Erleichterung und Freude auf der einen Seite, Unverständnis auf der anderen: Harvey Weinstein ist zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Die MeToo-Bewegung jubelt, der Ex-Mogul selbst ist "verwirrt", seine Verteidigerin empört. Die juristischen Kämpfe sind aber wohl noch lange nicht vorbei.

Endlich ist der Prozess zu einem Ende gekommen: Harvey Weinstein ist vor etwa zwei Wochen für seine Sexualverbrechen verurteilt worden und nun ist auch das Strafmaß bekannt gegeben worden – Grund für die Me-Too-Bewegung zu feiern und aufzuatmen.

Denn nachdem Weinstein mehrfach versuchte eine möglichst kurze Zeit hinter Gittern zu verbringen und nach jedem Strohhalm griff, der sich ihm bot, befürchteten viele, dass diese Taktik tatsächlich aufgehe. Doch seit gestern ist klar: Der Produzent wurde zu 23 Jahren Haft verurteilt, was für großen Jubel seitens der Me-Too-Bewegung sorgte.

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Zudem kündigte die Staatsanwaltschaft in Los Angeles noch am Mittwoch an, Schritte für die Auslieferung Weinsteins nach Kalifornien eingeleitet zu haben. Dort droht dem Ex-Mogul ein weiterer Prozess wegen Sexualverbrechen. Ein Termin für sein Erscheinen vor Gericht an der US-Westküste stand zunächst aber noch nicht fest.

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Die Höchststrafe wären 29 Jahre Haft gewesen

Im Prozess in New York verkündete Richter James Burke das Strafmaß von 23 Jahren am Mittwoch, rund zwei Wochen nachdem eine Jury Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung schuldig gesprochen hatte. Die Höchststrafe wären 29 Jahre Haft gewesen. "Auch wenn das eine erste Verurteilung ist, ist es nicht das erste Vergehen“, sagte Burke zur Begründung. "Vor mir liegen Beweise für andere Vorfälle von sexuellen Übergriffen von einer Reihe von Frauen und das sind alles legitime Erwägungen für die Strafe."

Harvey Weinstein am Manhattan Supreme Court

Weinstein wurde in einem Rollstuhl in das Gericht in New York geschoben und wandte sich US-Medienberichten zufolge zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses selbst an den Richter: „Ich fühle große Reue gegenüber euch allen. Ich fühle große Reue gegenüber allen Frauen. Ich fühle wirklich Reue für diese Situation. Ich fühle es tief in meinem Herzen. Ich versuche es wirklich, ich versuche wirklich, ein besserer Mensch zu sein.“ Die Vorwürfe hätten ihn "verwirrt".

Freude bei den Schauspielerinnen

Auch die zwei Klägerinnen, legten unter Tränen noch einmal ihre Sicht der Dinge dar. „Er hat mein Vertrauen missbraucht und meinen Körper und mein persönliches Recht, sexuelle Avancen abzulehnen“, sagte die frühere Produktionsassistentin Mimi Haleyi.

Der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance bedankte sich nach der Verkündung des Strafmaßes bei dem Gericht "für eine Strafe, die eine Warnung an alle Sexualstraftäter und gewalttätigen Partner in allen Bereichen der Gesellschaft" sei. Weinsteins Chef-Verteidigerin Donna Rotunno bezeichnete die Strafe dagegen als "obszön" und "lächerlich". Sie hatte bereits zuvor angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Auf Twitter teilte viele Schauspielerinnen, darunter auch Betroffene und Opfer Weinsteins, ihre Freude über die Entscheidung des Justizsystems.

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Der Investigativ-Journalist Ronan Farrow, der die Vorwürfe gegen Weinstein mit aufgedeckt hatte, schrieb: "Heute wurde die Macht der Menschen gezeigt, die laut werden aus einer deutlich geringeren Machtposition heraus und mit großem persönlichen Risiko."

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Von "raubtierhaftem sexuellen Angriff" war die Rede

Eine Jury hatte Weinstein Ende Februar wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung für schuldig befunden. Nicht schuldig sei er aber in den beiden schwersten Anklagepunkten des "raubtierhaften sexuellen Angriffs" sowie eines noch schwereren Vorwurfs bezüglich Vergewaltigung. In dem aufsehenerregenden Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Haleyi zum Oralsex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben.

Der Schuldspruch für Harvey Weinstein

Nach dem Schuldspruch war der gesundheitlich angeschlagene Weinstein zunächst in ein Krankenhaus gekommen und dann in das Gefängnis Rikers Island in der Millionenmetropole New York. Nun soll er in einem Gefängnis im Bundesstaat New York untergebracht werden. Nachdem sich der wegen Sexualverbrechen angeklagte Unternehmer Jeffrey Epstein vergangenes Jahr in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen hatte, dürften die Sicherheitsmaßnahmen im Fall Weinstein besonders im Fokus stehen.

Harvey Weinstein im Gerichtssaal

Mehr als 80 Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen gegen den Produzenten, im Herbst 2017 von der „New York Times“ und dem Magazin „New Yorker“ veröffentlicht, waren der Anfang der MeToo-Bewegung. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer wieder - sie begannen, diese Geschichten unter dem Schlagwort „Me too“ zu sammeln.

[zusammen mit dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de