Brasilien. Frankreich. Italien. Drei Länder, in denen die Anzahl an Corona-Neuinfektionen wieder ansteigen; drei Länder, die völlig unterschiedlich auf die Situation reagieren. Welche Staaten ihre Corona-Regeln verschärfen und welche sie lockern, lest ihr hier.

Die lang befürchtete zweite Welle hat begonnen: Seit Wochen steigen hierzulande und weltweit die Corona-Neuinfektionen wieder an. Während mehr und mehr Bundesländer Berlin als Risikogebiet eingrenzen und in der Hauptstadt ab Samstag eine neue Sperrstunde und Kontaktbeschränkungen eingeführt werden, reagieren weitere Nationalstaaten ganz anders auf die Situation.

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Grund dafür ist die Einstellung der Regierung und der Bevölkerung in unterschiedlichen Ländern. Trotz steigender Infektions- und Todeszahlen gilt die Pandemie mancherorts bereits für beendet. Selbst in Ländern, wo wieder mehr Einschränkungen eingeführt werden, versucht man, einen kompletten Lockdown wie im Frühjahr zu vermeiden. Hier eine Nahaufnahme der Lage in Brasilien, Frankreich und Italien.

Brasilien hat die dritthöchste Anzahl an Corona-Infektionen – und lässt Samba-Happenings trotzdem stattfinden

In der Millionenmetropole Rio de Janeiro dürfen Samba-Happenings wieder stattfinden. Unter Berufung auf die Stadtverwaltung sind künftig "kulturelle Veranstaltung" wie die "Roda de Samba", bei der sich Musiker versammeln, gestattet, berichtet "G1". Es müssen lediglich Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

Mehr als fünf Millionen Menschen haben sich in Brasilien nach Angaben des nationalen Gesundheitsministeriums seit Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert. Nach den USA und Indien verzeichnet Brasilien damit die meisten Corona-Infektionen. Insgesamt sind über 148.000 Menschen in Brasilien im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Die tatsächlichen Zahlen in Brasilien dürften noch weit höher liegen, auch weil das Land sehr wenig testet. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass sich mindestens siebenmal so viele Menschen infiziert haben wie bislang bekannt und doppelt so viele wie erfasst gestorben sind.

Im Februar hatte Brasilien seinen weltberühmten Karneval verschoben. Inzwischen halten aber viele Brasilianer*innen die Corona-Pandemie quasi für beendet, Einschränkungen des öffentlichen Lebens wurden aufgegeben. Der rechte Staatspräsident Jair Bolsonaro, der wie weitere Mitglieder seiner Familie selbst infiziert wurde, hatte die Krankheit Covid-19 als "leichte Grippe" bezeichnet, für Verwirrung in der Bevölkerung über die Schwere des Krankheitsbilds gesorgt und Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie abgelehnt.

"Roda de Samba" in Rio de Janeiro

In Frankreichs Metropolen müssen Clubs und Bars wieder schließen

Angesichts eines neuen Höchststandes bei Corona-Neuinfektionen wird in Frankreich mit weiteren Schritten der Regierung gerechnet. "Wir müssen uns auf den Weg zu zusätzlichen Einschränkungen machen", sagte Staatschef Emmanuel Macron am Mittwochabend den Fernsehsendern TF1 und France2.

Frankreich erzielte mit 18.746 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen Tages-Höchststand. Wie die Behörden am Mittwochabend mitteilten, wurde damit der bisherige höchste Wert von 16.972 neuen Fällen vom vergangenen Wochenende deutlich überschritten.

Die Corona-Lage ist sehr angespannt. Bis auf die an Deutschland grenzende Region Grand Est und die Insel Korsika gilt für Frankreich eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts.

Bisher starben rund 32.500 Menschen in Frankreich am Coronavirus. In vielen Städten Frankreichs gilt die Maskenpflicht auch unter freiem Himmel. In Paris und den direkt angrenzenden Vorstädten hatten die Behörden erst am Dienstag Bars und Cafés geschlossen – zunächst für zwei Wochen. In der Stadt und den Vororten gilt die "maximale Alarmstufe". Diese war zuvor nur in Marseille und dem französischen Überseegebiet Guadeloupe ausgerufen worden.

Paris bei Nacht

Im Frühjahr galten sehr strenge Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land, die polizeilich kontrolliert wurden. Die Mitte-Regierung betont immer wieder, dass solche generellen Beschränkungen nicht wieder eingeführt werden sollen.

Italien führt landesweite Maskenpflicht im Freien ein

Im Kampf gegen wieder steigende Corona-Infektionszahlen hat Italiens Regierung am Mittwoch eine landesweite Maskenpflicht im Freien beschlossen. Ausnahmen gebe es nur für Kinder im Alter unter sechs Jahren und für Menschen mit Krankheiten oder Einschränkungen, die mit dem Tragen einer Gesichtsmaske nicht zu vereinbaren seien, sagte die stellvertretende Gesundheitsministerin Sandra Zampa dem TV-Sender RAI.

Auch in bestimmten Situationen, in denen man alleine sei – etwa in einem Park –, gelte die Pflicht nicht. Unklar blieb zunächst, ab wann genau diese neue Maßnahme in Kraft treten soll. Beobachter*innen sagten, sie werde wahrscheinlich schon von Donnerstag an gelten.

Übersicht von Italiens Hauptstadt Rom

Das Tragen von Gesichtsmasken im Freien war bisher bereits in einigen italienischen Regionen Pflicht, darunter auch in Kampanien und Latium, die Neapel und Italiens Hauptstadt Rom einschließen. Bisher müssen die Schutzmasken national hauptsächlich in geschlossenen Räumen wie Läden und Büros sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgesetzt werden.

Die Regierung beschloss am Mittwoch ferner, den wegen der Corona-Pandemie ausgerufenen Notzustand über den 15. Oktober hinaus bis zum 31. Januar zu verlängern, wie ein Sprecher sagte. Der Notstand wird in Italien oft nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen ausgerufen, um eine besondere Koordinierung der Einsatzkräfte zu gewährleisten und Bürokratie zu vermeiden.

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Obwohl die Pandemie bisher als unter Kontrolle gilt, wuchs die Angst vor einer zweiten Welle deutlich. Nach den jüngsten, bislang vorliegenden Zahlen gab es am Dienstag 2.677 neu registrierte Corona-Ansteckungen in 24 Stunden, 28 Menschen starben mit oder an der Viruskrankheit. Die Zahl der Toten in Italien übersprang damit die Marke von 36.000. Mehr als 330.000 Menschen in Italien haben sich bisher mit dem Coronavirus infiziert.

[Text zusammen mit: dpa]

  • Quelle:
  • Noizz.de