Aus einer eh schon humanitären Katastrophe für Schutzsuchende könnte mit dem Coronavirus eine andere Katastrophe ausarten. Während wir hier in Europa eine privilegierte Quarantäne mit Desinfektionsgel, Klopapier, Snacks, Entertainment und zum Teil Homeoffice aushalten, sieht es in den Lagern, in denen geflüchtete Menschen feststecken, katastrophal aus.

Erst vor wenigen Tagen wurde die Sicherheit für Schutzsuchende in Geflüchtetenlagern zum Thema, nachdem ein Brand in Moria, Griechenland ein sechs Jahre altes Mädchen tötete. Das berüchtigte Lager in Moria war bereits längere Zeit für seine menschenunwürdigen Zustände bekannt.

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Flüchtlingslager in Moria: Menschen leben auf engstem Raum

Flüchtlingsrat fordert mehr Hygiene und eine bessere sanitäre Situation

Die überfüllten Geflüchtetenlager sind ein Paradies für Viren, denn die Menschen haben kaum eine Chance auf Isolation oder Privatsphäre, an sanitären Anlagen für alle mangelt es, das macht es für das Coronavirus umso einfacher, die meist eh geschwächten Menschen zu infizieren. Covid-19 könnte zur Krise für geflüchtete Menschen werden. Denn grade ihnen mangelt es an schützenden Ressourcen und medizinischer Versorgung: Es gibt keine Unterkünfte für alle, viele Leben unter Plastikplanen und ein Gesundheitssystem gibt es ebenfalls nicht.

Der norwegische Flüchtlingsrat setzt sich nun für mehr sanitäre Anlagen und Hygiene in den Lagern ein, dringend zu gebrauchen sind vor allem Waschanlagen. Aktuell leben, nach dem griechischen Bürgerschutzministerium, mehr als 42.500 Migranten auf Lesbos, Samos, Kos, Leros und Chios. Die Kapazität liegt aber bei nur 6.000 Plätzen. Jan Egeland, Generalsekretär des norwegischen Flüchtlingsrates erklärte am Montag in Oslo, dass Millionen von Menschen gefährdet sind. Er verwies auch auf die hinterbliebene Bevölkerung in Kriegsgebieten wie Syrien und Jemen, die durch das durch Krieg zusammengebrochene Gesundheitssystem dem Virus komplett ausgesetzt sind.

Nun ist die Weltgemeinschaft aufgefordert, zu helfen, so der Generalsekretär. Mehr medizinisches Personal wird ebenfalls dringend benötigt. Denn ohne die entsprechenden Maßnahmen gegen den weiteren Ausbruch des Virus, wird es zu extrem hohen Todeszahlen kommen.

Weltweit sind mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht

Grade Menschen, die ihr Zuhause wegen Kriegen und anderen Gründen verlassen mussten, sind in Pandemien besonders gefährdet. Die ohnehin schon schutzlosen Frauen, Männer, Kinder, Kleinkinder und Babies haben keine Garantie auf medizinische Versorgung oder Isolation.

Menschen in Moria, nachdem sie das Feuer gelöscht haben

Fluchtwege werden meisten innerhalb von großen Menschengruppen bewältigt, somit ist die Gefahr auf Ansteckung besonders hoch. Menschen auf der Flucht werden oft von Katastrophenplänen ausgeschlossen, ihre Menschenrechte vergessen. Ob ihre Menschenrechte überhaupt jemals beachtet wurden, ist eine andere Frage. Wie die EU nun reagieren oder helfen wird, ist noch unbekannt.

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Quelle: Noizz.de