Bundeswehr zurück auf YouTube: "BIWAK – 4 Tage in Eis und Schnee"

Florian Gehm

Politik, Rap und Games
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Jessika ist 22 Jahre als und Hauptgefreite im Geschäftszimmer Foto: Bundeswehr Exclusive / Instagram.com

37,5 Kilo Marschgepäck, 1.000 Höhenmeter, bittere Kälte – so krass macht die Bundeswehr Werbung im Netz!

Nach Grundausbildung in Parow und Wüstentrip durch Mali meldet sich die Bundeswehr mit ihrem nächsten Werbestreich zurück! Dieses Mal dreht sich alles ums Überleben in eisiger Kälte – denn beim "BIWAK" müssen fünf Soldaten in bitterer Kälte vier Tage überleben.

Zusammenhalt, Kampfgeist und Gemeinschaft werden in den Serien der Bundeswehr besonders groß geschrieben – und das begeistert vor allem junge Menschen. Denn aktuell wird die Truppe von Minderjährigen unterwandert (NOIZZ berichtete) – die Zahl an Soldaten unter 18 hat sich seit 2011 fast verachtfacht.

Kritiker beklagen, dass die Social-Media-Kanäle "Bundeswehr Exclusive" Krieg verherrlichen würden. Befürworter loben die neue Transparenz der Truppe. Nun geht es also in die Kälte des Winters – in sieben Episoden. Ein Biwak ist ein Feld- oder Nachtlager der Bundeswehr. Das Ziel: Die Truppe auf den Einsatz und das Überleben im Hochgebirge vorbereiten.

Dafür legen die fünf Soldaten in der Serie mit 37,5 Kilogramm Marschgepäck über 1.000 Höhenmeter zurück. Auf dem Lehrprogramm stehen unter anderem Skifahren, Iglu-Bau, Bergrettung und der Umgang mit der Waffe auf Skiern. Anführer der Gruppe ist Hauptfeldwebel Johnny, der gerade aus Mali zurückgekehrt ist. Der Gebirgsjäger soll die Gruppe fit für die Kälte machen.

Ein ganz besonderer Neuzugang ist die 22-jährige Hauptgefreite Jessika. Bei ihrem ersten Winter-Biwak will sie ihre Höhenangst besiegen – und das obwohl sie eigentlich im Geschäftszimmer eingesetzt wird und erst seit drei Wochen auf Skiern stehen kann. Doch schon vor Beginn der Serie zeigen sich hier die ersten Schattenseiten des aggressiven Marketings. "Geile drecksau die alte" schreibt ein Instagramnutzer unter ein Hochglanzfoto der jungen Frau.

Denn die fünf Soldaten sind neugierigen Blicken auf allen Kanälen ausgesetzt: In jedem erdenklichen sozialen Netzwerk ist die Bundeswehr unterwegs. Mit Instagram-Stories können Nutzer fast live beim Biwak-Ausflug dabei sein, ein Bot auf Facebook verteilt automatisch im Kommando-Ton neue Inhalte. "Nichts für schwache Nerven: Das kommt ab Freitag auf dich zu, Kamerad!", wird mir dort digital "befohlen". Fotos, Videos, jedes kleine Informationshäppchen: Das alles ist ohne Zweifel hoch professionell produziert und sieht, wer liebt nicht Schneefall in Zeitlupe, wunderschön aus! Doch auch für die neue Mini-Serie wird es erneut laute Kritik geben.

Es sei schlimm, dass es mittlerweile auf Häuserwänden, im Kino, in Fitnessstudios oder an Bushaltestellen Bundeswehrwerbung gäbe, kritisierte etwa Christine Buchholz, verteidigungspolitische Sprecherin der Partei Die Linke im Bundestag zur Veröffentlichung der Serie "Mali". Die Bevölkerung werde Stück für Stück ans Militär gewöhnt. Doch 60 Millionen Videoaufrufe alleine auf YouTube geben der Bundeswehr offensichtlich recht: Ihre neue Werbestrategie blüht – und auch im Schnee wird sie nicht erfrieren!

Quelle: Noizz.de

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