Die konservative britische Premierministerin hat niemals damit gerechnet.

Als sie die Wahlen im April 2017 ausrief, hatte sie noch einen komfortablen Vorsprung auf ihre Konkurrenten der Labour Party von knapp 20 Prozent.

Traditionelle wählen die alten und wohlhabenden Bürger Großbritanniens die Konservativen. Die Labour Party und die Liberal Democrats werden von den jungen Wählern bevorzugt.

Aus genau diesem Grund, dachte Theresa May, dass sie und ihre Konservativen nichts zu befürchten hätten, denn: Bei den Wahlen der letzte Jahre, hat die Jugend einfach nicht wirklich gewählt. Man war als Konservativer sehr also sehr sicher.

Jetzt wird Theresa May, nach dem Wahl-Debakel, als Premierministerin nicht mehr zu halten sein. Die jungen Wähler haben sie effektiv vom Thron gestoßen.

Labour setzt bei Kampagne auf die Jugend

Was für eine Macht die Generation der 18-24-jährigen bei einer Wahl haben könnten, hat die Labour Kampagne nun gezeigt.

Wie kein anderer Kandidat, reiste der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn durch's Land und traf sich mit Influencern, Rappern und anderen Vorbildern dieser Generation.

Mit einem extrem großen Erfolg konnte Corbyn die Jugend, die sich von den elitären Konservativen hintergangen fühlt, nicht nur für seine Bewegung begeistern. Er schaffte es zudem, dass sie überhaupt wählen würden.

23 Prozent mehr junge Wähler

Lag die Anzahl der Wähler im Alter zwischen 18-24 Jahren bei der letzten Wahl in 2015 noch bei 43 Prozent, kamen dieses Jahr 66,4 Prozent der Jugendlichen an die Wahl-Urne. Seitdem May die Wahl ausrief, habens ich also 1,05 Millionen junge Wähler zu Wahl registriert.

Wählen ist wieder cool geworden. Wie niemals zuvor in Großbritannien, riefen die Stars dieser Generation dazu auf, wählen zu gehen. Einige riefen dazu neutral auf, andere, wie etwa der Rapper „Professor Green“, bewusst dazu Labour zu wählen.

Darauf antwortete Corbyn auch direkt…

Mehr als 55 Prozent der Jugendlichen wählten für die Labour Party. Früher, also vor dem Jahr 2010, als die Liberalen die katastrophale Koalition mit den Konservativen einging, waren sie die Partei der 18-25-jährigen.

Leider war es ein liberales Mitglied der Regierung, der es maßgeblich entschloss, dass die Studiengebühren von einem hohen, doch bezahlbaren Preis, auf einen völlig horrenden Stand gebracht wurden.

Die Jugend ist seitdem extrem sauer auf die Liberalen in Großbritannien – es gilt unter ihnen fast schon als Verrat sie zu wählen.

Der jetzige Stand

Die letzte Hochrechnung hat es klar gemacht: Es wird keine Partei geben, die alleine regieren kann, also die nötigen 326 der 650 Sitze gewonnen hat.

In diesem Fall sprechen die Briten von einem „Hung Parliament“, einem hängenden Parlament. Es ist erst das vierte Mal in der Nachkriegs-Geschichte der Insel, dass dies passiert ist.

Nun gibt es drei Möglichkeiten, wie es weitergehen kann:

#1 Die Konservativen formen Minderheitsregierung

Es wäre unglaublich schwer so zu regieren, da jede einzelne Abstimmung im Parlament eine Zitterpartie für die Regierung sein würde. Eine Koalition kann es nicht geben, da die Liberalen dies strikt ablehnen. Möglich wäre es durch die Democratic Unionist Party aus Nordirland. Sie könnten den Konservativen versprechen, immer für sie zu stimmen.

#2 Labour formt eine Minderheitsregierung

Es wäre schon fast der logische Schritt, denn: Obwohl sie weniger Stimmen als die Konservativen haben, sind sie dennoch der Gewinner der Wahl mit 31 dazugewonnenen Sitzen. Der Wähler will also eindeutig einen Politik-Wechsel.

#3 Neuwahlen werden ausgerufen

Kann keine der großen Parteien sich auf eine Regierung einigen, wird die jetzige Premierministerin Theresa May, ein zweites Mal bei der Queen um Neuwahlen bitten.

Dies ist relativ unwahrscheinlich, da sie gesehen hat, wie unbeliebt ihre Partei ist und Labour dann eine Mehrheit bekommen könnte.

„Politics has changed“

Eines steht jedoch jetzt bereits schon fest: Der Politik-Stil hat sich extrem verändert. Die Briten akzeptieren nicht mehr einfach, was ihre Regierung mit ihnen macht.

Die Jugend merkt, dass es um ihre Zukunft geht und nur sie es in der Hand haben, die ausbeutende Politik der bisherigen Regierung aufzuhalten. Auch wenn die Labour Party noch Zweiter ist: Sie hat den Konservativen 23 wichtige Sitze geklaut und einen enormen Gewinn zugelegt – den wirklich niemand vorausgesehen hat.

Jeremy Corbyn sprach heute Morgen gegen sechs Uhr zu seinen Anhängern und rief Theresa May zum Rücktritt auf. „Die Politik hat sich verändert und wird nie wieder in die alte Kiste zurückgehen!", versprach er seinen Wählern.

Wenn uns diese Wahl eines gelehrt hat, dann, dass es sich lohnt wählen zu gehen. Es geht um unsere Zukunft und es sollte in jedem jungen Wähler die Kraft stecken, diese verändern zu wollen.

Quelle: Noizz.de