Als das Urteil gesprochen wurde, weinte Mawada, eine der verurteilten Frauen. Sie wollte doch nur Follower – jetzt kommt sie ins Gefängnis.

Ein ägyptisches Gericht hat zwei junge Frauen zu zwei Jahren Gefängnis und umgerechnet 16.000 Euro Strafe verurteilt – weil sie Tanz-Videos auf TikTok gepostet haben. Sie hätten gegen "ägyptische Familienwerte" verstoßen und andere zu "Unmoral und Ausschweifung" angestiftet, so der Richter. Die Anwält*innen der Frauen wollten das Urteil nun anfechten.

Die Frauen sind auf TikTok bekannt

Eine der angeklagten Frauen ist die 20-jährige Haneen Hossam. Sie wurde am 23. April verhaftet, einen Monat später ereilte das gleiche Schicksal die 22-jährige Mawada al-Adham. Mawada und Haneen waren auf TikTok verhältnismäßig erfolgreich –Tausende Zuschauer*innen sahen ihre Videos. In Berichten der US-Zeitung "Time" ist sogar von Millionen von Zuschauer*innen die Rede. Beweisen kann man das nicht mehr: Mittlerweile sind die Videos von TikTok verschwunden. Denn auch wenn ihr Inhalt nicht unähnlich dem ist, was wir von TikToker*innen aus Europa und den USA kennen – in Ägypten fielen sie negativ auf.

Mowada al-Adham auf TikTok

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Die TikTokerinnen sollen unzüchtiges Verhalten zur Schau gestellt haben

Denn die Tanz-Videos würden unzüchtiges Verhalten zur Schau stellen. Tatsächlich kannst du in Ägypten für ein falsches Nutzverhalten von Sozialen Medien oder eben genanntem "zur Schau stellen von unzüchtigem Verhalten" ins Gefängnis kommen. Beabsichtigt hatten die Frauen die Provokation nicht – sie "wollten nur Follower", so Samar Shabana, die Assistenten des Anwalts der Frauen.

Doch nicht nur aufreizende Kleidung und zu sinnliche Tänze sind in Ägypten gefährlich. Ebenfalls verhaftet wurde eine Frau, die online Gerechtigkeit verlangte: Menna Abdel-Aziz hatte in einem Video-Aufruf davon erzählt, wie sie von einer Gruppe Männern vergewaltigt, gefilmt und erpresst worden war. Auch sie wird nun beschuldigt, die Gesellschaft zu "Unmoral" anzustiften.

Haneen Hossam auf TikTok

Viele Frauen müssen sich in Ägypten für das, was sie in der Öffentlichkeit sagen und generell für ihr öffentliches Erscheinen verteidigen, Pop-Sängerinnen oder Influencerinnen trifft das immer wieder. Gerichtsverfahren bezüglich solcher "Verbrechen" haben erst Fahrt aufgenommen, seitdem der Präsident Abdel Fattah el-Sissi im Jahr 2013 an die Macht gekommen ist. Kritiker*innen sagen, dass dieser Prozess ein weiterer Meilenstein der zunehmenden Unterdrückung von Individualität in Ägypten ist. Die beiden nun verurteilten Influencer*innen und Menna Abdel-Aziz sind mit ihrem Schicksal nicht alleine. Vier weitere Frauen mit gleicher Anklage warten noch auf ihr Urteil, darunter Sherifa Refaat, Nora Hesham, Manar Samy und Hadeer Hady. Viele Menschen weltweit sind darüber entsetzt, mit einer Online-Petition wird jetzt versucht, den Frauen zu helfen.

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Quelle: Noizz.de