Trotz Sexskandale und Steuerhinterziehung lässt er sich (erneut) feiern.

Italien ist in der Dauer-Wirtschaftskrise, und das trifft junge Menschen am härtesten. So wie Erika, eine frisch gebackene Lehrerin aus Rom. Als ich sie vor einigen Monaten bei einer Italien-Reise traf, erzählte sie mir: „Ich kann mir nicht einmal einen Kinobesuch leisten.“ Erika hat noch Glück, immerhin hat sie einen Job. Denn mit 32,2 Prozent war die Jugendarbeitslosigkeit in Italien 2017 die dritthöchste in Europa nach Griechenland und Spanien.

Der Frust der Italiener könnte sich bei der Wahl am Sonntag widerspiegeln: Ein Mitte-Rechts-Bündnis aus der Forza Italia, der rechtspopulistischen Lega Nord und zwei kleineren Rechtsparteien liegt in den Umfragen vorne. Ins Leben gerufen wurde die Allianz von keinem geringeren als Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

Silvio Berlusconi Foto: Flavio Lo Scalzo / dpa picture alliance

Der Multimillionär hatte Italien in mehreren Amtszeiten an den Rand des Staatsbankrotts geführt. Für die Parlamentswahl am Sonntag darf er wegen einer Verurteilung aufgrund von Steuerhinterziehung nicht selbst kandidieren. Allerdings spielt er als Initiator des Bündnisses ganz vorne mit. Auf Wahlplakaten seiner Partei Forza Italia steht: "Berlusconi Presidente".

Für weltweites Aufsehen sorgte er wegen seines "Bunga Bunga"-Sexskandals und wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Prostitution von Minderjährigen. Mittlerweile ist er schon 81 Jahre alt, ist jedoch der Meinung: „Ich bin wie guter Wein, mit dem Alter werde ich besser.“

Luigi di Maio Foto: Angelo Carconi / Zusammen mit dpa

Die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung will ebenfalls die Wahl gewinnen – sie ist derzeit in Umfragen stärkste Einzelpartei des Landes. Der 31-jährige Spitzenkandidat Luigi di Maio wäre der jüngste Regierungschef, den Italien je hatte, wenn er es in die Regierung schaffen würde. Gewitzelt wird oft über seine Grammatikfehler oder über mangelnde Geografie- und Geschichtskenntnisse. Einmal bezeichnete er etwa den chilenischen Diktator Augusto Pinochet als venezolanischen und verortete Russland am Mittelmeer.

Auch Matteo Renzi, Chef der Sozialdemokraten und ehemaliger Ministerpräsident, will es nach seinem Sturz noch einmal versuchen. Der 43-Jährige ist Pro-Europäer und galt für viele als Hoffnungsträger, der Italien aus der Krise führen könnte. Doch seine Partei gilt als zerstritten. Nachdem Renzi ein Verfassungsreferendum Ende 2016 verloren hatte, trat er als damaliger Ministerpräsident zurück.

Es ist vor allem für junge Italiener zu hoffen, dass das Land endlich eine stabile Regierung bekommt, die es aus der Krise führt. Denn viele von ihnen sehen sich derzeit gezwungen, Italien zu verlassen, um woanders Arbeit zu finden: Die italienische Statistikbehörde gab im November bekannt, dass sich die Zahl der Auswanderer im letzten Jahrzehnt verdreifacht hat.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de