Zwei Studis erzählen, was für Probleme er ihnen macht.

Mehrere Jahre warten, tausende Euro für eine Klage ausgeben oder weit weg von zu Hause studieren – wer kein Spitzenabi hat und Medizin studieren will, muss einiges in Kauf nehmen. Ab heute verhandelt das Bundesverfassungsgericht darüber, ob das überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Sollte das Gericht den Numerus Clausus kippen, wäre der Weg vom Abi zum Medizinstudium deutlich kürzer. Franziska Kolb machte 2009 ihr Abitur auf einem Gymnasium in Aalen in Baden-Württemberg mit einem Schnitt von 2,7. Auf einen Studienplatz musste sie sieben Jahre warten.

Franziska Kolb findet den NC nicht gerecht, bereut die Wartezeit aber nicht
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20 Prozent der Studienplätze gehen an Bewerber mit den besten Abiturnoten, wodurch in der Regel nur Einserabiturienten zum Zuge kommen. Weitere 20 Prozent gehen an Bewerber mit der längsten Wartezeit seit dem Abitur.

Die übrigen 60 Prozent der Plätze werden von den Hochschulen nach eigenen Kriterien vergeben, die Abinote bleibt aber immer maßgeblich.

Für Franziska bedeutete es schon damals: 12 Semester warten. Sie begann eine dreijährige Lehre zur Operationstechnischen Assistentin (OTA) und arbeitete danach noch dreieinhalb Jahre, bis im letzten Jahr der Zulassungsbescheid ankam. Inzwischen sind es also schon 14 Semester, die Medizinanwärter warten müssen.

Heute ist die 28-Jährige sogar froh, die Ausbildung  abgeschlossen zu haben: „Ich hätte das Studium ohne Ausbildung nicht durchgehalten. Viele gehen in das Studium, ohne genau zu wissen, was auf sie zukommt.“

Den NC hält sie trotzdem nicht für gerecht: „Ich bin der Meinung, wer ein allgemeingültiges Auswahlverfahren wie einen NC macht, braucht zunächst mal ein bundesweites Zentralabitur, um die Bewerber überhaupt vergleichen zu können.“

So lange zu warten, kam für Melissa Roshan nicht in Frage. Die 20-Jährige aus Kerpen bei Köln hat vor zwei Jahren einen Abischnitt von 2,0 geschafft. Kein schlechtes Abi, aber für das Medizinstudium nicht gut genug.

Nach einem Jahr begann sie eine Ausbildung zur Pflegerin und bewarb sich gleichzeitig im Ausland. Als sie eine Zusage aus Hradec Kralove in Tschechien erhielt, brach sie die Lehre ab und begann an der Charles University ihr Traumstudium.

„Es ist schon etwas anderes, plötzlich im Ausland zu studieren. Aber mir gefällt es bis jetzt ganz gut. Es macht auch Spaß, auf Englisch zu lernen, für mich war das eh nie ein Problem“,  sagt Melissa.

Medizinstudenten müssen teilweise jahrelang auf ihre Studienplätze warten
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Ein „perfektes“ Bewerbungsverfahren einzurichten, fände sie auch schwer. „Ich denke aber, dass der Abischnitt nicht wirklich aussagekräftig ist, weil Leute wie ich das Medizinstudium ja auch irgendwie gebacken kriegen und das nicht mal schlecht. Viel wichtiger ist die Motivation und das Engagement des Bewerbers.

Melissa würde sich Tests in Biologie, Physik, Chemie und Biochemie wünschen, also in Fächern, die im vorklinischen Teil des Studiums sowieso wichtig sind. Die Medizinstudentin meint: „Das zeigt genauso das Engagement des Bewerbers und die Chancen wären gleich. Besteht man den Test, hat man es am Anfang des Studium auch schon mal viel viel leichter“.

Möglicherweise werden die höchsten Richter auch auf ein solches Verfahren verweisen. Im Kern geht es um die Frage, ob der Numerus Clausus noch das Grundrecht auf freie Wahl des Berufs- und der Ausbildungsstätte garantiert. Schon die Vorinstanz hielt die Abiturnote für überbetont. Doch bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vergehen in der Regel mehrere Monate.

Die Richter des Bundesverfassungsgerichts entscheiden jetzt, ob der NC gegen das Grundgesetz verstößt
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