Déjà-vu: Kaum drei Monate nach dem rassistischen Mord an George Floyd kniet ein Polizist in Düsseldorf auf dem Kopf eines 15-Jährigen. Das Video schockt und sorgt für mediale Proteste. Wie kann das sein, dass in dieser sensiblen Phase immer neue Footage von unnötig gewalttätigen Polizist*innen erscheint?

Zwei Cops, ein Jugendlicher, Düsseldorfer Pflastersteine auf dem Boden der Altstadt. Der Junge liegt auf dem Bauch, einer der Beamten – deutlich größer und stärker als der Übermannte – sitzt auf seinem Körper, hält den linken Arm in strammen Polizeigriff. Was eigentlich reichen sollte, um einen 15-Jährigen im Griff zu halten, schien den Bediensteten vor Ort wohl nicht ausreichend. Ein zweiter Cop kniet auf seinem Hals – und erinnert an die grausame Tragödie um den Tod von George Floyd, der im Mai 2020 Opfer rassistischer Polizeigewalt wurde.

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Das Video geht gerade viral, die Umstände sind bislang ungeklärt. Wie konnte es dazu kommen – und gibt es überhaupt irgendeine Erklärung, die so eine Maßnahme aktuell rechtfertigen könnte?

Nach Mord an George Floyd steht Polizei in harter Kritik – auch in Deutschland

Seit dem Mord an George Floyd stehen Polizeibeamte in der Kritik – in den USA wie in Deutschland. Sie müssen sich Vorwürfen des strukturellen Rassismus sowie übertriebener, unangemessener Gewaltanwendung und Amtsmissbrauch aussetzen. Da eine Studie zum sogenannten "Racial Profiling" durch Innenminister Horst Seehofer bis auf Weiteres abgelehnt wurde, gibt es in Deutschland bislang wenig, was man zur Verteidigung der Bundespolizei sagen könnte.

Gegen eine externe Kontrollinstanz, die Polizist*innen im Falle von Anzeigen juristisch prüfen könnte, weigert sich Deutschland ebenfalls. Damit können die "Freunde und Helfer" weiterhin nur bei sich selbst, also der Polizei angezeigt werden – ein Umstand, durch den über 90 Prozent aller Anklagen gegen deutsche Cops zugunsten der Beamten ausgehen, wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Podcastfolge über Polizeigewalt in Deutschland bei "Das Thema" berichtet.Was genau vor und nach dem nur 30 Sekunden langen Video passiert ist, ist nicht bestätigt. Anscheinend ist eine Gruppe von zehn Krawallmachern in ein Restaurant gedrungen, um die sich lokale Polizisten kümmern sollten. Beim Einsatz habe der im Video Festgenommene die Beamten derart gestört, dass sie seine Personalien kontrollieren wollten. Als er sie daraufhin angriff, nahmen sie ihn fest und fixierten ihn auf dem Boden. Hier beginnt das Video.

Düsseldorfer Polizist drückt Jugendlichem Knie auf den Hals – ist das eigentlich erlaubt?

Laut Polizeigesetz ist dieses Vorgehen zwar nicht grundsätzlich verboten, muss aber in jedem Einzelfall gerechtfertigt werden, wie der "WDR" berichtet. Ob das in diesem Fall angemessen war, wird aktuell ermittelt. Damit dabei eine objektive Aufarbeitung der Situation gewährleistet werden kann, übernimmt das die Polizei Duisburg.

Je nach dem, wie sich der Teenager verhalten hat, könnte der Beamte tatsächlich einfach seinen Job gemacht haben – oder ein weiterer Beweis für unnötige Gewaltanwendung und Amtsmissbrauch innerhalb der deutschen Polizei sein.

Warum in Zeiten derart vehementer Polizeikritik sowie nach den verstörenden Bildern des Mordes an George Floyd gerade das Knie auf den Hals gedrückt werden muss, ist unabhängig von der juristischen Verfolgung wohl auch eine Frage nach Sensibilität für die Gesamtsituation und sicher nicht die beste Strategie, das Ansehen deutscher Polizist*innen bei den Bürger*innen unseres Landes aufzupolieren.

  • Quelle:
  • Noizz.de