Auch wenn Grünen-Chef Cem Özdemir das nicht gerne hört.

Vier Wochen vor der Bundestagswahl wird die Zukunft des Verbrennungsmotors zum Streitpunkt für die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen. Wenn es nach Cem Özedmir von den Grünen geht, muss das Ende des Verbennungsmotors in der nächsten Legislaturperiode eingeleitet werden. Ansonsten würden die Grünen keine Koalition eingehen.

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Ab 2030 sollen demnach keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Seine Forderung ist ambitioniert. Länder wie Frankreich und Großbritannien überlegen gerade den Verkauf von Diesel- und Benzinautos bis spätestens 2040 zu verbieten.

Mit seiner Position gerät Özdemir in Konflikt mit der CSU. „Ein Verbot des Verbrennungsmotors legt die Axt an die Wurzel unseres Wohlstands“, warnte CSU-Chef Horst Seehofer am Samstag.

Özdemirs Forderung ist in meinen Augen ein sehr frommer aber unrealistischer Wunsch. Natürlich wäre es für die Umwelt gut, so schnell wie möglich auf Verbrennungsmotoren zu verzichten. Das wird aber nicht passieren.

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1. Elektroautos sind zu teuer

Die Preise für den VW Golf beginnen bei 17.850 Euro. Wer sich einen E-Golf zulegen möchte, muss hingegen mindestens 35.900 Euro hinblättern. Das ist das Doppelte!

Außerdem ist das Auflade-Netz für elektrische Fahrzeuge in Deutschland immer noch sehr löchrig und die Reichweite der Fahrzeuge begrenzt. Viele Käufer zweifeln den Nutzwert der Stromer an. Das erklärt auch, warum die Regierung ihre Ziele für die Zulassungszahlen von Elektroautos immer wieder nicht erreicht.

Immerhin, die Grünen haben die im Schnitt wohlhabenste Wähler-Klientel aller deutschen Parteien. Eventuell ist da auch mal ein überteuertes Elektroauto drin.

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2. Die Automobilindustrie hat zu viel Einfluss

Die Wirtschaftskraft von VW, BMW und Mercedes ist enorm. Sie machen einen entscheidenden Teil des DAX-Index aus, sind wichtige Arbeitgeber in Deutschland. Hinzu kommen noch Zulieferer wie Bosch und Continental.

Wann immer es im Abgasskandal an der Zeit war, Sanktionen gegen die Automobilhersteller durchzusetzen, hat die Politik einen Rückzieher gemacht. Solange der Einfluss der Konzerne auf die Politik so groß ist, hat ein Verbot von Autos mit Verbennungsmotoren keine Chance.

Horst Seehofers Äußerung macht dies deutlich. Der bayerische Ministerpräsident kann kein Interesse daran haben, Audi und BMW gegen sich aufzubringen. Beide Konzerne haben ihren Hauptsitz in Bayern.

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Vermutlich hat Cem Özdemir mit seiner Forderung versucht, Eindruck beim Wähler zu machen. Da mit der FDP eine zweite, neoliberale Partei im Rennen um die Sitze im Bundestag ist, wird es für die Grünen schwerer.

Ich stimme mit Özdemir darin überein, dass es richtig ist sich früh Gedanken um alternative Antriebe zu machen. Das ändert aber nichts daran, dass wir in den nächsten Jahrzehnten nicht vollends auf Verbrennungsmotoren verzichten können. Umso wichtiger ist es, auch diese Motoren zu verbessern. Der aktuelle Abgasskandal bestätigt das.

Insofern sind Özdemirs Forderungen Effekthascherei. Böse Zungen könnten sogar von Öko-Populismus sprechen. Sollte es nach der Bundestagswahl zu Koalitionsverhandlungen mit den Grünen kommen, werden wir ja sehen, was ihnen wichtiger ist. Eine Regierungsbeteiligung oder doch ihre Prinzipien.

Quelle: Noizz.de