Pablo Escobar und El Chapo haben als Drogenbarone die Weltgeschichte geprägt. Der private Zoo Escobars oder die spektakulären Gefängnisausbrüche El Chapos sind legendär. Nun bahnt sich ein neuer "Escobar" unserer Zeit an: El Mencho. Er führt das aktuell mächtigste Drogenkartell in Mexiko – und traut sich Dinge, die El Chapo sich nicht gewagt hat. Aber wie mächtig ist er wirklich?

Nemésio Oseguera Cervantes, genannt "El Mencho", ist ein Name, den wir vermutlich noch öfter hören werden. An der Spitze des "CJNG"-Kartells – Kartell Jalisco Nueva Generación – agiert er in Mexikos Untergrund mit brutaler Hand.

Erst kürzlich ging ein Video viral, das einen Teil der militärischen Streitmächte des Syndikats beim Bizeps flexen zeigte:

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Die USA haben eine Belohnung von 10 Millionen Dollar auf die Information gesetzt, die zur Verhaftung El Menchos führt – enorme Mengen synthetischer Drogen, die der Mexikaner in ihr Land schmuggelt, schmecken den Vereinigten Staaten überhaupt nicht.

Der ehemalige US-amerikanische Senator Jeff Sessiosn bei einer Konferenz über das "CJNG"-Kartell 2018.

Besonderes Aufsehen hat der Druglord im Juni 2020 mit einem Mordanschlag auf den Polizeichef von Mexiko-Stadt erregt – einen Anschlag auf den Kopf der Polizei, das wagte selbst El Chapo nicht. Während das eigentliche Ziel überlebte, kamen zwei seiner Leibwächter ums Leben.

Mehr und mehr Grund, den circa 54-Jährigen zur neuen Spitze der Organisierten Kriminalität Mexikos zu küren?

El Mencho – Anführer einer neuen Ära?

Wie ein ausführlicher Bericht von "spiegel.de" zeigt, ist die Politik und Herrschaft der Kartelle viel komplizierter als in den Medien oft dargestellt. So sei zum Beispiel auch El Chapo nicht der alleinige Boss des Sinaloa-Kartells gewesen, sondern einer von mehreren. Durch sein Faible für Öffentlichkeit und Selbstinszenierung, wurde er demnach künstlich größer gemacht, als er eigentlich war – ein Faible, das auch El Mencho teilt.

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Auch das mittlerweile als mächtigstes Kartell Mexikos geltende "CJNG" hat dem Spiegel zufolge nicht ansatzweise die Alleinherrschaft, weder im ganzen Land, noch in einzelnen Bundesstaaten.

Analyst Falko Ernst von der International Crisis Group, einer regierungsunabhängigen Organisation zur Konfliktforschung, erklärt: "Die Kartelle sind keine monolithischen Organisationen. Die Landschaft der Organisierten Kriminalität in Mexiko gleicht einem Mosaik, sie ist in Hunderte Gruppen zersplittert."

Das macht El Menchos bisherige Taten nicht weniger schlimm und gefährlich, seine Macht ist nicht zu übersehen, es zeigt aber: In Mexikos Untergrund regiert nicht einer, sondern Tausende.

Im Interview mit "Rolling Stones" sagte der damalige Staatsfeind Nummer 1 der USA, dass seine Festnahme keinen Einfluss auf die Macht der Kartelle hätte – und sollte damit recht behalten.

Drogenbosse in Mexiko sind wie die Hydra: Schlägst du einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach

Während sich die Syndikate früher tatsächlich ausschließlich um Drogengeschäfte kümmerten und so zwangsläufig in harter Konkurrenz standen, seien ihre Geschäftszweige heute bunt gefächert: Avocados, Eisenerz, Goldminen – oder natürlich Drogen. Wie mächtig verschiedene Kartelle sind und welches das "Stärkste" ist, kann man also schwer sagen.

Dieses Mosaik an Syndikaten erklärt auch, warum es der Politik so schwerfällt, die Organisierte Kriminalität in den Griff zu bekommen.

Im Kampf gegen El Mencho und Co. fehlt es den USA und Mexiko nach wie vor an einer geeigneten Strategie. Die aktuelle Taktik sieht seit Jahren so aus, gezielt die Köpfe der Organisationen zu jagen. Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass selbst an die Stelle der Bosse, wie Escobar oder El Chapo, sofort ein neuer Anführer wächst.

  • Quelle:
  • Noizz.de