Corona-Krise in Amerika: Präsident Trump hat sich über die letzten Wochen ja eher weniger mit Ruhm und vernünftigem Krisen-Management bekleckert. Nun ruft er die Amerikaner*innen zur Rückkehr aus der Quarantäne und zur Arbeit auf. Sein Tweet ist fatal und ignorant.

Wirklich große Trump-Fans waren wir noch nie – wir geben es zu. Auch wenn der amerikanische Präsident in seiner Ignoranz, Unwissenheit und seiner Egomanie durchaus unterhaltsam war. Problem ist aber derzeit: Trump und seine Krisenstrategie in Zeiten von Corona ist menschenfeindlich – und daran ist gar nichts mehr unterhaltsam.

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Am 24. März twitterte er:

"Unsere Bevölkerung möchte zur Arbeit zurückkehren. Es wird Social Distancing praktiziert und das alles, und auf alle Älteren wird liebevoll aufgepasst. Wir können beides gleichzeitig tun. DAS GEGENMITTEL DARF (bei weitem) NICHT SCHLIMMER SEIN ALS DAS PROBLEM! Der Kongress MUSS JETZT HANDELN. Wir werden stark zurückkommen!"

Amerika in Zeiten von Corona: Ein kaltes Land

Eine Bevölkerung die nicht arbeitet in einem Land, das sich Turbokapitalismus und bedingungslose Gewinnorientierung auf die Fahnen schreibt: der Untergang. Trump dürfte daher der Hintern ganz gut auf Grundeis gehen derzeit. Er muss befürchten dass die Börsenwerte in den Keller gehen und die Wirtschaft ordentlich einbricht, wenn Menschen aus begründeter Angst vor Corona zu Hause bleiben.

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Deshalb versucht Trump mit allen Mitteln so zu tun, als sei alles nicht so schlimm. Dabei ignoriert er Warnungen aus der Medizin, lässt Zahlen verfälschen und streut Halbwahrheiten. Kürzlich etwa verbreitete Trump die Info, dass der Malaria-Wirkstoff Chloroquin gegen Corona helfen würde. Er sprach dabei davon, dass er ein gutes Gefühl bei dem Medikament habe und es sehr stark sei – Mediziner gaben ihm dabei zu keinem Zeitpunkt recht. Ein älteres Ehepaar nahm das Mittel ein, der Mann ist bereits verstorben, NOIZZ berichtete dazu.

Trump ist überfordert

Man merkt, dass Trump im Angesicht der Corona-Krise heillos überfordert ist. Er kann die Probleme, die durch das Virus auf die Wirtschaft, auf das morbide Gesundheitssystem und die verängstigte Gesellschaft zukommen, weder wegignorieren, noch auf jemand anderen schieben. Er hat keine Erklärungen, keine Ahnung und ignoriert Infos von Wissenschaftlern, die ihm Wahrheiten auftischen, die Trump nicht gefallen.

Trump ist sonst schnell dabei, den schwarzen Peter bei allen anderen zu suchen – seinen politischen Gegner, der bösen Presse, anderen Ländern. Aber: Das Virus ist da und betrifft die ganze Welt. Jede Nation kämpft mit denselben Herausforderungen. Das was nun aber zählt, sind keine großen Reden, keine Beschuldigungen und rote Basecaps mit Wahlsprüchen. Das was jetzt zählt, ist Hilfe für diejenigen, die am Schwächsten sind. Das was zählen würde, wäre Hilfe für diejenigen, die wirtschaftlich eher am unteren Rand vor sich herdümpeln, mehrere Jobs machen und kleine Kinder haben, die nun nirgends betreut werden. All das kann Trump aber nicht bieten – und er will es auch nicht. Das was er und seine Unternehmer-Freunde wollen, sind billige Arbeitskräfte, die möglichst ohne Corona brav die Wirtschaft am Laufen halten. Make America great again müsste eigentlich heißen: Keep making a few Americans rich again.

Quelle: Noizz.de