Es ist ganz einfach.

Ihr wisst es: Sonntag sind Europawahlen. Gewählt wird: das Europäische Parlament, das einzig direkt wählbare Organ der Europäischen Union. Wie zum Beispiel der "SPIEGEL" oder das "Schweizer Radio und Fernsehen" treffend beschrieben haben, ist das Europäische Parlament nicht gerade die mächtigste Institution der Europäischen Union.

Es hat zum Beispiel keinen Einfluss auf die Höhe des EU-Budgets, es kann keine neuen EU-Gesetze vorschlagen, kann über viele Bereiche, welche die Bürger betreffen nicht entscheiden (zum Beispiel Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Altersrente) und es schlägt die Mitglieder der EU-Kommission nicht vor.

Das macht aber nichts. Wählen geh ich trotzdem – schwaches EU-Parlament hin oder her. Und der Grund dafür ist ganz einfach.

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Wie oft wurde in der Schulzeit das Dritte Reich besprochen? Unzählbar oft. Zum Kotzen oft. Und das war bestimmt nicht nur an meiner Schule so. Zwei Lektionen habe ich da gelernt. Erstens: Was passiert ist, war unbeschreiblich schlimm und darf nie wieder passieren, nicht mal ansatzweise. Zweitens: Für Geschichte ist jeder verantwortlich. Jeder einzelne Bürger. Diese Verantwortung für das Kollektiv und die Gesellschaft sucht man sich nicht aus, die hat man einfach. Dieser kann man sich nicht entziehen, vor allem nicht, indem man nicht wählen geht.

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Wir alle bekommen gerade mit, wie groß rechter Populismus in ganz Europa geworden ist. In Deutschland ist es die AfD. In Österreich die FPÖ, deren Chef Heinz-Christian Strache gerade durch einen genialen Coup vorgeführt und aus dem Amt des Vize-Kanzlers geschossen wurde. Natürlich ist ein Strache kein Adolf Hitler. Die AfD ist auch nicht die NSDAP. Aber darum geht es nicht.

Es geht darum, dass man nach der Wahl weiß: Ich war wählen. Ich kleiner Mensch, dessen Stimme nur eine von unzählbar vielen ist, deren Einfluss so unfassbar klein ist, habe meine Verantwortung ernst genommen und meinen winzigen Beitrag geleistet, dass der rechte Populismus keinen Nährboden mehr bekommt.

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Und das ist auch schon alles. Deswegen geht man wählen. Auch, wenn das Organ, das man wählt, wenig Macht besitzt, und auch, wenn man nur ein einziger, kleiner Mensch ist, dessen Stimme unbedeutend scheint. Wenn in 20 Jahren eine neue Generation da ist und die Welt eine andere – wie sie auch aussehen mag –, dann sagen wir: "Wir haben nicht nur zugesehen, wir haben eingegroffen. Wir waren wählen und haben damit getan, was in unserer Macht stand."

Natürlich sind der rechte Populismus und das Dritte Reich nur ein Beispiel. Umwelt, Wirtschaft, Bildung: Alles ist (gleich) wichtig. Und für alles haben wir Verantwortung.

Also:

Sonntag. Europawahl. Ausreden und Antihaltung über Bord werfen und verdammt noch mal wählen gehen!

Quelle: Noizz.de