War der Attentäter von Hanau nur ein "Verrückter"? Wie gefährlich diese Aussage ist, schreiben etliche Twitter-User und stellen fest: Es handelt sich um eine rassistische Tat.

Elf Tote, weitere Schwerverletzte – das ist die traurige Bilanz, die nach den Schüssen in der vergangenen Nacht im hessischen Hanau gezogen wird. Der mutmaßliche Täter: Der 43-jährige Deutsche Tobias R., der tot in seiner Wohnung aufgefunden worden – neben der Leiche seiner 72 Jahre alten Mutter. Beide wiesen Schussverletzungen auf.

Manche sprechen von einem Rechtsterroristen, der gezielt Shishabars angriff, um Menschen mit Migrationshintergrund zu töten – andere bezeichnen ihn als "Verrückten", dessen Tat man nicht für politische Zwecke instrumentalisieren sollte. Und das, obwohl mittlerweile selbst die Bundesanwaltschaft eine ausländerfeindliche Motivation hinter der Tat vermutet.

Das sagt Twitter zur Terror-Nach in Hanau:

Die Journalistin Teresa Bücker stellt klar: "Nein, das ist kein 'Angriff auf uns alle'." Dabei geht sie auf die explizit rassistische Motivation des Täter ein und kritisiert: "Wäre es ein 'Angriff auf alle', würde nicht jedes Mal so schnell zur Tagesordnung übergegangen."

Die Bloggerin Katharina Nocun erklärt, dass der Glaube an Verschwörungstheorien (wie bei Tobias R.) keineswegs nur mit geistiger Verwirrung zu tun habe, sondern in rechten Kreisen gezielt zur Radikalisierung vorangetrieben werden. "In rechtsextremen Zirkeln wird ausdrücklich mit Bezug auf Verschwörungserzählungen die Anwendung von Gewalt gegen Andersdenkende als 'letzte Option' verkauft", schreibt sie weiter unten in ihrem Twitter-Thread.

Wie viele weitere Twitter-User, kritisiert die Politikerin Derya Türk-Nachbaur den Begriff "Fremdenfeindlichkeit", den unter anderem einige Medien in Bezug auf das Tatmotiv verwenden. "Es waren Menschen, die hier lebten, die hier arbeiteten, die ein Teil unserer Gesellschaft waren", schreibt sie.

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Wie gefährlich und verharmlosend es ist, den Täter als "verwirrt" zu bezeichnen, schreibt der Journalist Hannes Schrader.

Auch der Begriff "Einzeltäter" im Zusammenhang mit Tobias R. sei gefährlich, schreibt Autorin Carolin Emcke. Dabei geht sie auf den Nährboden rechtsextremer Straftaten ein, wie Rassismus und Frauenfeindlichkeit.

Der Tweet dieses Users zeigt, wie hilflos sich Betroffene von Rassismus und Angehörige der Opfer vom Hanau-Attentat fühlen.

Hier ruft die Politikerin Sawsan Chebli zu einer Versammlung am Brandenburger Tor in Berlin auf. "Lasst uns zeigen: Rechter Terror hat keinen Platz in Deutschland. Wir lassen uns nicht einschüchtern."

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Quelle: Noizz.de