Island macht vor, wie es besser geht.

Seit 1949 gilt in Deutschland das Grundgesetz. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt”, heißt es da bereits im dritten Artikel. Nur eine Zeile weiter steht, dass aus dem Geschlecht keine Diskriminierung resultieren darf.

Tja, nur schaut man eben in unsere Lohntüten und Gehaltsabrechnungen, stellen wir meistens etwas ganz anderes fest: Frauen verdienen noch immer deutlich weniger als Männer.

Gleiche Arbeit – weniger Kohle

Wenn ihr Zahlen wollt: Rund 21 Prozent Unterschiede sind es beim Einkommen von Männern und Frauen. Und klar, Frauen arbeiten öfter in Teilzeit, weniger in Führungspositionen oder in tendenziell schlechter bezahlten Berufen. Doch selbst wenn man all das rausrechnet, bleiben je nach Studie sechs bis sieben Prozent Unterschied. Und das kann ganz schön viel sein.

Selbst wenn man etwa 2000 Euro Brutto verdient, wären das 140 Euro weniger! Und je höher das Einkommen, desto krasser wird der Unterschied.

Bundesregierung to the rescue – oder nicht?

Die Bundesregierung will nun etwas dagegen tun. Entgelt-Transparenz-Gesetz nennt sich das. Und so sperrig, wie es klingt, ist es leider auch.

Worum geht es?

Statt einfach mal zu beschließen, dass Unternehmen nachweisen müssen, dass sie Männer und Frauen für gleiche Arbeit gleich bezahlen, gibt es ein unfassbar sperriges und zahnloses Gesetz. Unternehmen ab 200 Beschäftigten sollen künftig ihren ArbeitnehmerInnen Auskunft darüber geben müssen, was ihre KollegInnen in vergleichbaren Positionen verdienen.

Aus Datenschutzgründen sollen aber nur Durchschnittsgehälter genannt werden.

Wir hätten da mal ein wenig Kritik

Tja, nur doof, dass in Deutschland eben nur die wenigsten Beschäftigten in solchen Firmen arbeiten. Denn hierzulande haben wir überwiegend sehr kleine und mittelständige Betriebe. 99,3 Prozent aller Firmen in Deutschland haben weniger als 250 Beschäftigte. Fast zwei Drittel aller Angestellten wären also ohnehin nicht von dem Gesetz betroffen.

Kein Recht auf gleichen Lohn

Vor allem: Es ist – anders als manchmal behauptet – kein Lohngleichheitsgesetz. Es schafft nur Recht auf Lohn-Auskunft! Es bleibt nach wie vor den ArbeiterInnen überlassen, sich erst mal zu erkundigen, was die KollegInnen so verdienen. In einem zweiten Schritt kann man dann versuchen, das Gehalt höher zu verhandeln.

Strafen für ungleiche Löhne für gleiche Arbeit sind nicht im Gesetz vorgesehen.

Weil eben nur Durchschnittslöhne herangezogen werden, ist auch ein echter Vergleich zwischen männlichen und weiblichen Kollegen und Kolleginnen kaum möglich. Man mutmaßt dann einfach fröhlich herum und schätzt einfach mal, dass Kollege Z so und so viel mehr verdient.

Als weitere Maßnahme sieht das Gesetz vor, dass Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten einmal im Jahr einen Bericht erstellen über ihre Fortschritte bezüglich der Lohngleichheit. Wie bei andere freiwilligen Verpflichtungen tut sich damit nur leider selten etwas.

Warum nicht mal einen auf Island machen?

Das ist alles ziemlich lasch. Vor allem, wenn man sich andere Länder ansieht. Warum können wir es nicht machen wie Island? Dort sollen bis 2022 alle Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen, aber auch solche wegen Religionszugehörigkeit oder Sexualität verschwinden.

Und zwar, indem jedes Unternehmen ab 25 ArbeitnehmerInnen nachweist, dass sie Männer und Frauen gleich bezahlen. Hier wird es also nicht dem Verhandlungsschick der einzelnen Person überlassen, sondern einfach mal das Unternehmen in die Pflicht genommen.

Oder einen auf Schweden?

Selbst wenn man die Verhandlungsfreiheit der Arbeitnehmer behalten will, könnte man es wie die Schweden machen. Dort kann man einfach beim Skatteverket, dem Finanzamt, anrufen und Auskunft über das Einkommen jedes Schwedens beantragen. Einzig das Königspaar ist davon ausgenommen.

Doch auch in Schweden gibt es nach wie vor gewaltige Unterschiede bei den Gehältern von Männern und Frauen.

Bleibt nur zu hoffen: Deutschland, sei doch ein wenig mehr Island! Mach' ein echtes Lohngleichheitsgesetz!

Quelle: Noizz.de