Der Artikel war vom Bayrischen Rundfunk - aber ihn zu teilen war illegal.

Es gibt Geschichten, die sind so absurd, dass sie entweder Satire à la “Der Postillion” sind, Fake-News à la russische Bots oder eben: Die Realität à la deutsche Gesetzgebung.

Letzteres trifft auf die Story des 27-jährigen Johannes König zu, Cellist bei der Münchner Philharmonie. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, stieß er beim Scrollen durch Facebook auf einen Artikel des Bayerischen Rundfunks.

Es ging um Wohnungsdurchsuchungen in München, um Menschen, die mit der PKK-nahen kurdischen Miliz YPG sympathisieren sollen. König teilte den Artikel ohne Kommentar auf Facebook. Mehrere Monat passierte gar nichts. Dann landete plötzlich ein Brief vom Kriminalfachdezernat in seinem Briefkasten: Das Teilen des Artikels war illegal.

Der Post

Der Grund: Die PKK ist in Deutschland verboten. Somit auch die Fahne der PKK-nahen Organisation YPG. Diese prangte in gelb-grün versehen mit einem roten Stern auf dem Titelbild des Artikels. Dabei spielt es keine Rolle, dass der BR als Nachrichtenmedium das Foto für den Artikel gewählt hat und König es nur geteilt hat. Als Medium darf man zur Aufklärung verbotene Symbole posten - als Bürger nicht.

Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz gegen König und zehn andere Bürger, die auch den Artikel geteilt haben. Theoretisch droht dem 27-Jährigen jetzt bis zu einem Jahr Haft; die Entscheidung liegt in der Hand des Richters.

König selbst in von dem Vorgang sehr überrascht. "Ich hatte noch nie etwas mit der Polizei zu tun", sagt er. "Man könnte darüber lachen, wäre es nicht so ernst." Neben der Ermittlungen stört ihn der Umgang mit den Symbolen. Die "Kriminalisierung der Symbole der kurdischen Freiheitsbewegung" sei ein "unerträglicher Kotau vor dem türkischen Regime", so König. Die Kurden würden Solidarität verdienen. Sein Vorfall sei ein "neuer irrwitziger Höhepunkt der Repression", so der 27-jährige.

Der Sprecher der Münchner Polizei Sven Müller rechtfertigte vor der Süddeutschen Zeitung den Vorfall und sagte, die Polizei müsse Ermittlungen aufnehmen, sonst würde sie selbst eine Straftat begehen. Dann fügte Müller hinzu: “Als der Gesetzgeber das Gesetz geschrieben hat, wusste er nicht, dass es mal soziale Netzwerke im Internet geben wird."

Ob König Angst habe vor dem Ausgang der Ermittlungen? NOIZZ sagte er: "Ich bin entspannt, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Quelle: Noizz.de