Die SPD schafft es nicht, sich geschlossen zum Thema Cannabis zu positionieren.

Legalisierung ja, nein, vielleicht. Eine Partei, zig Meinungen. Diese Woche hat Martin Schulz seine Meinung zur Legalisierung von Cannabis verraten. Er ist dagegen und begründet das unter anderem mit seiner Vergangenheit als Alkoholiker.

Ob er mit diesem Schritt vor allem bei den älteren Wählern punkten will?

Fest steht:

Das Thema Legalisierung von Cannabis ist nicht neu. Trotzdem drückt die SPD sich um ein klares Statement. Doch damit sind nicht alle in der Partei glücklich.

Michael Gläser ist SPD Abgeordneter in Brandenburg. Er macht sich seit Jahren für die Legalisierung stark.

Für ihn ist klar: Die Diskussion um Cannabis kommt nicht voran, weil Gras seit Jahren als Einstiegsdroge bezeichnet wird. Zu viel Unwissenheit und Ängste verhindern einen Meinungsaustausch.

„Es ist bitter, wenn man versucht, das Thema in die politische Debatte einzubringen und nur auf Ablehnung trifft. Ablehnung von biertrinkenden Politikern übrigens.“ Für Gläser ist Alkohol weitaus gefährlicher als Gras. Doch er will sich nicht unterkriegen lassen, druckt auch Wahlplakate, auf denen er für die Legalisierung wirbt.

„Das hat mich sogar Stimmen gekostet“ erinnert er sich. Den Schritt bereut er trotzdem nicht. "Viele in meinem Umfeld rauchen selber Gras und sind voll berufstätig. Die Annahme, dass Kiffer Versager sind ist falsch", stellt er klar.

Während das Thema die älteren SPD-Mitglieder nicht interessiert, beschäftigen sich die jüngeren Mitglieder schon lange mit dem Thema. Die Jusos fordern die Legalisierung in ihrem Projekt „Zusammen ziehn wirs durch".

Ihr Kernargument:

Die Legalisierung von Cannabis würde den Schwarzmarkt schwächen. Wer Gras kaufen will, kommt so nicht mehr in den Kontakt mit anderen Drogen und die Qualität der Ware wäre endlich unbedenklich.

Ziel der Jusos ist vor allem die Aufklärung über Cannabis. Denn wenn alle Vorurteile ausgeräumt wären, könnte sich niemand mehr gegen die Legalisierung wenden. Uruguay hat mit der Legalisierung im eigenen Land gezeigt, wie das gehen könnte.

In Uruguay baut jetzt sogar der Staat das Gras an

Auch Michael Gläser ist von den Argumenten überzeugt. Er findet: Seine Partei muss sich bewegen, wenn die Gesellschaft die Legalisierung fordert. „Je stärker die Menschen sich dafür einsetzen, desto schneller wird es innerhalb der SPD zum Umdenken kommen.“

Einen anderen Ansatz verfolgt Jan Ingensiep. Er ist Sprecher der Initiative „Sozis für Cannabislegalisierung“. Er verlässt sich nicht auf die Forderungen der Gesellschaft. Stattdessen will er die Partei selbst überzeugen. Die Initiative sei von SPDlern für die SPD. Dabei geht es ihm nicht nur um die Legalisierung von Gras, sondern auch um eine gute Drogenpolitik.

Ingensiep:Zwei Drittel der Parteimitglieder haben absolut keine Ahnung von dem Thema. Je größer die Partei, desto schwerer ist es, ein Umdenken zu bewirken. Im Fall der SPD also sehr schwer.“

Dass Martin Schulz mit seiner persönlichen Absage an die Legalisierung nur Stimmen sammeln wollte, glaubt er nicht. „Wer sich so offen zu seiner eigenen Alkoholismus-Vergangenheit bekannt hat, muss nicht befürchten, sich am Thema Cannabis die Finger zu verbrennen."

Seine Absage ist nur eine persönliche, nicht allgemein

Trotzdem ist er enttäuscht von Schulz`Statement. "Ich wette, er hat das Arbeitspapier für Drogenpolitik noch nicht einmal gelesen. Das war für mich fast wie eine persönliche Niederlage."

Aber Aufgeben ist keine Option. Ingensiep glaubt, die Bevölkerung ist in der Cannabis-Frage weiter als die SPD.

„Denken wir nur an die Ehe für alle. Vor einem halben Jahr hätten das die Wenigsten für möglich gehalten. Trotzdem gibt es sie heute auch in Deutschland. Beim Thema Cannabis kann es ganz genauso laufen."

Wann es soweit sein wird, weiß wohl keiner. Trotzdem wird die SPD um das Thema nicht herumkommen. Jung und sexy geht sie jedenfalls nicht in die Bundestagswahl.

[Teaserbild: Self portrait - Me and my right hand man von MattysFlicks unter CC]

Quelle: Noizz.de