Dürfen Bundeswehr-Teenies wirklich an die Front?

Isabell Finzel

Politik, News, Lifestyle
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Die Bundeswehr soll attraktiver werden Foto: Presse- und Informationszentrum Personal / Bundeswehr / Noizz.de

Die Zahl der 17-Jährigen hat sich verdreifacht!

Antonia möchte eine Ausbildung bei der Bundeswehr beginnen. „Jetzt bin ich mir aber ziemlich unsicher, ob ich als Mädchen mit 17 Jahren nicht an der Grundausbildung scheitere.“ Ihre Sorge: „wie siehts aus mit den geistigen Anforderungen? Das frühe Aufstehen, das Rumgebrülle von den Vorgesetzten… Und wird man mit 17 von den älteren Kameraden akzeptiert?“ So sucht Antonia Rat auf der Internetseite bundeswehrforum.de.

Hier gibt es unzählige Anfragen von Minderjährigen, die sich für eine Ausbildung an der Waffe interessieren.

Denn: die Bundeswehr wird von unter 18-Jährigen unterwandert. Sie hat noch nie so viele Minderjährige ausgebildet wie im vergangenen Jahr. Seit 2011 hat sich die Zahl sogar verdreifacht. Das berichtet die Rheinnische Post und beruft sich auf das Verteidigungsministerium. Besonders stark sei die Zahl der minderjährigen Soldatinnen gestiegen. Sie habe sich seit 2011 (57) fast verachtfacht.

Minderjährige zur Bundeswehr – geht das?

Ab 17 dürfen Jugendliche zwar zur Bundeswehr, aber noch keinen Dienst mit der Waffe leisten. Auch in Auslandseinsätze dürfen sie erst bei Volljährigkeit geschickt werden. Waffen bedienen Jugendliche nur zu Ausbildungszwecken.

Wer kritisiert das?

Gegen Minderjährige bei der Bundeswehr setzt sich seit Jahren das Deutsche Bündnis Kindersoldaten ein. „Viele der Jugendlichen brechen die Ausbildung wieder ab, weil sie feststellen, dass sie völlig falsche Vorstellungen von der Arbeit hatten. Die Bundeswehr ist kein Abendteuer, kein Spaß, sondern in der Realität häufig langweilig“, sagt Frank Mischo, Sprecher des Bündnisses zu NOIZZ.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen versucht seit Jahren, die Bundeswehr attraktiver und familienfreundlicher zu machen. Offenbar mit Erfolg. Werbekampagnen wie die YouTube-Serien „Die Rekruten“ und der Nachfolger "Mali" locken anscheinend jüngeren Nachwuchs an. "Bist du bereit für eine ECHTE Herausforderung? Folge unseren Kameradinnen und Kameraden in den Einsatz nach Mali und sei hautnah mit dabei!", hieß der Slogan der Serie, die im Oktober startete. Täglich erschienen neue Videos aus dem Einsatz.

Kritik zur Rekrutierung von jungen Soldaten kommt auch von der Links-Partei: «Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat offenbar keine Skrupel, die Nachwuchsgewinnung immer weiter vorzuverlegen», sagte die Linken-Abgeordnete Evrim Sommer der «Rheinischen Post». Solange Deutschland selbst Minderjährige für militärische Zwecke rekrutiere, könne es andere Staaten dafür nicht glaubwürdig kritisieren. «Die Bundesregierung gefährdet damit ihre eigenen Bemühungen zur internationalen Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten.»

Was sagt das Verteidigungsministerium dazu?

Es verteidigt seine Personalpolitik. 96 Prozent der jungen Frauen und Männer seien nach der sechsmonatigen Probezeit bereits volljährig. «Die Rekrutierungspraxis der Bundeswehr steht vollständig im Einklang mit dem internationalen Abkommen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.», sagt eine Sprecherin.

Minderjährige will die Truppe auch weiterhin anlocken: «Die Mehrheit der Schulabgänger sind nicht volljährig. Für Interessenten an einer Karriere bei der Bundeswehr darf es keine Nachteile geben gegenüber einer zivilen Ausbildung. Wir stellen geeignete Bewerber mit frühestens 17 Jahren ein und nur mit Zustimmung der Sorgeberechtigten. Das sind verantwortungsbewusste, junge Erwachsene.»

Um die geistige Reife ihres Nachwuchses macht sich die Bundeswehr keine Sorgen. Anders sieht das im Forum aus, in dem Antonia um Rat fragt. Ein User antwortet ihr auf die Frage nach den geistigen Anforderungen für die Grundausbildung mit einem Augenzwinkern: „Zigtausende unreife Knaben von 19, 18 oder auch 17 Jahren haben die Grundausbildung überstanden. Sogar ich, und mein Reifegrad mit 18 lag irgendwo zwischen "wenn er nervt, erschießen" und "gleich ersäufen, bevor er sich fortpflanzt".

(Zusammen mit dpa)

Quelle: Noizz.de

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