Die Hinweise häufen sich.

Seit fast 100 Jahren schwelt der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, gerade kocht er wieder hoch, nachdem Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. (Die Hintergründe der langen Fehde beider Völker haben wir kürzlich beschrieben).

Im Kern geht es um Land und wer wo leben darf. Und da bahnt sich im Hintergrund der Weltpolitik eine sensationelle Lösung an. Die Palästinenser könnten ihren eigenen Staat auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel bekommen, dem Stück Land zwischen Israel und dem ägyptischen Festland, geprägt von wüstenhafter Landschaft und der touristischen Baderegion Sharm-el-Sheikh im Süden.

Sharm el Sheikh ist auch bei deutschen Urlaubern beliebt

Was wie eine Fantasielösung klingt, nimmt politisch zunehmend Formen an. Bei einem geheimen Treffen diskutierten im Februar 2016 der israelische Ministerpräsident Netanjahu, der jordanische König, Ägyptens Präsident al-Sisi und der damalige US-Außenminister John Kerry die Idee einer Ansiedlung der Palästinenser auf dem Sinai. Bei einem Treffen al-Sisis mit US-Präsident Donald Trump am 4. April dieses Jahres wurde schon öffentlicher davon gesprochen.

Das bekam damals nur kaum jemand mit, denn in jenen Tagen schaute die Welt vor allem auf den Giftgaseinsatz von Syriens Diktator Assad und die erneuten Provokationen von Nordkoreas Diktator Kim Jong-Il. Doch parallel sprachen Trump und al-Sisi über die Sinai-Lösung, genannt „Jahrhundertdeal“. Trump bat seinen Amtskollegen, den Deal ins Laufen zu bringen und dabei die wichtige Regionalmacht Saudi-Arabien einzubeziehen.

Ägyptens Präsident al-Sisi (l.), der saudische König Salman (m.) und US-Präsident Trump (r.) im Mai

Gesagt, getan. Ägypten überließ den Saudis gegen eine üppige Geldsumme im Juni zwei seiner Inseln, direkt vor Sharm-el-Sheikh gelegen. Diese bauen nun Autobahnen und Brücken für eine Landverbindung zwischen Nordafrika und der Arabischen Halbinsel und in der Nähe die völlig neue Stadt Neom.

Der Norden Sinais ist Ägypten in den letzten Jahren zunehmend zur Last geworden. Lokale Stämme verbündeten sich dort mit Islamisten, die immer wieder schwere Anschläge in Ägypten durchführen. Die Regierung greift hart durch und siedelt immer wieder Bewohner als Strafmaßnahmen um – was Platz für neue schafft.

Würde Ägypten einen Teil seines Land in Sinai für die Palästinenser zur Verfügung stellen, würden sie sich dies wohl fürstlich bezahlen lassen. In der Geschichte des Landes wäre dies nicht das erste Mal. Als Ägypten, von Geldproblemen geplagt, in den 1980er Jahren Frieden mit Israel schloss, dann vor allem auch, weil die USA ihnen im Gegenzug hohe Mengen an finanzieller Unterstützung und Getreidelieferungen zusicherten.

Wahrzeichen Ägyptens: Die Pyramiden

Kaum ein Land auf der Welt erhielt seitdem so viel Geld aus Amerika wie Ägypten, inklusive der Lieferung von Waffen, Raketen und Kampfjets. Kein Land der Welt importiert zudem so viel Weizen wie Ägypten – was die schwache Wirtschaft nur schwerlich selbst finanziert bekommt.

Derweil erkannten die USA bekanntermaßen Anfang Dezember Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Donald Trump garantierte dabei den Muslimen, weiterhin in Jerusalem und der dortigen al-Aqsa Moschee beten zu dürfen. Von der Möglichkeit weiter in Jerusalem zu leben war jedoch nicht die Rede - in der Stadt werden schleichend zunehmend palästinensische Immobilien enteignet.

Erste Kandidaten für eine Umsiedlung wären jedoch zunächst die Bewohner des Gazastreifens – etwa 2 Millionen Palästinenser – welcher sowieso bereits an die Sinai-Halbinsel grenzt, seit Jahren von der Terrororganisation Hamas beherrscht wird und dessen Infrastruktur miserabel ist: Im Sommer gab es jeden Tag nur für wenige Stunden Strom.

Ein Flüchtlingslager in Gaza

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass Gaza innerhalb weniger Jahre unbewohnbar wird. Die dortige Wirtschaft ist durch jahrelange Kriege und Blockaden kaum leistungsfähig, die Bevölkerung bettelarm und zugleich stetig wachsend, das Grundwasser zunehmend mit Salzwasser aus dem Meer belastet.

Der Präsident der Palästinenser, Mahmoud Abbas, ist im November zu Gesprächen mit dem saudischen Kronprinz gereist. Was genau diskutiert wurde, ist geheim. Womöglich ging es um den Sinai-Deal. Palästinensische und libanesische Quellen plauderten aus, dass Abbas unter Druck gesetzt wurde, ihm auch Geld angeboten worden sei, für die Palästinenser, aber auch für ihn persönlich – er soll dies abgelehnt haben.

Quelle: FAZ