Darf man sich darüber freuen, dass ein AfD-Politiker angegriffen wurde?

Silvia Silko

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Frank Magnitz wurde schwer verletzt Foto: Fabian Sommer / dpa dpa Picture-Alliance

Ich finde: nein.

Frank Magnitz, Bundestagsabgeordneter und Landesvorsitzender der AfD Bremen, wurde am frühen Montagabend von mehreren Personen angegriffen und schwer verletzt. Nun hat er blutige Platzwunden am Kopf und liegt im Krankenhaus.

Aufgrund der Position von Magnitz wird davon ausgegangen, dass die Tat politisch motiviert war. Es waren vermutlich drei Täter, die bisher noch nicht identifiziert worden sind. Sie griffen den AfD-Politiker vermummt an und zielten den Informationen der Polizei zufolge direkt auf seinen Kopf.

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Die Beweislage ist zwar noch unklar, aber die Indizien lassen durchaus von einem gezielten Angriff ausgehen. Die AfD spricht von einem schwarzen Tag der Demokratie und einem Mordversuch: Sie sieht den Angriff gegen Magnitz als Angriff auf die gesamte AfD und macht die Hetze gegen die rechte Partei verantwortlich:

Kriegt jetzt endlich die AfD eins auf die Fresse?

Dank Magnitz hat die AfD nun einen Grund, sich mit allen Möglichkeiten als Opfer zu inszenieren. Die vielzitierte Presse und die Ausgrenzung anderer – vor allem grüner – Politiker sind nach Meinung der AfD schuld an dem Vorfall in Bremen, zumindest wenn man dem Twitter-Account und den Aussagen Gaulands auf der Pressekonferenz folgt.

So wirklich will sich das Mitleid für die AfD nicht einstellen: Oft genug haben AfDler wie Höcke aber auch Magnitz selbst auf Reden aber auch auf ihren Twitter-Accounts für Abschiebung (also Ausgrenzung in ihrer schlimmsten Form) geworben. Höcke etwa nannte Sigmar Gabriel aufgrund seiner Flüchtlingspolitik einen „Volksverderber“ (nicht zufällig ist dies ein Begriff Hitlers aus „Mein Kampf“). Magnitz hingegen wollte kürzlich erst 10000 Flüchtlinge abschieben und wettert regelmäßig mit rechten Parolen:

Zu Angriffen gegen Flüchtlingsheime sagt die AfD traditionell wenig – es wird zumeist alles billigend hingenommen. Dafür mahnt Gauland aber regelmäßig vor der Islamisierung des Abendlandes oder nennt die NS-Zeit öffentlich einen „Vogelschiss der Geschichte“.

Man braucht gar nicht erst an Aussagen von Beatrix von Storch oder Alice Weidel erinnert zu werden, um sich bei dem Gedanken zu erwischen: Endlich kriegt die AfD auch eins auf die Fresse!

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Gewalt ist einfach keine Lösung.

In einer Demokratie muss man die Meinungen anderer akzeptieren – und manchmal fühlt man sich aufgrund dieser praktizierten Toleranz sehr machtlos. Die AfD darf laut geflüchtete Menschen diffamieren und sich am laufenden Band undemokratisch äußern – und alle anderen maximal gewaltlosen Widerstand leisten. Diejenigen, die am lautesten schreien, scheinen am Ende immer am meisten durchsetzen zu können. Natürlich macht einen eine solche gefühlte Wahrheit wütend. Diese Wut darf man auch äußern: In Texten, auf Demos, in Musik, mit Argumenten – aber nun mal nicht mit einem vermummten Angriff auf den Kopf eines anderen Menschen.

Es ist egal, wer einen solchen Angriff ausübt: Jemanden überraschend und in der Überzahl anzugreifen, ist feige. Auch wenn man selbst – eher mitte-links – den Impuls verspürt, dass hier ja auf der Seite der Richtigen gekämpft wurde, ist es nicht okay, was hier passiert ist. Die Absicht heiligt nicht die Mittel. Erst recht nicht, wenn die Gesundheit oder vielleicht sogar tatsächlich das Leben eines Menschen auf dem Spiel steht. Neben Cem Özdemir hat sich auch Heiko Maas entsprechend zu der Tat geäußert:

Es gibt nie einen Grund, einen anderen Menschen zu verletzen – auch wenn einem seine oder ihre Meinung nicht passt. Genau das ist eine Haltung, die die AfD nicht verstanden hat – oder nur versteht, wenn es ihr selbst in den Kram passt. Selbst nun zu denken „Ha! Das habt ihr jetzt davon“, macht uns nicht besser als die AfD – und das wäre nun ein Milieu, in das wirklich keiner rutschen möchte.

Quelle: Noizz.de

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