Was würden wir ohne Alexandria Ocasio-Cortez tun?

Egal wie absurd, skandalös oder schlichtweg dumm: Was an politischen News seit November 2016 aus den USA kommt, schockt mich schon lange nicht mehr. Mehr als ein gleichgültiges Naserümpfen, löst Donald Trump und seine Armee an Übeltätern leider nicht mehr bei mir aus. Denn dem, was sich in dem "Land of the Free" gerade so abspielt, darf man nur mit Gleichgültigkeit begegnen. Sonst würde ich mich ja jeden Tag derart aufregen, dass ich in nur wenigen Monaten einen Herzinfarkt bekäme.

Als ich vorherige Woche in meinem Bett nach einer nichtssagenden Teenie-Serie als visuelle Begleitung meines Abendessens suchte, sah ich es: Ein Licht am Ende des Tunnels. Ein Licht in Form der Dokumentation "Knock Down The House", deren Trailer mir Netflix ungefragt vorspielte. Die politische Dokumentation begleitet fünf Frauen, die sich bei den amerikanischen Midterm-Wahlen 2018 aufstellen ließen. Eine historische Wahl, nicht nur, weil besonders viele Politikerinnen antraten, sondern die Demokraten auch die Mehrheit im House of Representatives zurückerlangten.

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Eine von ihnen: Die New Yorkerin Alexandria Ocasio-Cortez. Der Weg der 29-jährigen Puerto Ricanerin wird in der Netflix-Produktion von den Anfängen ihrer Kampagne bis zu ihrer erfolgreichen Wahl ins Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten begleitet. Und auch ihr Gesicht ist es, dass "Knock Down The House" eröffnet. Nach nur wenigen Minuten der Dokumentation habe ich Tränen in den Augen. Die Schicksale der politischen Rookies, die sich im vergangen Jahr drangemacht haben, den US-Kongress umzukrempeln, sind einfach berührend.

So wie im Fall von Amy Vilela, einer Mutter, die einfach nur sicherstellen will, dass sich das tragische Schicksal ihrer Tochter nicht wiederholt. Nur weil Shalynne keine Krankenversicherung hatte, wurde ihr in einem Krankenhaus die Behandlung verweigert. Kurz danach starb sie mit 22 Jahren an einer Lungenembolie. Die Schwarze Politikerin Cori Bush setzt sich in der Doku dagegen in ihrem Bezirk in St. Louis gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt ein. Probleme, die in der nahegelegenen Stadt Ferguson den jungen Schwarzen Michael Brown sein Leben gekostet hat.

Geschichten wie diese bewegen die Politikerinnen in der Dokumentation, sich in ihrer Community zu engagieren und Amerika endlich zu einem lebenswerterem Ort zu machen. Dieser Tatendrang ist nicht nur berührend, sondern auch äußerst inspirierend. Obwohl am Ende nicht alle Kandidatinnen die Wahlen für sich entscheiden können, lohnen sich die 87 Minuten Lebenszeit, die man diesem Film widmet. Schon alleine die Journey von Alexandria Ocasio-Cortez, die vor dem Capitol in Washington endet, inspiriert mich derart, dass ich nun am liebsten selbst dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump Einhalt gebieten will. Aber das macht zum Glück ja AOC für mich.

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Quelle: Noizz.de