Netflix' neuer Dokumentarfilm behandelt die unglaubliche Geschichte von Cyntoia Brown, ein Opfer von Sexhandel, das mit 16 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt und später begnadigt wurde. Brown selbst sagt jedoch, sie habe von der Dokumentation nichts gewusst.

Immer wenn ich die Geschichte von Cyntoia Brown höre, werden bei mir Fassungslosigkeit, Trauer und Wut ausgelöst. Fassungslosigkeit über die Missstände der US-amerikanischen Justiz, Trauer über Cyntoias Schicksals und Wut über ein System, das zulässt, dass Mädchen missbraucht werden und am Ende nicht die Täter, sondern die Opfer hinter Gittern bringt. Dass sich mit "Murder to Mercy: The Cyntoia Brown Story" jetzt eine Netflix-Dokumentation dem Skandal annimmt, macht Hoffnung, dass die bestehenden Missstände zunehmend aufdeckt werden könnten – doch auch der Film hat einen bitteren Beigeschmack, denn Cyntoia hat die Dokumentation nie freigegeben.

Menschenhandel und sexueller Missbrauch

Cyntoia Brown im Jahr 2019

Im Jahr 2004 wurde die 16-jährige Cyntoia Denise Brown zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil sie einen 43-jährigen Mann erschossen hatte, der sie für Sex mit zu sich nach Hause genommen hatte. Brown saß 15 Jahre ihrer Strafe ab, bevor sie am 7. Januar 2019 mit 32 Jahren vom Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, begnadigt wurde. Ihre Freilassung kam sieben Monate nach einer Welle der Unterstützung von Prominenten wie Kim Kardashian West und Rihanna, die sich mit dem Hashtag #FreeCyntoiaBrown für die Verurteilte einsetzten.

Zum ersten Mal erzählt jetzt ein Dokumentarfilm jetzt in einer sechsteiligen Serie Cyntoias Geschichte. Die Doku, die bald auf Netflix erscheinen soll, gibt den Zuschauern einen Einblick in Browns Leben vor, während und nach ihrer Verurteilung: ihre Kindheit, die von körperlicher und sexueller Gewalt geprägt war, ihre Erfahrungen mit dem US-Rechtssystem und ihr Leben nach der Befreiung. Dem Trailer zufolge wurde die Dokumentation über 16 Jahre lang produziert.

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Die erschreckende Geschichte von Cyntoia Brown

Im Jahr 2004 galt Cyntoia als Prostituierte, heute würde man sie als Opfer von Sexhandel und Missbrauch bezeichnen. Brown war gerade 16 Jahre alt, als sie den 43-jährigen Johnny Allen, der den Teenager zum Sex abholte, erschoss und tötete. Bei der Polizei gab sie damals an, sie habe Allen in Notwehr erschossen, weil sie um ihr Leben fürchtete, nachdem Allen gewalttätig geworden war: "Ich habe ihn erschossen, weil ich dachte, er würde mich erschießen". Das Gericht aber glaubte ihr nicht, die Staatsanwälte argumentierten erfolgreich, Cyntoias eigentliches Motiv sei Raub gewesen. Auch die Tatsache, dass sie minderjährig und Opfer von Sexhandel war, half dem Mädchen nichts. Brown wurde als Erwachsene vor Gericht gestellt und schließlich wegen Mordes ersten Grades und schweren Raubes zu lebenslanger Haft (51 Jahren) verurteilt.

Ohne Beteiligung oder Autorisierung von Brown veröffentlicht

Laut eigener Aussage war Brown in keiner Weise an dem Dokumentarfilm beteiligt. In einem Post auf Instagram schreibt sie, dass sie selbst von den Neuigkeiten überrascht worden sei:

"Während ich noch in Haft war, schloss ein Produzent, der altes Filmmaterial von mir besitzt, mit Netflix einen Vertrag für einen unautorisierten Dokumentarfilm ab, der demnächst veröffentlicht werden soll. Mein Mann und ich waren genauso überrascht wie alle anderen, als wir die Nachricht zum ersten Mal hörten, denn wir beteiligten uns in keiner Weise daran.

Ich bin jedoch gerade dabei, meine Geschichte auf die richtige Art und Weise, in allen Einzelheiten und in einer Weise zu erzählen, die die Frau, die ich heute bin, darstellt und respektiert. Während ich bete, dass dieser Film die Dinge aufzeigt, die in unserem Justizsystem falsch laufen, hatte ich mit diesem Dokumentarfilm nichts zu tun."

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Bleibt abzuwarten, wie Brown die Richtigkeit der Darstellungen in der Dokumentation einschätzt. Dass sie für eine Dokumentation ihrer eigenen Lebensgeschichte weder informiert noch gefragt wurde und so wohl auch am Gewinn nicht beteiligt werden wird, zeugt allerdings von einer Respektlosigkeit gegenüber einer Frau, die schon so unglaublich viel durchmachen musste, dass es der Dokumentation einen sehr, sehr bitteren Beigeschmack gibt.

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  • Quelle:
  • Noizz.de