Es geht um die neue US-Botschaft in Jerusalem und Molotow-Cocktails.

Der Kontrast dieser Bilder wird uns noch Lange im Gedächtnis bleiben: Am Montag eröffnete Ivanka Trump die neue US-Botschaft in Jerusalem, während am Gazastreifen blutige Auseinandersetzungen zwischen palästinensische Demonstranten und der israelischen Armee stattfanden. Doch was genau ist dort eigentlich los? Wir verschaffen euch einen kurzen Überlick:

Zu den Protesten an der Grenze hat die islamistische Hamas aufgerufen, die den Gazastreifen seit 2007 regiert. Bereits im März hatte es vermehrt Ausschreitungen an der Zaunanlage gegeben. Weil jetzt die neue amerikanische Botschaft in Jerusalem eröffnet wurde und gleichzeitig der Nakba-Tag ansteht, an dem die Palästinenser ihrer Vertreibung im Jahr 1948 gedenken, organisierte die Hamas die bislang größten Proteste in Gaza.

Am Montag gab es dort einen Generalstreik. Unis, Schulen und viele Läden blieben geschlossen, um möglichst viele Bewohner für die Proteste zu gewinnen. Auch über die Minarette der Moscheen wurde zur Teilnahme aufgerufen. Wenn es nach der Hamas geht, sollen die Demonstrationen über die nächsten Wochen konstant weiter gehen.

Es kommt vieles zusammen: Generell richtet sich die Wut der Bürger Gazas gegen die Blockade durch Israel und Ägypten, die schon über ein Jahrzehnt andauert. Hinzu kommen aktuell die Botschaftseröffnung der USA in Jerusalem, die von den Palästinensern als Überschreitung einer roten Linie angesehen wird: Auch sie reklamieren die Heilige Stadt als ihre Hauptstadt. Hinzu kommt das 70. Jubiläum der Staatsgründung Israels.

Palästinensische Demonstranten im Gazastreifen tragen einen verwundeten Mann fort.

Die Hamas erkennt Israel nicht an und hat das erklärte Ziel, auf seinem Gebiet einen islamischen Staat zu errichten. Ihr wird vorgeworfen, sie würde eine Reaktion der israelischen Armee bewusst in Kauf nehmen und Demonstranten in den Tod schicken, um durch die Opfer auf die Lage in Gaza aufmerksam zu machen.

Die Zahl der Demonstranten lag zwischen 40.000 und 50.000 und blieb damit hinter den Prognosen der Hamas zurück. Viele waren unbewaffnet. Andere benutzten Steinschleudern, Lenkdrachen mit Brandsätzen oder Molotow-Cocktails, um israelische Soldaten anzugreifen. Es kam zu wiederholten Versuchen, die Grenze zu stürmen – ohne Erfolg.

Die israelische Armee gab an, dass zehn Sprengsätze und Brandbomben von den Palästinensern eingesetzt wurden. Auch soll es Schüsse auf Soldaten gegeben haben sowie Versuche, Soldaten zu entführen. Als Reaktion griff die israelische Armee am Dienstagmorgen mehrere Stellungen der Hamas mit Luftangriffen an.

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Seit dem Gazakrieg 2014 hat es nicht mehr so viele Opfer gegeben. Die jüngste Zahl liegt bei 59 Toten. Verletzt worden sein sollen etwa 2771 Palästinenser, etwa die Hälfte davon durch Schüsse. Der Rest beläuft sich größtenteils auf all jene, die Tränengas eingeatmet haben und ebenfalls in diese Statistik aufgenommen werden. Da die Angaben vom Gesundheitsministerium in Gaza stammen, lassen sie sich nicht von einer anderen Quelle überprüfen. Besonderes Aufsehen erregte der Fall eines acht Monate alten Babys, das aufgrund des eingeatmeten Tränengases gestorben sein soll.

Der Gaza-Streifen grenzt an Ägypten und Israel. Nachdem die israelischen Streitkräfte den Landstrich im Jahr 2005 räumten, verwaltet er sich selbst. Seit 2007 regiert die Hamas. De facto ist Gaza damit eine Art Stadtstaat, der mit den palästinensischen Autonomiegebieten im Westjordanland in der Praxis keine politische Einheit bildet. Es leben zirka 2 Millionen Menschen dort in relativer Isolation.

Israel lässt Konvois durch, um eine Versorgung mit dem Nötigsten zu gewährleisten. Die Grenze zu Ägypten ist meist zu und wird nur sporadisch geöffnet.

Die nächsten israelischen Dörfer liegen schon in Sichtweite der Grenze und sind nur wenige hundert Meter entfernt. Seit der Hamas-Zeit hat es immer wieder Raketenangriffe auf Orte in der Nähe gegeben, genau wie Tunnel, die unter der Grenze hindurch Terroristen die Möglichkeit gaben, nach Israel zu gelangen und Angriffe zu verüben.

Zum letzten großen Krieg kam es im Jahr 2014. Die Entführung und der Mord an drei israelischen Jugendlichen und anhaltende Raketenangriffe der Hamas brachten das Fass zum überlaufen. Über sieben Wochen hinweg beschoss Israel den Gazastreifen aus der Luft und startete eine Bodenoffensive. Auf palästinensicher Seite kamen über 2.000 Menschen ums Leben.

  • Quelle:
  • Noizz.de