Du dachtest, du lebst in einem fortschrittlichen Land? Falsch gedacht: Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass Deutschland die schwächsten Vorgaben in Europa hat, was die Frauenquote angeht – Vorstände sind immer noch reine Männerklubs.

Eigentlich leben wir in einem modernen Land – aber ganz so modern ist es dann doch nicht, was über die Hälfte der Bevölkerung angeht. In Deutschland leben 41 Millionen Frauen – rund zwei Millionen mehr als Männer. Trotzdem bekommen wir es nicht auf die Kette, für eine Gleichstellung der Geschlechter zu sorgen.

Denn wie eine gewerkschaftsnahe Studie jetzt zeigt, hat die Bundesrepublik die schwächsten gesetzlichen Regeln für mehr Frauen in Führungspositionen: Unter den zehn europäischen Ländern, die eine gesetzlich bindende Geschlechterquote für große Unternehmen haben, landen wir, Trommelwirbel, auf dem letzten Platz. Das geht aus einer Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung, kurz IMU, der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung her, die der französische Nachrichtenagentur "AFP" vorliegt.

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Gleichstellung von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur? Denkste!

Für die Studie werteten die Forscher*innen Daten der 27 EU-Länder sowie von Großbritannien, Norwegen, Island und der Türkei aus. Es wurde untersucht, ob es verbindliche Regeln für ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in den Führungsetagen von Unternehmen gibt – und wenn ja, wie gut diese umgesetzt werden.

Deutschland gehört zwar zu den zehn Ländern, die rechtlich bindende Quoten für mehr Geschlechtergleichstellung an der Unternehmensspitze haben, setzt diese aber schlecht um. Die wirksamste Regelung hat Norwegen, auf den Rängen dahinter folgen Italien, Portugal, Spanien, Belgien, Frankreich, Island, Österreich und die Niederlande. Wir landen auf dem zehnten und letzten Platz.

Symbolbild: Mehr Frauen, bitte!

Bei uns gilt zwar seit 2015 eine verbindliche Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte von mitbestimmungspflichtigen Unternehmen, die müssen zugleich aber auch börsennotiert sein. Damit betrifft die Quote laut Böckler-Stiftung derzeit gerade mal 107 Unternehmen.

So schlecht steht es um den Rest der EU

Acht osteuropäische EU-Mitglieder sowie Zypern und Malta verfolgendes Ziel einer ausgewogenen Frauenquote auf politischer Ebene gar nicht. Elf weitere belassen es bei rechtlich unverbindlichen Empfehlungen, darunter die Türkei, Rumänien, Polen, Großbritannien, Griechenland, Schweden, Irland oder Dänemark.

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Wer jetzt denkt, dass Deutschland dann ja gar nicht so schlimm wegkommt – immerhin gibt es 21 europäische Länder, die dieses Ziel gar nicht verfolgen oder nur rechtlich unverbindliche Empfehlungen dazu haben: Klar, es ist schon mal hilfreich, bessere Bestimmungen als der Rest zu haben – das macht es in diesem Fall aber nicht besser. Schlecht ist einfach schlecht, egal wie kacke die anderen sind.

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  • Quelle:
  • Noizz.de