Studie zeigt: Viele junge Deutsche wissen nichts oder wenig über Holocaust

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Das Museum „Yad Vashem“ in Jerusalem erinnert an die Shoah. Foto: Ian Vogler Daily Mirror / dpa dpa Picture-Alliance

Das ist erschreckend.

Zwischen 1941 bis 1945 wurden zwischen 5,6 und 6,3 Millionen europäische Juden von den Nationalsozialisten ermordet. In Konzentrationslagern, in Gaskammern, bei Massenerschießungen in sogenannten Ghettos oder auf brutalen Todesmärschen. Dieses grauenhafte Verbrechen an der Menschheit darf sich niemals wiederholen und vor allem: niemals in Vergessenheit geraten.

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Doch genau das droht. Denn viele junge Deutsche wissen laut einer Umfrage kaum etwas über den Holocaust, auch Shoah genannt. Von den 18- bis 34-Jährigen schätzen rund 40 Prozent, dass sie „wenig“ oder „gar nichts“ darüber wissen. Das geht aus einer Studie des Fernsehsenders CNN durch das Marktforschungsinstitut ComRes hervor. Über ein Drittel der befragten Europäer insgesamt schätzte seinen Kenntnisstand entsprechend ein.

Besonders erschreckend: Etwa jeder 20. Europäer hat sogar noch nie etwas über die systematische Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten gehört.

Auch antisemitische Einstellung häufen sich

Die Befragten der Studie zu Antisemitismus in Europa äußerten sich nach Angaben von CNN zudem gemischt über Israel. Immerhin ist eine Mehrheit von 54 Prozent demnach der Ansicht, dass Israel das Recht hat, als jüdischer Staat zu existieren. Ein Drittel glaube, Kritik an Israel sei meist durch Antisemitismus motiviert. Ein Drittel sagte jedoch auch, Israel nutze den Holocaust als Rechtfertigung für seine Handlungen.

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Viele der Befragten sind nach eigenen Angaben der Ansicht, dass Antisemitismus im eigenen Land ein wachsendes Problem sei. 40 Prozent der Befragten sagten, dass Juden in ihren Ländern von rassistischer Gewalt bedroht seien.

Alte Vorurteile sind offenbar weiterhin sehr präsent. Mehr als ein Viertel der befragten Europäer sei der Meinung, Juden hätten zu viel Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzwelt. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, bezeichnete die Ergebnisse als „erschreckend“, allerdings nicht überraschend. Sie deckten sich mit den Ergebnissen anderer Studien. „Ich halte es für die Bekämpfung von Antisemitismus für elementar, das Gedenken an die Shoah wach zu halten und eine lebendige Erinnerungskultur zu fördern.“

Die Holocaust-Gedenkstätte „Yad Vashem“ in Jerusalem zeigte sich besorgt angesichts der offenbar weit verbreiteten Unwissenheit über den Holocaust. Die Studie mache zudem deutlich, dass „viele tief verwurzelte, hasserfüllte antisemitische Ausdrücke in der europäischen Bevölkerung 75 Jahre nach dem Holocaust Weiterbestehen“.

Die ARD reagiert und zeigt Holocaust-Serie aus den 70ern erneut im TV

Vor gut 40 Jahren war weniger das Unwissen über den systematischen Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden ein Problem. Viele verdrängten. Im Jahr 1979 strahlte die ARD deswegen in Westdeutschland die TV-Serie „Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss“ aus.

Auf Initiative des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zeigen drei ARD-Sender den US-amerikanischen Vierteiler Anfang Januar noch einmal. Die mit acht Emmys ausgezeichnete Serie hat auch in Deutschland Fernsehgeschichte geschrieben: Sie erreichte damals einen Marktanteil von bis zu 39 Prozent und löste intensive Diskussionen aus.

Kritiker warfen der Serie damals vor, die Geschichte des Holocausts zu trivialisieren. Gleichzeitig gab es Forderungen, eine Fernsehserie über den Massenmord an den europäischen Juden sei der Bevölkerung nicht zuzumuten. „Holocaust“ erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss, die zur Zeit des Nationalsozialismus in Berlin lebt. In den Hauptrollen sind unter anderem Fritz Weaver und Meryl Streep zu sehen.

Vielen der 20 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer brannten sich damals Bilder und Wahrheiten ins Gedächtnis, die man sich bis dahin trotz allen Wissens einfach nicht vorstellen wollte oder verdrängt hatte“, so WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn.

„Ich selbst habe, wie viele meiner Generation, „Holocaust“ mit der ganzen Klasse als 14-Jähriger auf Videorekorder im Unterricht gesehen. Es war erschütternd, das werde ich nie vergessen.“

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: dpa

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