine ganze Reihe ziemlich zweifelhafter Annahmen – ziemlich sexistische obendrein!

Haben die Männer wirklich besser verhandelt? Und hat die Frau – in diesem Fall Birte Meier – sich wirklich schlechter angestellt? Das sind, finde ich, für einen Richter ziemlich vage Mutmaßungen. Und unzulässige Verallgemeinerungen aufgrund des Geschlechts.

Der Richter verwies auch gleich noch darauf, dass auch Schwangerschaften dazu führen würden, dass Frauen weniger verdienten. Blöd nur, dass die klagende Journalistin keine Kinder hat. Und: Arbeitsrechtlich ist es verboten, Frauen wegen Schwangerschaft „auf Verdacht“ oder allgemein weniger Gehalt zu zahlen.

Eine Frau, die während der Gerichtsverhandlung im Saal saß, spricht mir aus der Seele. Sie rief: „Willkommen im Mittelalter!“ Denn Schwangerschaft dermaßen als Belastung darzustellen, ist doch wirklich alles andere als zeitgemäß.

Birte Meiers Anwalt hat bekannt geben, dass sie in Berufung gehen werden. Ich drücke die Daumen! Denn es kann nicht sein, dass Frauen für gleiche Arbeit einfach nicht den gleichen Lohn bekommen.

  • Quelle:
  • Noizz.de