Söhne zählen in Indien immer noch mehr als Töchter.

Ihre Körper werden beschädigt, ihre Gefühle zertrümmert und ihre Gedanken unterdrückt. Zeit, dass das endet. Die beiden Mädchen Purnima und Savita im Debütroman von Shobha Rao mit dem vielsagenden Titel "Mädchen brennen heller“ leben in einer ihnen feindlich gesinnten Welt. Einer Welt, die es in Indien leider wirklich noch gibt.

Söhne zählen in Indien mehr als Töchter, das wird gleich im Prolog klar. Welche strukturelle Gewalt ihnen oft widerfährt, welche Formen von Ausbeutung bis hin zur Sklaverei gesellschaftlich noch immer akzeptiert sind und welche sexuelle und physische Gewalt ihnen ständig droht, davon erzählt Shobha Rao in ihrem Debütroman und sorgt damit auch abseits der Literatur für Kontroversen. Die Serie von Angriffen auf die Protagonistinnen des Buches ist so endlos, so unerbittlich, dass es die Leser emotional völlig auslaugt.

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Darum geht es:

Dabei beginnt die Geschichte durchaus mit einer Reihe schöner Momente. Die beiden Mädchen Purnima, 16, und Savita, 17, lernen sich kennen und wohl auch lieben. Beide gehören zur Weberkaste: Die eine spinnt Garn, die andere arbeitet am Webstuhl. Zwar ist Diskriminierung aufgrund der Kaste in Indien seit der Unabhängigkeit offiziell verboten, tatsächlich aber bestimmt sie nach wie vor oft Beruf, Ehe und gesellschaftlichen Status.

Der Roman "Mädchen brennen heller“ zeigt, wie so ein Leben dann im Extremfall aussehen kann: Purnima wird in eine arrangierte Heirat ohne Mitspracherecht gepresst, erleidet tägliche Vergewaltigung in der Ehe sowie Erniedrigung und Gewalt durch die Schwiegermutter. Schließlich wird sie von der Familie des Mannes mit heißem Bratöl übergossen, weil ihr Vater die Mitgift nicht zahlen kann. Dass es Indien natürlich auch empathische Menschen gibt, dass auch dort nicht hinter jeder Ecke das Böse lauert: Darauf geht Rao nicht ein. Der ganze Roman ist eine einzige literarische Anklage.

Zwar zog Autorin Rao im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie aus Indien in die USA. Das hindert sie aber nicht daran einen Roman über Frauen in Indien zu schreiben. So unglaublich das für westliche Leser klingen mag: Das ist es in Indien nicht. Die Schuld wird meistens bei den Frauen gesucht – auch, wenn sie Opfer wurden. Einer Studie der Thompson Reuters Foundation zufolge ist Indien für Frauen das gefährlichste Land der Welt. Die Kategorien, in denen das asiatische Milliardenland ganz vorne landete, waren sexuelle Gewalt, Menschenhandel sowie Religion und Kultur.

[Text: Zusammen mit dpa/ Doreen Garud /sw]

Quelle: Noizz.de