AKK verteidigt ihre Karnevals-Rede.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat an Karneval eine „lustige“ Rede gehalten, bei der sie Witze auf Kosten von männlichen Minderheiten und dritten Geschlechtern gemacht hat. Als ich ihren Auftritt zum ersten Mal gehört habe, dachte ich „Wow, guckt da aus den eigenen Reihen keiner mehr über den Text, bevor sie so etwas unfassbar Rückständiges und Sexistisches von sich gibt?! Wie will sie diesen Fauxpas nur wieder glattbügeln?“ Doch von „Fauxpas glattbügeln“ ist keine Rede: Anstelle einer öffentlichen Entschuldigung schießt die Spitzenpolitikerin noch ein zweites Mal hinterher. Was ist da los in der CDU?

Manchmal muss man genau hinschauen, bevor man sich künstlich aufregt.“, verteidigt sich die 56-Jährige – bitte was?

Die CDU ist eine konservative Partei. Konservativ zu sein, bedeutet zu bewahren. Dabei geht es allerdings nicht darum, alles zu bewahren, sondern dass, was sich bewährt hat. Nur weil etwas schon mal da war, hat es nicht automatisch eine Existenzberechtigung für die Zukunft. Das sollte selbsterklärend sein. Im Falle von AKKs Karnevals-Rede und ihrer nachfolgenden Rechtfertigung, kann von einem konservativen Statement in diesem Sinne allerdings nicht mehr die Rede sein.

In der Vergangenheit hat es sich nämlich nicht bewährt, strikt in zwei heterosexuelle Geschlechter zu unterteilen und alle anderen Orientierungen zu unterdrücken, zu verurteilen, und im schlimmsten Fall sogar rechtlich zu bestrafen. Menschen sind vielfältiger als das, sowohl in ihrer Identität als auch in ihrer Sexualität. Deswegen dürfen homosexuelle Paare in Deutschland heutzutage heiraten, und seit Ende 2017 auch Kinder adoptieren.

In den modernen Städten Deutschlands – zum Beispiel in Berlin – gibt es mittlerweile viele Clubs, Bars und Cafés, die eine Toilette für ein „drittes Geschlecht“ anbieten, also für Menschen, die sich weder als Mann, noch als Frau fühlen, oder bei so einer Unterscheidung auch einfach nicht mitmachen wollen. Das sind gesellschaftliche Fortschritte und Errungenschaften, die niemandem schaden und sich für viele Menschen als extrem positive und wegweisende Veränderung bewährt haben.

LGBT Demonstration Foto: Josh Wilburne / unsplash.de

AKK sieht das anscheinend anders. Als Reaktion auf die Kritik zu ihrer Karnevalsrede schoss sie am Aschermittwoch zurück:

„Wenn wir das so weitermachen, dann laufen wir Gefahr, etwas ganz Wunderbares in unserem Land kaputtzumachen. Nämlich die Tradition von Karneval, die Tradition von Fastnacht, die Tradition von Kleinkunst, bei der man gerade nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Wenn wir da so verkrampfen, wie wir es in den letzten Tagen getan haben, dann geht ein Stück Tradition und Kultur in Deutschland kaputt und das sollten wir nicht zulassen.“

„Verkrampfen“ meint hier also, keine Witze auf Kosten von sexuellen Minderheiten zu dulden, und mit „etwas ganz Wunderbarem in unserem Land“ spricht die Spitzenpolitikerin von einer Kultur, in der genau diese Form von Humor auf großen Bühnen praktiziert wird.

Mit ihrer Haltung steht AKK nicht alleine, auch ihre Parteikollegin Dorothee Bär macht sich gerade gegen moderne Genderpolitik stark. Die 40-jährige Staatsministerin für Digitalisierung hält Gendersprache nämlich für „gaga“, wie sie in einem Appell kurz vor dem internationalen Frauentag verheißen lies: „Sowohl das Binnen-I, als auch das Gender-Sternchen. Dass man Sprache so verhunzt und vergewaltigt - da halte ich gar nichts von.“

Und genau das ist der Punkt, an dem von einer konservativen Haltung nicht mehr die Rede sein kann. Das ist der Punkt, an dem man von einer sexistischen Haltung sprechen muss, die Minderheiten unterdrückt – eine Haltung, die sich nicht auf das stützt, was sich bewährt hat, sondern auf das, was privilegierte weiße Menschen in Vergangenheit durch einen Missbrauch ihrer Macht produziert haben.

Ein trauriger Versuch der CDU, sich als Partei wieder mehr nach rechts zu bewegen, um die an die AFD verloren gegangenen Wähler zurückzugewinnen. Da geht man gerne über ein paar Leichen, und die der Minderheiten sind natürlich die, die sich am wenigsten wehren können.

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Quelle: Noizz.de