Die Vorsitzende der CDU hat sich noch immer nicht für ihre LGBT-feindlichen Kommentare entschuldigt.

Am Donnerstag wurde CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer von der LSU (den Lesben und Schwulen in der Union) zum Jahresempfang und zur Podiumsdiskussion eingeladen. Eigentlich ein schöner Anlass, um all den queeren Mitgliedern ihrer Partei einmal Entschuldigung zu sagen. Entschuldigung, dass ich mich über das dritte Geschlecht lustig gemacht habe, zum Beispiel. Oder: Entschuldigung, dass ich die Öffnung der Ehe indirekt mit Inzest verglichen habe.

Das wären zwei Möglichkeiten gewesen. Wäre, hätte, könnte – war aber nicht. AKK wurde von Moderator Reinhold Beckmann am Donnerstag mehrfach nach ihren kritischen Bemerkungen befragt. Von Einsicht war keine Spur zu hören.

Hier ein Beispiel: AKK sagte 2015 über die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare: "Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschliessen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen." Sie verglich die Ehe zwischen Homosexuellen somit mit Polygamie und Inzest. Dafür gab es viel Kritik für AKK.

Am Donnerstag wurde sie wieder auf das Thema angesprochen. Sie wurde gefragt, wie sie heute zur Öffnung der Ehe stehe, und sagte: "Die Ehe für alle ist ein Fakt, ist abgestimmt worden, ist akzeptiert worden, gilt für mich. Und alles, was jetzt weiter rechtlich noch daran hängt, wird auch umgesetzt. Das ist gar keine Frage." Damit sagte sie, sie akzeptiere das Gesetz – die Frage, wie sie zur Ehe für alle an sich steht, blieb jedoch unbeantwortet.

Einen weiteren Fauxpas erlaubte sich AKK, als sie sich in diesem Jahr über Toiletten für das dritte Geschlecht lustig machte. Diese seien "für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette."

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Nun ruderte AKK zurück, ohne sich zu entschuldigen, und sagte beim LSU-Empfang: "Es hat sich überhaupt nicht um Intersexuelle gedreht, sondern um die Berliner Blase und um Machos." Wieso sie die Machos dann nicht auch direkt angesprochen hat, bleibt ein Geheimnis. Es wirkt eher so, als wäre der Witz für und nicht über die "Machos" gewesen.

So umständlich ihr Name auszusprechen ist, so agiert sie auch im Umgang mit homosexuellen Menschen – oder mit Menschen, die Frau Kramp-Karrenbauer nicht zu verstehen scheint. Im Talk mit der LSU sagte sie, dass ihre Kinder gar nicht verstehen könnten, dass nicht alle Menschen heiraten durften. Damit zeichnet AKK den Kontrast zwischen den Generationen hervorragend: Ihre Kinder, die jungen Wähler, können mit dem Mindset der älteren Generation, der Politiker wie AKK, nichts anfangen. Eine Schere entsteht.

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Im Hintergrund der Veranstaltung prangte eine CDU-Fotowand. Mittendrauf der Slogan "Die Mitte." Wie kann die CDU aber die Mitte sein, wenn ihre Galionsfigur, ihr Aushängeschild, nicht auch die Mitte ihrer Partei widerspiegelt und alle Menschen respektiert, wie die Mitglieder der LSU oder auch einfach die LGBTQI*-Menschen in Deutschland?

Quelle: NOIZZ-Redaktion