Ein Sikh-Priester verbreitete Corona in Indien und verantwortet die Quarantäne von mindestens 40.000 Menschen im indischen Bundesstaat Punjab.

Die 70-jährige Priester Baldev Singh musste auf seinem Heimweg aus Deutschland auf einem italienischen Flughafen umsteigen, sagte ein Pressesprecher im Bezirk Shaheed Bhagat Singh Nagar gegenüber NBC News. Das scheint erst einmal harmlos, doch aufgrund des Corona-Virus wurde dieser Zwischenstopp zu einer großen Gefahr. Nach der Rückkehr in sein Heimatdorf Pathwala, ignorierte der Priester des hiesigen Tempels den Rat, sich selbst zu isolieren, und nahm an mehreren religiösen Versammlungen teil.

Festival-Besuch statt Isolation

Singh reiste sogar vom 10. bis 12. März mit zwei Freunden zum Hola-Mohalla-Fest in die nahe gelegene Stadt Anandpur Sahib. Ewa 300.000 Menschen nehmen an dieser Veranstaltung täglich teil. Sie zelten dort und erfreuen sich an Show-Kämpfen, Musik, Poesie und an dem großen Angebot der internationalen Küche. Im Vorfeld gab es bereits einige Warnungen vor großen Versammlungen – ganz gleich ob religiöser Natur oder aus gesellschaftlichen Anlässen – weshalb das Festival in diesem Jahr um einiges schlechter besucht wurde, doch Priester Sigh, schein das, trotz seines Auslandsaufenthaltes, nicht zu beachten.

Kurz nach seinem Besuch des Festivals, starb Sigh schließlich am 18. März, und Tests ergaben, dass das Coronavirus ihn getötet hatte. Einige seiner Verwandten wurden ebenfalls positiv getestet. Insgesamt wurden ganze 650 Personen in dem Dorf des Priesters identifiziert, die mit Singh in Kontakt standen und nun getestet werden müssen.

Quarantäne der Region

Die Behörden haben auch rund 20 Dörfer in der Region, insgesamt etwa 40.000 Menschen, unter Quarantäne gestellt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Beamte gingen von Tür zu Tür, um Menschen mit Symptomen zu inspizieren.

Der indische Premierminister Narendra Modi ordnete am Mittwoch eine 21-tägige Abriegelung des Landes für 1,3 Milliarden Menschen an. Nur diejenigen, die Lebensmittel oder Medikamente einkaufen, dürfen das Land offiziell verlassen.

Geöffnete Tempel

Bis heute sind 19 Menschen in Indien am Coronavirus gestorben, und 819 Menschen wurden positiv getestet, dabei hat das Land eine der niedrigsten Testraten weltweit. Die berühmten Sikh-Tempel sind allerdings weiterhin geöffnet.

Das schiromanische Gurdwara-Parbandhak-Komitee, das den besonders bekannten Goldenen Tempel in der Stadt Amritsar verwaltet und betreibt, sagte: "Wir können unsere Türen nicht schließen und die Menschen daran hindern, zum spirituellen Zentrum des Sikh-Glaubens zu kommen". Es gelten jedoch einige Sicherheitsmaßnahmen und die Menschen werden vor Betreten gesundheitlich kontrolliert.

Gesundheits-Check am Tempel

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Quelle: Noizz.de