Cannabis vom Arzt: Daran scheitert das Kiffen auf Rezept

Isabell Finzel

Politik, News, Lifestyle
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Cannabis Foto: Daniel Karmann / Zusammen mit dpa

Die große Nachfrage trifft auf mangelndes Wissen von Ärzten.

Seit einem Jahr können sich Patienten medizinisches Cannabis ganz regulär beim Arzt verschreiben lassen, zum Beispiel, wenn sie an schweren Schmerzen leiden. Seitdem schießt die Zahl der Behandlungen zwar in die Höhe. Doch die Diskussion darüber bleibt: Immer noch denken viele bei dem Thema an kiffende Jugendliche und zu gedröhnte Reggae-Sänger.

Auch wenn die Zahl der Cannabis-Patienten stark angestiegen ist, sind Ärzte zurückhaltend, wenn es um das Ausstellen von Rezepten geht: Weniger als 1000 Mediziner verschrieben Cannabis. Die Kassen berichten zudem von Anlaufproblemen, fehlerhaften oder unvollständigen Anträgen. Ärzte müssen Cannabis-Verschreibungen genau begründen. Das Problem: Teils fehlt ihnen das Wissen.

Die Angst der Ärzte

Der Deutsche Hanfverband kritisiert gegenüber NOIZZ, es gebe schlicht zu wenige Weiterbildungs-Angebote für Mediziner: „Von staatlicher Seite scheint es kein großes Interesse an einer verstärkten Nutzung von Cannabis als Medizin zu geben, auch die Landesärztekammern und Bundesärztekammer bieten wenig zum Thema an“, sagt Florian Rister vom Hanfverband. „Der Mangel an Weiterbildungsangeboten macht es Ärzten, die zur Verschreibung von Cannabis bereit sind, aber Unsicherheiten oder Ängste bei der Umsetzung haben, sehr schwer.

Die Bundesärztekammer sieht das anders, auf NOIZZ-Anfrage entgegnet sie, dass „zahlreiche von Ärztekammern zertifizierte Fortbildungsmaßnahmen zur Cannabis-Therapie angeboten werden.“ Sie habe zudem eine umfassende FAQ-Liste für Ärzte zum Einsatz von Cannabis in der Medizin veröffentlicht.

Cannabis Foto: Christian Beutler / Zusammen mit dpa

Zwar steht hier Aussage gegen Aussage, doch scheint es angesichts der stark steigenden Nachfrage bedenklich, dass bisher nur wenige Ärzte Cannabis-Rezepte ausstellen. Auch im Medizinstudium scheint die Anwendung von Cannabis zur Schmerztherapie nur zaghaft ein Thema zu werden. Das zumindest legt eine nicht repräsentative Umfrage nahe, die der Bundesverband der Medizinstudierenden für NOIZZ unter Medizinstudenten an 15 Universitäten durchgeführt hat.

Wir wollten wissen, steht die Cannabis-Therapie gegen Schmerzen überhaupt auf dem Stundenplan? Dabei kam heraus: An nur wenigen Fakultäten wie in Regensburg wird im Rahmen der Schmerzmedizin explizit auf die Cannabis-Therapie eingegangen. Separate Vorlesungen oder Seminare über Cannabis-Therapien gibt es an keiner der befragten Unis. An einigen Fakultäten wird im Rahmen eines Wahlfaches der medizinische Gebrauch von Cannabis besprochen.

Medizinisches Cannabis Foto: Swen Pförtner / dpa picture alliance

„Im Medizinstudium sollte die Verwendung von Cannabis als eine gleichberechtigte Möglichkeit unter vielen diskutiert werden“, fordert Florian Rister vom Hanfverband. Bis dahin, ist es wohl noch ein weiter Weg. Man müsse mit Studien noch „sehr genau“ prüfen, ob Cannabis eine Alternative zu herkömmlichen Therapien sei, sagt die Bundesärztekammer.

Quelle: Noizz.de

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