Teile der CSU feiern ihn wie den Messias!

Der Fall Karl Theodor zu Guttenberg wurde zum Paradebeispiel für Plagiate. An den deutschen Universitäten bekamen die Studienanfänger immer die Geschichte von zu Guttenberg frisch auf dem Tablet serviert. Es sollte sie daran erinnern, welche Konsequenzen das Abschreiben haben kann und sie zu gründlicher, wissenschaftlicher Arbeit motivieren.

Jetzt sieht es so aus, als könnte es ein Comeback des Plagiators von der CSU geben. Anfang des Jahres wurde zu Guttenberg mit Andreas Scheuer in einem Restaurant gesehen. Seitdem reißen die Gerüchte um eine mögliche Rückkehr des ehemaligen CSU-Shootingstars und Verteidigungsministers nicht ab.

Wenn man denkt, es kann nicht mehr peinlicher werden, dann kommt die CSU

Gestern hielt zu Guttenberg eine Rede in der Kulmbacher Stadthalle, seinem ehemaligen Wahlkreis. Der Andrang war groß, man hätte meinen können, zu Guttenberg wäre von den Toten wieder auferstanden. In politischer Hinsicht könnte das sogar stimmen. Gleich zu Beginn will er einen Schlussstrich unter seine Vergangenheit ziehen „Es ist auch irgendwann gut.

Seinen Wahlkampfauftritt könnt ihr auf YouTube sehen:

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Entertainer. Ein bisschen Selbstironie, ein paar Witze über politische Feinde wie den „Gazprom-Gerd“ und simple politische Parolen. Mehr braucht es nicht, um die rund 1100 Gäste im Saal zum Kochen zu bringen.

Der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke, Redakteur der "Blätter für deutsche und internationale Politik“, beobachtet zu Guttenbergs erste Schritte auf altem Terrain kritisch. “Es ist offensichtlich, dass zu Guttenberg gerade die Voraussetzungen für ein politisches Comeback abcheckt. Die wichtigste Frage ist, ob die Leute ihm – nach dem Plagiats-Skandal – noch einmal ihr Vertrauen schenken werden."

Karl Theodor zu Guttenberg versucht zwar mit seiner Vergangenheit abzuschließen, um politisch tragbar zu sein. Dennoch ist bei ihm kaum eine Veränderung festzustellen. Auch von Lucke hat nicht das Gefühl, dass er sich geändert hat.

„Karl Theodor zu Guttenberg ist durchaus vergleichbar mit Sebastian Kurz aus Österreich oder Emmanuel Macron in Frankreich. Er ist noch relativ jung, hat Charisma und noch viel wichtiger: Er ist ein Anti-Establishment-Politiker. Obwohl er natürlich selbst Teil des Establishments ist, hat er immer versucht, sich rhetorisch davon abzugrenzen. Damit ist er ein Stück weit sogar mit Donald Trump vergleichbar“, sagt von Lucke.

Diese Karte spielt er auch jetzt wieder aus. Dass er zur Zeit kein politisches Amt hat erleichtert ihm dieses Vorgehen. Trotzdem ist er für Teile der CSU der Heilsbringer.

In Wahrheit ist das Ganze eine riesen PR-Aktion. Er macht im Wahlkampf etwas Werbung für die CSU und beginnt damit natürlich ausgerechnet in seinem alten Heimat-Wahlkreis. Dies sei „eine Herzensangelegenheit“ gewesen. Die CSU nimmt die Hilfe dankend an, postet auf Twitter und Facebook Bilder, wann immer zu Guttenberg unterwegs ist und übertrug seine Rede sogar Live auf Facebook.

„Natürlich steht die CSU nicht geschlossen hinter ihm. Horst Seehofer sieht in ihm die willkommene Chance,  Markus Söder als seinen potentiellen Nachfolger doch noch zu verhindern. Zu Guttenbergs Gegner sind dagegen all jene in der CSU, die auf absehbare Zeit hohe Ambitionen habe – an der Spitze eben Markus Söder“, stellt von Lucke klar.

Könnte am Ende in die Röhre gucken, Markus Söder

Dass zu Guttenbergs Ambitionen sich zurzeit schon auf die Bundespolitik erstrecken, ist aber unwahrscheinlich. er selbst hat schon gesagt, dass er während der Bundestagswahl in den USA sein wird. Es ist aber durchaus möglich, dass er sich für die nächste Landtagswahl in Bayern in Stellung bringt. Für von Lucke ist klar: Wenn Karl Theodor zu Guttenberg noch einmal auf Bundesebene aktiv wird, dann erst in einigen Jahren.

Quelle: Noizz.de