Klimakrise für den guten Zweck ... oder so?

Kaufe jetzt 0,5 Liter geschmolzenes grönländisches Gletscherwasser in der PET-Flasche und sorge durch das Abfüllen und den Transport dafür, dass – die Erde weiter erhitzt wird und neue Gletscher abschmelzen. Ehm...?

Willkommen im Jahr 2020, in dem Grönland seine wirtschaftlichen Potenziale entdeckt hat und sich nun in genau diesem Dilemma befindet. Scheinbar ist vorher noch kein Grönländer auf die Idee gekommen, Kapital aus ihren unfassbaren Wasservorräten zu schlagen. Aber jetzt eben schon und die Rechnung ist erschlagend einleuchtend:

Menschen trinken Wasser. Die Wasservorräte der Welt sind allerdings endlich und die Industrienationen vergiften und vergeuden ihre Trinkwasservorräte aktuell in einem Tempo als wär das hier ein Wettrennen nach dem Motto: wer zuerst nichts mehr zu Trinken hat. Jetzt kommt Grönland ins Spiel, die bestehen nämlich gefühlt aus Wasser und durch die Erderwärmung kommen täglich um die zehn Milliarden Tonnen feinstes Gletscherwasser hinzu. Da fällt der Groschen wie ein großer Brocken Grönland-Eis ins Wasser, wa?

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Ein Eisbär, der von Scholle zu Scholle springt. Trauriges Zeugnis der Erderwärmung.

Für Grönland, die sich immer noch in starker wirtschaftlicher Abhängigkeit von Dänemark befinden, eine Chance zur Autonomie und Unabhängigkeit, wie Industrie- und Energieminister Jess Svane dem "Tagesspiegel" erklärt.

Jetzt der Haken: So eine Trinkwasserindustrie spielt nicht nur dem wirtschaftlichen Aufschwung in die Karten, sondern auch der Klimakrise. Irgendwie muss das Wasser ja in die Hälse der Leute gelangen und Grönland liegt global gesehen nicht gerade in der Nachbarschaft von – irgendjemandem. Außer Kanada. Durch die Förderung und den Transport würde also etliches an CO2 ausgestoßen werden, aktuell der Hauptverursacher für die Erderwärmung. Eine Industrie, gewonnen aus der Klimakrise, die die Klimakrise weiter verschlimmert? Traurig, aber wahr.

Aber das ist noch nicht alles. Unter all dem Eis und Wasser befinden sich enorme Gas- und Ölvorkommen, die sich ebenfalls ganz hervorragend in bare Münze verwandeln ließen. Grund genug für Donald Trump, vor wenigen Monaten einen Versuch zu starten, Grönland zu kaufen. Ohne Erfolg.

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Auch diese Vorkommen will Svane nun mithilfe eines neuen Wirtschaftsplans nutzen, um Grönland wirtschaftlich breiter aufzustellen. So versucht er aktuell Gas- und Ölfirmen mit geringen Steuern zu Bohrungen ins Land beziehungsweise aufs Eis zu locken. Ihr gutes Recht, findet Svane, schließlich mache das jeder andere auch.

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Quelle: Noizz.de