Britischer Abgeordneter bricht uralte Regel – und das Parlament dreht durch

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Hier hat Lloyd Russell-Moyle das Zepter in der Hand. Foto: House of Commons / Screenshot

So lustig reagiert das Netz.

Großbritannien versinkt gerade im Brexit-Chaos – da bliebt kein Stein auf dem anderen. Jetzt hat ein Abgeordneter der Labor-Partei sogar eine uralte Regel gebrochen, an die sich schon seit zehn Jahren niemand gewagt hatte.

Lloyd Russell-Moyle ging während einer Parlamentsdebatte in den Innenraum des House of Commons und griff sich den Streitkolben, eine Art zeremonielles Zepter, das die Engländer „mace“ nennen.

Mit dem goldenen Zepter schritt er unter entrüsteten Zwischenrufen Richtung Ausgang, wurde allerdings von einer Saaldienerin am Verlassen gehindert. Sie nahm den Streitkolben an sich und legte ihn wieder an seinen angestammten Platz.

Russell-Moyle musste anschließend das Parlament verlassen. Doch was hat es mit diesem Gegenstand überhaupt auf sich – und warum verlieren die Abgeordneten so dermaßen die Fassung?

Es hat etwas mit den Royals zu tun

Das Vereinigte Königreich trägt seine Staatsform schon im Namen. Beide Parlamentskammern, das House of Commons und das House of Lords, beziehen ihren Machtanspruch vom Königshaus.

Das physische Symbol dafür sind die Streitkolben, die schon seit Jahrhunderten in beiden Kammern daran erinnern, wer der eigentliche Herr im Haus ist. Wenn das Parlament tagen oder Gesetze erlassen will, geht das nur in Gegenwart des Zepters.

Im House of Commons, wo Lloyd Russell-Moyle sich den Streitkolben packte, wird dieser jeden Morgen von einem der Saaldiener an seinen Platz getragen, wo er während der Parlamentssitzungen auch bleibt – es sei denn, jemand schreitet nach vorne und greift ihn sich.

Diese Praxis ist strengstens untersagt: Einfach Abgeordnete dürfen das Zepter nicht berühren, geschweige denn damit aus dem Saal spazieren. Und doch ist genau das zur äußersten Form des Protests im Parlament geworden: Wer den Kolben nimmt, der zeigt, dass ihn etwas so richtig wütend macht.

In Russell-Moyles Fall ist das die Handhabung des Brexit der aktuellen Regierung von Premierministerin Theresa May. Er ist der erste Politiker seit knapp zehn Jahren, der sich das Zepter packte – auf Twitter war dementsprechend einiges los:

Quelle: Noizz.de