Was mit diesem Typen los ist und warum er uns interessieren sollte.

"Jeffrey E. Epstein, der wohlhabende Finanzier, dem Sexhandel vorgeworfen wird, hatte einen ungewöhnlichen Traum: Er hoffte, die menschliche Rasse mit seiner DNA anzureichern, indem er Frauen auf seiner riesigen Ranch in New Mexico schwängert." – Mit diesen Worten beginnt ein neuer Artikel der "New York Times" über Jeff Epstein. Er ist dieser eine Unternehmer, dessen Namen man schon einmal gehört hat, obwohl man im Endeffekt trotzdem keine Ahnung, was er macht oder wofür er steht. Das dürfte sich bei den meisten in den letzten Wochen geändert haben. Denn der Investmentbanker wurde von der New Yorker Staatsanwaltschaft erneut angeklagt, Sexhandel und Missbrauch von Minderjährigen betrieben zu haben.

Was bisher geschah

2007 wurde Epstein das erste Mal angeklagt, junge Frauen zum einen für sexuelle Handlungen über Staatsgrenzen hinaus mit seinem Privatjet geflogen und die Minderjährigen zum anderen sexuell missbraucht zu haben. Gegen Zahlungen an Epstein konnten sich wohl auch Bekannte und Kunden an den Mädchen vergehen. Laut dem "Stern" gab es damals 36 mutmaßliche Opfer, manche von ihnen gerade einmal 14 Jahre alt.

Im selben Jahr bekannte sich Epstein in zwei weniger schweren Anklagepunkten für schuldig und konnte wegen seines Einflusses einen "Sweetheart Deal" erwirken: Er musste nur 13 Monate in den Knast und bekam an sechs Tagen der Woche tagsüber Freigang, um seinem Job als Banker nachzugehen. Auf eine Verhandlung vor einem Bundesgericht wurde ebenfalls verzichtet. Das Krasse: Die Einigung wurde ohne Wissen von mehr als 30 der Opfer ausgehandelt. (Einige erhielten dagegen Zahlungen von Epstein.) Deshalb wurde der Deal wegen der Verletzung eines Gesetztes zum Schutz von Opfern im Februar als nicht rechtmäßig eingestuft. Mitverantwortlich für den Deal: Trumps Arbeitsminister Alex Acosta, der deshalb nun zurückgetreten ist.

>> Trumps Reaktion auf Missbrauchs-Vorwürfe zeigt, was für ein Depp er ist

Opfer werben neue Opfer

Mittlerweile steht die Anklage gegen den Bekannten von Donald Trump und Bill Clinton erneut: Er soll zwischen 2002 und 2005 mehrere unter 18-Jährige missbraucht haben und in den Staaten New York und Florida Sexhandel betrieben haben. Die meisten Mädchen sollten Epstein "Nacktmassagen" geben, danach sei es in vielen Fällen zu Oralverkehr gekommen, in einem Fall ist sogar von einer Vergewaltigung die Rede.

Besonders perfide: Jeffrey Epstein zahlte seinen Opfern Geld, bevor er sie missbrauchte und bat ihnen danach mehr Geld, um weitere Opfer zu rekrutieren. Ein spezielles Beispiel ist vor allem die mittlerweile 33-jährige Nadia Marcinko, die Epstein ihren Eltern in der Jugoslawien mit 15 abgekauft haben soll, wie "BILD" berichtet. Der Banker habe sie angeblich zu sexuellen Handlungen mit anderen Frauen gezwungen, sich an ihr vergangen und sie im Bekanntenkreis als seine "jugoslawische Sexsklavin" betitelt haben. Später soll Nadia selbst regelmäßig minderjährige Mädchen rangeschafft und den Lolita-Express geflogen haben.

Eine moderne Form der Eugenetik

Seitdem der Milliardär in Untersuchungshaft sitzt, werden immer mehr kuriosere Details über den Mann bekannt, der seit 2008 registrierter Sexualstraftäter ist. So auch jetzt. Die "New York Times" berichtet, dass Epstein seine DNA in der "menschlichen Rasse" verbreiten wollte. Das habe er verschiedenen angesehenen Wissenschaftlern in seinem Umfeld anvertraut. Der genaue Plan: 20 Frauen sollten auf seine Ranch in Mexiko gebracht, von ihm geschwängert werden und dort seine Kinder gebären. In den Augen von Autor Jaron Lanier hielt der Unternehmer bei Dinnerpartys in seiner Villa in Manhattan Ausschau nach gebildeten Akademikerinnen, die seine Gene weitertragen würden.

Generell soll Epstein ein außerordentliches Interesse an der Verbesserung der Menschheit durch moderne Technologien haben und sich auch bereits über das Verfahren informiert haben, bei dem Menschen nach dem Tod eingefroren werden. Laut "New York Times" wolle der 66-Jährige seinen Penis und seinen Kopf einfrieren. Außerdem habe er größere Mengen an Geld an Organisationen gespendet, die sich für genau solche Arten von Transhumanismus einsetzen.

Wieso uns der Fall Epstein interessieren sollte?

Weil er sinnbildlich für so viele Täter in unserer Gesellschaft steht. Jeffrey Epstein ist ein Paradebeispiel eines privilegierten, weißen Mannes, der durch seinen Reichtum und seine Kontakte einen derartigen Einfluss aufgebaut hat, dass sich lange Zeit niemand mit ihm anlegen wollte. Dabei wusste sein Umfeld definitiv, was abging. Seine Idee, die "menschliche Rasse" mit seinem Sperma aufzubessern, war laut der "New York Times" in New Yorker Banker-Kreisen durchaus bekannt – er habe das bei privaten Parties selbst erzählt und vergegenwärtigt. Sein Privatflugzeug wurde verdammt noch mal "Lolita Express" genannt. Donald Trump sagte laut "Washington Post" einmal über seinen Bekannten: "Es macht viel Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Es wird sogar gesagt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind etwas jünger. Kein Zweifel – Jeffrey genießt sein soziales Leben."

Die Elite in New York und Florida wusste also definitiv, was für Tendenzen und Visionen Epstein hatte – salonfähig blieb der Investmentbanker anscheinend trotzdem. Macht ist in diesem Fall eben eine Jail-Free-Card. Sie kauft einem nicht nur das Schweigen und Wegsehen von Freunden und Bekannten, sondern auch die Ignoranz der Justiz. Diese Machenschaften sind nicht an die USA gebunden, sie können überall da passieren, wo Menschen wegen ihres Einflusses so etwas schlicht und einfach ohne Widerstand "erlaubt" wird. Deswegen ist es wichtig, dass wir aus solchen Fällen lernen und gnadenlos auch (einfluss-)reiche Banker, Lobbyisten, Politiker und Künstler zu Rechenschaft ziehen. Egal, wie viel Gegenwind wir bekommen. Als Gesellschaft können wir es uns – allerspätestens nach der #MeToo-Debatte – nicht mehr erlauben, mit zweierlei Maß zu messen.

>> "Unbelievable": Netflix bringt neue Serie über Massenvergewaltiger

Der Fall Epstein zeigt vor allem auch, dass es vielen Menschen immer noch wichtiger ist, es sich nicht mit einem einflussreichen Unternehmer zu verkacken, als jungen Frauen in Not zu helfen und für Gerechtigkeit einen Deal sausen zu lassen.

Und dieses Verhalten darf weder die Gesellschaft, noch die Politik oder Justiz akzeptieren. Denn wer weiß, dass so eine Art systematischen Missbrauchs stattfindet und nicht hilft, ist mitschuldig.

>> Strafverfahren gegen Kevin Spacey wird eingestellt

Quelle: Noizz.de