Bill Gates ist der zweitreichste Mann der Welt. Nachdem er mit der Gründung von Microsoft über 100 Milliarden US-Dollar gemacht hat, verbringt er seine Zeit heute damit, den Planeten zu retten. Bereits ein Drittel seines Vermögens ist in seine Stiftung geflossen. Nun fordert er, dass das reichste 1 % der Weltbevölkerung für den Klimawandel aufkommen sollen. Geht das? Wie viel Geld haben eigentlich die Reichsten der Reichsten – und kann man damit die Welt retten?

Dass der Reichtum der Welt nicht fair verteilt ist, damit kann man heute niemanden mehr überraschen. Wir, die westliche Welt, sind die Gewinner, 90 Prozent der restlichen Welt haben es weniger gut erwischt. Deutlich weniger gut: Schon im Jahr 2000 besaß das reichste Zehntel der Weltbevölkerung 85 Prozent des weltweiten Reichtums – Tendenz steigend. Die ärmeren 50 Prozent der Welt verfügen gerade mal über einen Prozent des globalen Reichtums, wie das "World Institute for Development Economics Research" (UNU-WIDER) berichtete.

Reichtum, der mag am untersten Ende da beginnen, wo einem das Leben gerade genug bietet, um nicht sterben zu müssen. Am oberen Ende hingegen thront eine Menge von Menschen, die Geldbeträge in derart astronomischen Höhen besitzen, dass sie damit – die Welt retten könnten? Bill Gates, Gründer von Microsoft und mit einem Vermögen von 98 Milliarden US-Dollar der zweitreichste Mensch der Welt, will, dass die Reichsten der Welt ihr Vermögen für den Kampf gegen den Klimawandel bereitstellen, wie er im Interview mit "The Atlantic" erklärt. Coole Idee, oder?

Wie viel Geld besitzt eigentlich das reichste Prozent der Weltbevölkerung? Wenn jeder von ihnen ein Prozent seines Vermögens spenden würde, was käme da zusammen – und was könnte man damit erreichen?

Kein Einzelfall: Luftverschmutzung in Chinas Stahl-Stadt Wuhan. Der CO2-Ausstoß ist der weltweite Hauptverursacher für die Erderwärmung, ausgelöst durch Massentierhaltung, Autoverkehr und Flugzeuge.

Bill Gates Ansatz: Forschung und CO2-Steuer

Es gibt auf der Welt 80 Millionen Menschen mit einem Vermögen über 700.000 Euro – das ist das reichste Prozent der Welt. Aber das ist natürlich nur der kleine, läppische Bodensatz der Superreichen. Die zehn reichsten Menschen der Welt besitzen zusammen knapp 650 Milliarden Euro, angeführt von Amazon-Gründer Jeff Bezos mit über 130 Milliarden Euro.

Wie viel Geld gibt es eigentlich auf der Welt? Das "Handelsblatt" sagt 163 Billionen Euro. Von diesen 163 Billionen besitzt das reichste Prozent der Welt 40 Prozent, ebenfalls von der "UNU-WIDER" berichtet. Heißt: Das reichste ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt 400 Billionen Euro. Nehmen wir davon ein Prozent, und – ta-da: 400 Milliarden für den Klimaschutz, was geht denn damit?

400 Milliarden für den Klimaschutz

Bill Gates will, dass die Reichen US-Amerikaner das jährliche Forschungsbudget der USA für neue und alternative Energie-Technologien finanzieren. Sechs Milliarden stellt der Staat, zwölf weitere sollen die Rich Kids on the Block locker machen. Er selbst ist mit zwei Milliarden an Board. Seine generelle Strategie besteht aus zwei Momenten: auf der einen Seite Forschung, auf der anderen eine Steuer auf CO2, dem Hauptgrund für die Erderwärmung. Klimasünder müssen zahlen, so seine Devise.

>> Wie Corona in den USA die Reichen reicher und die Armen ärmer macht

Jeff Bezos ist so reich, dass es weh tut: Er besitzt über 130 Milliarden Euro. Seinem Unternehmen Amazon ist der Umweltschutz bislang sehr egal, und auch Bezos selbst hat es immer wieder ins Rampenlicht geschafft, weil er sein Vermögen herzlich ungern spendet.

Erderwärmung vs. Rich Kids on the Block

Aber denken wir doch mal ein bisschen globaler: Was kostet es, die Welt zu retten, wie wär es zum Beispiel mit dem Ziel der Erderwärmung unter zwei Grad?

Wie uns Britt Erxleben vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wissen ließ, lassen sich Summen für ein solches Ziel nicht wirklich überschlagen, weil es zu viele kaum einzuschätzende Faktoren gibt. Die Kosten setzen sich generell sowohl aus den Schäden des Klimawandels (Schadenskosten) und den Kosten für die Einhaltung der Klimaziele (Vermeidungskosten) zusammen und hängen stark von der konkreten angestrebten Temperatur ab, neuen möglichen Technologien, politischen Entwicklungen, oder auch der Bewertung der Leistung bestimmter Ökosysteme. Aber es muss ja nicht direkt der ganze Kuchen sein.

Was wäre, wenn man einfach mal 400 Milliarden Euro für die globale Aufzucht von Wäldern und ihren anschließenden Schutz investiert? Wie uns Umweltforscher Christoph Thies mitteilte, könnte mit der globalen Aufforstung von Wäldern tatsächlich einen Anteil zur Eindämmung der CO2-Emissionen geleistet werden. "Wälder könnten jährlich ein paar Milliarden Tonnen mehr CO2 aus der Luft binden als bisher und so zum Klimaschutz beitragen. Die weltweiten Kosten kann ich nicht beziffern, aber sie dürften in der Größenordnung eines dreistelligen Milliardenbetrages jährlich liegen."

Was würde Greta Thunberg mit 400 Milliarden Euro tun? Die schwedische Aktivistin überzeugt im Kampf gegen den Klimawandel mit Fakten und einem Blick fürs Wesentliche.

Da die gesamten Klimagas-Emissionen (in CO2 umgerechnet) weltweit bei etwa 50 Milliarden Tonnen jährlich liegen, können Wälder zwar einen wichtigen Beitrag leisten, aber vor allem der schnelle Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen müsste unbedingt parallel passieren", so Thies. Aha, ein dreistelliger Milliardenbetrag also, passt ja perfekt zu unseren 400 Milliarden. Das wäre es doch: Das reichste ein Prozent der Welt zahlt die globale Aufforstung und leistet so einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel! Aber gehen wir mal weiter.

Der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen also, wie siehts denn damit aus? Wie man der Bundesregierung entnehmen kann, arbeitet Deutschland derzeit mit Fördermitteln in Höhe von 17 Milliarden Euro am Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, was natürlich in erster Linie Braunkohle ist. Ansonsten entwickeln 130 Forschungsprojekte mit rund 55 Millionen Euro vom Staat aktuell Strategien, wie man die Energieeffizienz in unterschiedlichen Sektoren erhöhen kann. Klar, wir sind jetzt gerade nach Deutschland gesprungen, und es ging ja eigentlich um die ganze Welt. Aber es gibt ja auch reiche Deutsche, und was bitte sind 55 Millionen für eine vergleichsweise läppische Summe?

Braunkohle, ein fossiler Brennstoff, mit dem wir bei der Energiegewinnung CO2 in die Luft jagen, als gäbe es dafür einen Preis. Der Ausstieg aus der Kohle-Energie ist einer der wichtigsten Punkte beim Kampf gegen die Klimakrise.

Man merkt: Es geht also was mit ein paar Hundert Milliarden Euro. Und nicht zu vergessen, wir reden hier gerade von einem winzigen Prozent des Vermögens. Was, wenn man einfach mal auf völlig verrückte zehn Prozent hochgeht? Dann wären wir schon bei vier Billionen Euro. Und was, wenn man nicht nur das reichste Prozent der Weltbevölkerung nimmt, sondern die reichsten fünf oder zehn Prozent? Was, wenn man einfach für alle Menschen der industrialisierten Welt eine Umwelt-Steuer einführt, die – je nach Höhe ihres Einkommens – einen Teil des Geldes in den globales Klimaschutz steckt?

Yes: Damit könnten wir unfassbar viel bewegen – und würden es an unseren Finanzen nicht einmal bemerken. Allein in Deutschland werden jährlich über 3,5 Billionen Euro verdient. Mit einer Umweltsteuer von einem Prozent besäßen wir jährlich ein Budget von über 30 Milliarden Euro, mit denen man national für den Umweltschutz arbeiten könnte.

Welt retten oder weiter geizen?

So betrachtet bekommt der kolossale Reichtum der Superreichen noch mal einen ganz anderen Beigeschmack. Denn: Ein Bruchteil ihrer Geldberge würde reichen, um richtig viel zu bewegen. Und auch mit einem Bruchteil unserer deutschen Geldberge beziehungsweise -verdienste könnte richtig was bewegt werden. Trotzdem passiert das nicht, weder aus Eigeninitiative, noch mithilfe gesetzlicher Regelungen.

Vielleicht sollte man das hier auch noch mal festhalten: Multimilliardär wird man in der Regel nicht mit Umweltschutz, sondern indem man einen Fick auf die Natur und den Rest der Welt gibt, siehe Amazon. Deshalb sind gerade die besagten Reichsten der Reichen oft die schlimmsten Klimasünder. Wie viele gute Gründe braucht es noch, bis endlich was passiert?

Quelle: Noizz.de